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Michael Hanfstängl

“Globalisierung der Solidarität“ – Thementag der mecklenburgischen Landessynode

 

Plau am See (ran). Auf der mecklenburgischen Landessynode hat der Direktor des Leipziger Missionswerkes, Michael Hanfstängl, eine „Globalisierung der Solidarität“ gefordert. Die Synode befaßte sich im Vorfeld des G8-Gipfels mit der politischen, sozialen und ökologisch nachhaltigen Gestaltung der Globalisierung als „entscheidender Herausforderung, vor der wir zu Beginn des neuen Jahrtausends stehen,“ sagte Hanfstängl.

 

Zu Beginn seines Grundsatzreferates nahm er ein beliebtes Sprichwort auf: „Gibst Du einem Hungernden einen Fisch, so hat er heute zu essen. Lehrst Du ihn fischen, so kann er sich Morgen selber helfen.“ Und er aktualisierte es, um die Realität: „„Und was, wenn die Fangrechte an ausländische Fischereiflotten verkauft werden sollen? Was wird, wenn die Fischgründe bald leer gefischt sind und manche Arten vom Aussterben bedroht sind?“

 

Hanfstängl sagte, daß die Beziehung zwischen der Macht der Finanzmärkte und der Macht der Nationalstaaten „sich auf dramatische Weise verschoben“ hat und die Einkommensschere zwischen dem reichsten Fünftel und dem Ärmsten Fünftel der Weltbevölkerung immer noch weiter aufgegangen ist.“

 

Er zitierte den „Atlas der Weltverwicklungen“ wo der Vorgang der Globalisierung erläutert wird: „Globalisierung wird als Prozess zunehmender grenzüberschreitender Verflechtungen verstanden, der nicht nur die Ökonomie (Kapitalmärkte, Welthandel, Investitionen) betrifft, sondern auch die Bereiche der politischen Gestaltung, der kulturellen Identität und des ökologischen Bestandes mit einbezieht und u.a. durch die rasante Entwicklung der neuen Informationstechnologien beschleunigt wird.“

 

Bei diesem Vorgang drohe „die Rücksichtnahme auf Kultur, Umwelt und soziale Ausgewogenheit unter dem Druck des Kostenwettbewerbs in den Hintergrund gedrängt zu werden.“

 

Die Kirche wolle die Beratungen des G8-Gipfels mit Fürbitte und Bildungsarbeit begleiten und durch die der Synode vorliegende Erklärung „Forderungen und Anregungen an die politischen Entscheidungsträger und an uns selbst“ richten. So könne die Synode „dazu beitragen, dass die nötigen Umstellungen zugunsten des Klimaschutzes in der Bevölkerung mitgetragen werden und die Kirche selber in ihrem Verhalten nicht zurückfällt,“ sondern daß sie mit gutem Beispiel vorangeht und daß die Welt nicht nur „aus einer G8-Perspektive wahrgenommen und gestaltet wird.“

 

Hanfstängl erinnerte an Martin Luthers Predigten, der „verborgenes Unrecht einer wirtschaftlichen Praxis“ aufgedeckt habe. Als Luther nach einem Gespräch von „Bürgermeister Lucas Cranach die Antwort erhielt, dass für Wittenberg bestimmtes Getreide in der Mark Brandenburg zurückgehalten werde, machte Luther die adeligen Kornspekulanten für die Notlage verantwortlich und bat den Kurfürsten am 9. April 1539, dem spekulativen Getreideaufkauf und Getreideexport Einhalt zu gebieten.“ Diese Antwort brachte Luther in die Öffentlichkeit und predigte am 13. April angesichts von 40 Prozent Zinsen im Jahr gegen den Wucher.

 

In dieser Tradition habe sich der Lutherische Weltbund entschieden von einem Wirtschaftsmodell abgesetzt, dass ausschließlich auf die so genannten „Selbstheilungskräfte des freien Marktes“ setzt.

 

Hanfstängl benannte dann „einige Schritte, zu einer Globalisierung, die dem Leben dient:“ Eine Sitzverteilung bei Weltbank und Weltwährungsfonds stärker nach der Bevölkerungsverteilung, eine Reform des internationalen Entschuldungsverfahrens, die Abschaffung von Agrar-Exportsubventionen, die Entwicklung verbindlicher Sozial- und Umweltstandards und deine nachhaltige Klimapolitik.

 

Hanfstängl sagte, daß es unverantwortbar sei, die Globalisierung pauschal abzulehnen. „Mit der Globalisierung wachsen die Chancen für ein neues Weltverständnis und ein globales Verantwortungs-Bewusstsein, besonders für die Endlichkeit des Ökosystems und für die Verwirklichung der Menschenrechte.“ Daher das Motto des Synodenthementages: „... Globalisierung, die dem Leben dient.“

 

Kirche habe hier eine wichtige Aufgabe und er zitierte Bischof Huber, der gesagt habe, daß die Kirche „global player“ und global prayer“ sei.

 

Am Nachmittag will die mecklenburgische Landessynode eine Erklärung zu diesem Themenbereich verabschieden. (31.3.2007)

 

Hinweis: Wortlaut des Referates ab Sonntag erhältlich.

 


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