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Jubiläumsjahr zur 1.700-jährigen jüdischen Geschichte in Deutschland

Grüne in MV fordern Bannmeile um jüdische Einrichtungen

12.01.2021 ǀ Schwerin.  Die Grünen in Mecklenburg-Vorpommern haben eine Bannmeile für Demonstrationen und Mahnwachen um jüdische Gemeindegebäude und Friedhöfe gefordert, die nur durch Erlaubnis der zuständigen jüdischen Gemeinde aufgehoben werden kann. Das diesjährige Jubiläum "1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" müsse Anlass sein, Antisemitismus sichtbarer zu machen und entschiedener zu bekämpfen, teilte die Partei am Dienstag in Schwerin mit. Allein 2019 seien in MV über 50 antisemitische Straftaten polizeilich erfasst worden. Die Dunkelziffer werde "um einiges höher sein", denn allzu oft werde Antisemitismus von Nichtbetroffenen übersehen oder relativiert.

Nach wie vor gebe es in MV regelmäßig Fackelumzüge, welche der zivilen Opfer des Zweiten Weltkrieges gedenken und dadurch die oftmals jüdischen Opfer des deutschen Nationalsozialismus relativierten, hieß es. Immer wieder würden jüdische Friedhöfe im Nordosten geschändet. Immer noch sei die Geschichte des jüdischen Lebens und der Opfer des Holocausts "in unseren Städten und Gemeinden großenteils nicht aufgearbeitet". Bislang seien es vor allem Einzelpersonen und Bürgerinitiativen, die Antisemitismus als Problem thematisieren und ehrenamtlich bekämpfen. "Ihnen bleiben jedoch oftmals die notwendige finanzielle Ausstattung und politische Unterstützung versagt", hieß es.

Deshalb fordern die Grünen in MV unter anderem ein kontinuierliches und aussagekräftiges Monitoring von antisemitisch motivierten Straftaten und Übergriffen. In den Lehrplänen müsse die Auseinandersetzung mit Rechtspopulismus und die Aufarbeitung der Biografien von Holocaust-Opfern aus den jeweiligen Schulregionen verankert werden. Kommunalparlamente sollten beispielsweise durch Veranstaltungen, Ausstellungen, Stiften von "Stolpersteinen" darauf hinwirken, dass jüdische Vergangenheit und jüdisches Leben vor Ort sichtbarer und damit selbstverständlicher werden.

Der offizielle MV-Auftakt für das Jubiläumsjahr "#2021JLID" zur 1.700-jährigen jüdischen Geschichte in Deutschland ist am morgigen Mittwoch mit einer interreligiösen Andacht in der Rostocker Nikolaikirche. Daran will auch Justizministerin Katy Hoffmeister (CDU) teilnehmen. Nach Angaben ihres Ministeriums wurden bereits über 40 Veranstaltungen für das Jubiläum in MV angemeldet. Im Nordosten gibt es derzeit zwei jüdische Gemeinden, die zusammen etwa 1.200 Mitglieder haben.

Mit einem Dekret hatte der römische Kaiser Konstantin im Jahr 321 Juden den Zugang zu Ämtern in der Kurie und der Stadtverwaltung Köln erlaubt. Dieses Edikt gilt als die früheste erhaltene schriftliche Quelle zur Existenz von Jüdinnen und Juden nördlich der Alpen im Gebiet des römischen Imperiums.
Quelle: epd

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