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Gottesdienst in Groß Brütz eröffnete 26. Landeserntedankfest

Bischof von Maltzahn: Respekt für Landwirte und faire Lebensmittelpreise

02.10.2016 ǀ Brüsewitz.  „Geben wir unseren Landwirten den Respekt, den sie verdienen! Danken wir Gott, der uns dieses Leben geschenkt hat!“ Dazu rief der Schweriner Bischof, Dr. Andreas von Maltzahn, heute beim Gottesdienst zum Landeserntedankfest in Brüsewitz (Landkreis Nordwestmecklenburg) auf.

Bevor hunderte Landwirte, Vereinsvertreter und Einwohner sich zum bunten Festumzug durch die Gemeinde Brüsewitz aufmachten, versammelten sich viele zuvor zum Gottesdienst in der mit Erntegaben geschmückten Dorfkirche von Groß Brütz. „Wir freuen uns, dass wir – trotz geringerer Erträge – auch in diesem Jahr satt zu essen haben werden“, sagte Bischof v. Maltzahn in seiner Predigt. Er erinnerte zugleich daran, dass die Arbeiten, die die nächste Ernte vorbereiten, schon wieder im Gang seien.

Vor diesem Hintergrund zitierte er Wünsche, wie diesen: ;Gib unserem Verstand Herz und unserem Herzen Verstand, auf dass unsere Seele schon hier selig wird.‘ Der Theologe gab zu bedenken: „Wenn pausenlos durchgearbeitet wird, wenn es nur noch Werktage und keine Feiertage mehr gibt, wenn die Vielfalt der Lebensmittel selbstverständlich genommen wird, dann geht Entscheidendes verloren – nämlich das Bewusstsein dafür, für wie vieles wir dankbar sein können.“

Wahrnehmen: Situation bäuerlicher Betriebe

Wahrzunehmen, unter welch schwierigen Bedingungen Landwirte unser täglich Brot erarbeiten, gehört für Andreas v. Maltzahn zur Dankbarkeit. Zugleich skizzierte er die Situation, zu der heute gehöre, sich als Landwirt nicht allen regional, sondern ebenso in globalen Zusammenhängen behaupten zu müssen. Offen sprach der Bischof an, dass man in der Milchwirtschaft und in der Schweinemast „auf Dauer nicht von den gegenwärtig erzielten Preisen leben kann“, so dass immer mehr landwirtschaftliche Betriebe aufgeben.

„Landwirte sollen die Umwelt schützen. Zugleich greifen die meisten Leute beim Lebensmittelkauf zu Billigangeboten“, nannte Andreas v. Maltzahn eine weitere Schwierigkeit. Zudem erlebten viele Landwirte „ein zunehmendes Misstrauen gegenüber ihrer Arbeit, weil sich die mediale Aufmerksamkeit auf Missstände konzentriert“.

Mitentscheidend: eigenes Kaufverhalten

Leidenschaftlich bekannte Bischof v. Maltzahn: „Geben wir unseren Landwirten den Respekt, den sie verdienen! Danken wir Gott, der uns dieses Leben geschenkt hat!“ Denn Dankbarkeit und Verantwortung gehörten zusammen. Mit Herz und Verstand sollen Landwirte genauso wie Verbraucherinnen und Verbraucher das Leben führen. So gesehen entscheide das eigene Kaufverhalten mit, ob bäuerliche Betriebe Zukunft haben. Froh sei er, dass mit zunehmendem Erfolg fair gehandelte Produkte aus Übersee gekauft würden. „Jetzt ist es aber höchste Zeit, faire Preise auch für alle einheimischen Lebensmittel zu zahlen!“

Weitergeben: Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit

Zugleich mahnte der Theologe, dass es wichtig sei, sich nicht auseinanderdividieren lassen! Für alle Fragen des Zusammenlebens in der Familie, im Dorf, in der Stadt, im Land, in der Welt gelte: „In Dankbarkeit und in Verantwortung werden wir uns und einander nur gerecht, wenn wir Augen, Ohren und offene Hände für die jeweils Anderen haben – mögen sie zu uns gehören, mögen sie uns fremd begegnen“. Zum Schluss seiner Predigt erinnerte Bischof v. Maltzahn: „Wir leben in einem wunderbaren Land. Ein menschlich reiches Leben – das ist der Segen, den wir von Gott empfangen. Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit – das ist der Segen, den wir weitergeben sollen. Dazu stärkt uns Gott.“
Quelle: ELKM (cme)
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