

Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburgs
Mecklenburg, die große Burg, zwischen Elbe und Recknitz gelegen.
Teilweise Verdrängung germ. Stämme während der Völkerwanderung (600 n. Chr.) durch westslawische Stämme (Obotriten, Lutizen, Wilzen).
Erste Missionsversuche missglücken trotz Ansätze (Slawenaufstand 983, Wendenaufstand 1066).
12. Jh. Christianisierung durch Kolonisierung westfälischer und flämischer Siedler.
Gründung der Bistümer Ratzeburg (1154), Lübeck (1160) und Schwerin (1160).
Klöster entstehen: Zisterzienser in Althof-Doberan (1171/86) und Dargun (1172/1209), die Prämonstratenser in Ratzeburg (1158) und Broda (1244), die Kartäuser in Marienehe (1396).
Frauenklöster entstehen in Dobbertin, Eldena, Rühn (Benediktinerinnen), Ivenack, Malchow, Neukloster, Rostock, Wanzka, Zarrentin (Zisterzienserinnen), Röbel (Magdalenerinnen), Rehna (Prämonstratenserinnen) und Ribnitz (Klarissen).
Orden werden sesshaft: Johanniter Konvente in Groß Eichsen (1160), Mirow (1242) und Nemerow (1298), die Antoniter in Tempzin (1222), die Deutschritter in Krankow (1268).
Franziskaner-Konvente werden gegründet: Schwerin (1235/36), Rostock (1240), Wismar (1251/52), Parchim (1246) und Neubrandenburg (1260), die Dominikaner in Rostock (1256), Röbel (1286) und Wismar (1292/93).
1419 Gründung der ersten Universität des Nordens in Rostock.
1432 Theologische Fakultät mit Privileg Eugens IV. eingerichtet.
Reformatorischer Einfluss: 1523 J. Slüter (Rostock) und H. Never (Wismar) predigen evangelisch.
Nach Bikonfessionalität (Herzog Heinrich V. als Förderer der Reformation <> Herzog Albrecht VII katholisch) folgt auf dem Landtag zu Sternberg 1549 Einigkeit beider Herzogtümer auf die Reformation.
1552 Einführung einer luth. Kirchenordnung (Vf. Joh. Aurifaber), 1557/60 Landesvisitation.
Dreißigjähriger Krieg: zeitweise kath. Einfluss Mecklenburgs unter Wallenstein, 1631 Abdrängung durch das Eingreifen Gustav II. Adolfs.
Pietistischer Anspruch durch P. Tarnow (+1655), J. Lütkemann (+1655), Th. Großgebauer (+1661), Joh. Quistorp (+1669) und H. Müller (+1675).
Konversion von Herzog Christian Ludwig von M.-Schwerin (1663) zum Katholizismus: Zuwanderung kath. Geistlicher, u.a. N. Stensen, und die Entstehung kath. Gemeinden; Gründung eines jesuitischen Ordenshaus 1708 in Schwerin.
Unter Friedrich Franz I. von M.-Schwerin, Gleichstellung kath. und luth. Konfession (1811), bürgerliche Rechte für Juden (1813).
Inkrafttreten einer republikanischen Verfassung (1919/1920) führt zu einer synodalen Kirchenordnung
H. Behm (+1930) wird 1922 der erste luth. Bischof in Mecklenburg
Kath. Gemeinden unterstehen seit 1930 der Diözese Osnabrück
Zweiter Weltkrieg: Gleichschaltung der luth. Kirche; Bf. H. Rendtorff (+1960) tritt im Herbst 1933 zurück und wird durch „Landeskirchenführer“ W. Schultz ersetzt, die Bekennende Kirche wird durch N. Beste (+1987) als Leiter des Landesbruderrates bestimmt, die theol. Fakultät Rostock (Fr. Brunstäd, H. Schreiner) steht auf der Seite der Bekennenden Kirche
N. Beste als Bischof (1946-1971) leitet die mecklenburgische Kirche auf lutherischem Fundament in volkskirchlicher Orientierung, 1968/1969 ist er an der Gründung der VELK-DDR und des Bundes der ev. Kirchen in der DDR beteiligt - Nachfolger sind Bischof Heinrich Rathke (1972-1984), Christoph Stier (1984-1996), Hermann Beste (1996-2007), Dr. Andreas von Maltzahn (seit 2007)
1989 Beitritt der luth. Kirche 1991 der EKD und der VELKD; das Verhältnis zwischen Staat und luth. Kirche wird im Güstrower Vertrag 1994 festgelegt
Die Ev.-Luth. Landeskirche Mecklenburgs hat 196.000 Mitglieder mit 195 Pfarrstellen in fünf Kirchenkreisen (Stand: 2010)
Die kath. Kirche gehört seit dem 1.1.1995 zum Erzbistum Hamburg mit Erzbischof Dr. Thissen und hat 60.000 Mitglieder mit 50 Pfarrstellen in 5 Dekanaten
Frank Hamburger
Lit.: H. Holze, Artikel für die Neuauflage der RGG, Bd.5, K. Schmaltz, Kirchengeschichte M., 3 Bde., 1935-1952. – N. Beste, Der Kirchenkampf in M., 1975.- E. Wolgast, Die Reformation in M., VHKM 8, 1995. – Th. Kaufmann, Universität und luth. Konfessionalisierung, 1997; G. Haendler, M. (TRE 22, 1992, 310-318).


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