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Ausbau beendet: Haus der Kirche „Sibrand Siegert“ in Güstrow stockt um 16 Betten auf

 

Güstrow (kiz). Beate Hübener atmet auf. Seit November 2008 wirken im Grünen Winkel Güstrow die Handwerker, lässt die mecklenburgische Landeskirche die Kapazitäten im „Haus der Kirche“ erweitern. Der Seminarbetrieb fand trotzdem statt – für die Leiterin des Hauses eine Zeit der Anstrengung, die sich gelohnt hat. Denn 16 Betten mehr stehen nun in der Tagungs- und Begegnungsstätte zur Verfügung, insgesamt 55 Übernachtungsmöglichkeiten. Damit lasse es sich geschickter planen, „eine Tagungsgruppe besteht meist aus 15 bis 20 Personen, jetzt können wir sie parallel besser unterbringen“.

 

Aus wirtschaftlicher Sicht ist der Anbau sehr sinnvoll“, begrüßt auch Christian Höser, Mitglied im Kuratorium des Hauses der Kirche und Leiter des Amtes für Gemeindedienst, die Entwicklung im Grünen Winkel. Mit dem Entscheid, das nun ausgebaute Nachbarhaus dazuzukaufen, habe die Landeskirche zu ihrem selbst gesetzten Schwerpunkt gestanden. Jenem nämlich, dass das Haus der Kirche in Güstrow neben dem Pfarrhaus Damm bei Parchim (Schwerpunkt Jugendarbeit) zu einem zentralen Ort für kirchliches Leben in Mecklenburg avancieren soll.

 

Die Landeskirche ergriff ihre Chance 1998. Da stand neben dem Haus der Kirche mit der Nummer 10 plötzlich die – teilsanierte – Nummer 9 zum Verkauf. Zehn Jahre sind vergangen, bis mit der Sanierung des Gebäudes begonnen wurde, denn erst galt es, die Hausnummer 10 in Form zu bringen.

 

Seit 2000 hat die Landeskirche hier 991 000 Euro investiert: Fachwerksanierung, Fahrstuhl, Heizungsumstellung, Brandmeldeanlage, Parkplatz, Saalaufstockung im Hinterhaus. Peu à peu hat sich aus dem alten Gebäude ein Schmuckstück herausgeschält. Die Nummer 10 selbst besteht aus zwei Häusern, zur Straße hin auch als solche erkennbar. Das Gebäude mit aufwändiger Fachwerkmalerei ganz rechts ist um 1750 entstanden, „ein Majoratshaus, erbaut von Krüger-Hansen“, weiß Beate Hübener.

 

30 Jahre später hatte damals der Bauherr seine Immobilie erweitert, um das heute mittig stehende Gebäude. Mit der Nummer 9 ist nun das Häusertrio perfekt. Ein Trio, das nur nach außen als solches erscheint, denn hinter den Fassaden sind die Häuser alle über Treppen und Flure miteinander verbunden, brauchen nur einen Haupteingang. Noch einmal 985 000 Euro brauchte es, um die Nummer 9 zu sanieren. „Das Haus ist mit der vorherigen Raumaufteilung nicht mehr zu vergleichen“, sagt Beate Hübener. Warme Farbtöne prägen auch im neuen Gebäude die Atmosphäre, „die Zimmer haben eine solide, zweckmäßige Ausstattung“, beschreibt es die Hausherrin. Bleibt der Gast auch auf derselben Etage, muss er beim Übergang in das neue Gebäude doch Treppen steigen. „Ein behindertengerechter Umbau wäre hier gar nicht möglich gewesen“, so Beate Hübener. Behindertengerecht, weil über den neu angebauten Fahrstuhl zu erreichen, sind dafür einige Zimmer aus dem alten Gebäude.

 

Gekocht wir nun in der Nummer 9, die „alte Küche“ in der 10 fungiert als reine Spülküche. Was im Haus der Kirche auf den Tisch kommt, ist im Gebäude selbst gekocht worden. Während im neuen Haus schon die Gäste schlafen, muss der dazugehörige Hinterhof noch angelegt werden. Zum Tag des Denkmals, wenn das Haus der Kirche zur Besichtigung einlädt, sollen hiervon schon die Grundzüge erkennbar sein. Wenn die Besucher durch die neuen Räumlichkeiten wandeln, werden die Mitarbeiter auf ihr hausinternes Jubiläum hinweisen. Das Haus der Kirche ist seit 50 Jahren Tagungs- und Begegnungsstätte, 1920 hatte der Gemeindehausverein die Immobilie im Grünen Winkel gekauft. Zwischendrin waren hier Schüler und Lehrlinge untergebracht, bis 1960 der Tagungsbetrieb aufgenommen wurde. 80 Prozent der Gäste kommen heute aus dem Umfeld der Kirche. Die Evangelische Akademie lädt zu Tagungen, das Amt für Gemeindedienste quartiert sich ein, Kirchenchöre, das Evangelische Frauenwerk, die Landeskirche. Aber auch die Güstrower Plattsnacker schätzen das Gebäude, dessen Atmosphäre Beate Hübener mit „familiär, offen, freundlich“ beschreibt. „Wir sind kein anonymes Hotel, einchecken, auschecken.“ Wer Getränke möchte, zahlt in die Kasse des Vertrauens.

Karina Hoppe

 

Aus: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung

Ausgabe vom 25.7.2010


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