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Lüssow feiert Rückkehr des Pultengels

Evangelium schwebt auf geschnitzten Flügeln

23.09.2017 ǀ Lüssow.  Jahrzehntelang lag der barocke Pultengel in Bruchstücken und Einzelteilen auf der Empore der Lüssower Kirche (Pfarramt Züssow-Ranzin). Am Sonntag (24. September) wird um 14 Uhr die Rückkehr der Holzskulptur gefeiert, die nun in alter Pracht wiederhergestellt ist.

Die blaugewandete Engelsfigur, die um das Jahr 1725 in der Werkstatt des Stralsunder Bildhauers Elias Kessler entstand, trägt ein Lesepult auf ihren hölzernen Flügeln. Auf diese Weise wirkt es für den Betrachter, als würde das Evangelium über dem Engel schweben. Gemeinsam mit dem Holzbildhauer Edvardas Racevicius hat die Restauratorin Jenny Heymel, die auf die Wiederherstellung historischer Holzmalereien spezialisiert ist, dem Pultengel zur Rückgewinnung seiner einstigen Schönheit verholfen. Rund ein Jahr haben die Arbeiten in Anspruch genommen. Ebenfalls beteiligt war Kunsthistoriker Detlef Witt, der als Spezialist für die Werke des Barockbildhauers Elias Kessler die Restaurierung wissenschaftlich betreute.

Engel erhielt zusätzliche Stütze
„Der Pultengel bildet mit der Kanzel, dem Altar und dem Taufengel ein barockes Ensemble“, erklärt Jenny Heymel. Zahlreiche Teile hätten zwar gefehlt, doch dank historischer Abbildungen, die bei der Ergänzung halfen, konnte der Pultengel wiederhergestellt werden, so die Restauratorin. Die Engelsfigur, die das Lesepult trägt, steht ihrerseits auf einem dreibeinigen geschnitzten Holzständer, dessen auffällige Farben ungewöhnlich für eine barocke Skulptur erscheinen. „Ursprünglich war der Ständer vermutlich weiß und teilweise goldfarben. Die rosafarbenen Bemalungen wurden im 19. Jahrhundert ergänzt“, so Jenny Heymel. Aus Gründen des Bestandschutzes blieb diese Änderung erhalten, die wie die gesamte Restaurierung mit dem Denkmalamt abgestimmt ist. Dazu zählt auch die zusätzlich eingefügte Stahlstange, die kaum sichtbar die Rückseite des Engels stützt und dem Pult zusätzliche Stabilität gibt, damit es nicht nur schön anzusehen, sondern gebrauchstauglich und für Gottesdienste nutzbar ist.

Feuchtigkeit schädigt Dachgebälk

Rund 12.000 Euro hat die Restaurierung des Pultengels gekostet. Möglich gemacht haben die Realisierung des Vorhabens Spenden aus der Kirchengemeinde sowie Gelder aus dem Denkmalfonds der Nordkirche, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Sparkasse Vorpommern. Das barocke Ensemble in der Lüssower Kirche ist mit der Rückkehr des Pultengels beinahe wieder vollständig. „Einiges gibt es noch zu tun“, sagt Jenny Heymel und verweist auf Details an der Kanzel und am Altar, die noch ergänzt werden müssen. Doch nicht nur Teile der Kircheneinrichtung warten noch auf Ausbesserungen, auch das Kirchengebäude ist dringend reparaturbedürftig. Vor allem das Dach macht Pastor Ulf Harder Sorgen. „Die Dachziegel lösen sich, eindringendes Wasser hat das teils noch mittelalterliche Gebälk geschädigt und im Mauerwerk steigt Feuchtigkeit auf. Die Sanierung ist ein Riesenprojekt, das ohne weitreichende Unterstützung nicht umsetzbar ist.“

Kirchturm wurde bereits saniert
Immerhin ist der Turm der kleinen Kirche bereits in gutem Zustand, da er im Zuge der Beseitigung von Sturmschäden, die im Oktober 2016 entstanden, frisch saniert worden ist. „Der Pommersche Evangelische Kirchenkreis hat uns dabei kräftig unterstützt“, ist Ulf Harder dankbar für die Hilfe. „Wir hoffen, dass die Feier zur Rückkehr des Pultengels auch etwas Aufmerksamkeit auf die wunderschöne Lüssower Kirche mit ihren vielen Besonderheiten lenkt“, so Ulf Harder. Los geht es am Sonntag um 14 Uhr mit einem Festakt mit Kammermusik und einer Andacht. Anschließend geben die Restauratoren Auskunft über ihre Arbeit, bevor an der Kaffeetafel weitergefeiert wird.

Quelle: PEK (sk)