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1.1. Geschichte bis zur Reformation

 

Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburgs (ELLM) ist der territorial abgegrenzte Zusammenschluss lutherischer Gemeinden auf dem Gebiet des ehemaligen Landes Mecklenburg, wie es 1934-1945 bestand. Einige kleine Gemeinden der Landeskirche gehören heute zu den Bundesländern Schleswig-Holstein und Brandenburg.

 

Vor etwa 800 Jahren wurde Mecklenburg durch Einwanderung und Besiedlung ein christliches Land. Diese Prägung wurde durch die zunehmende Entkirchlichung der letzten 50 Jahre zwar angegriffen, aber noch nicht völlig unkenntlich gemacht. Die Reformation hielt in Mecklenburg ab 1523 durch Joachim Slüter (Rostock) und Heinrich Never (Wismar) Einzug. Hierbei war die lutherische Prägung vorherrschend. Die Lutheraner sind eine protestantische christliche Konfession, die auf das Wirken Martin Luthers während der Reformation zurückgeht. Es handelte sich bei dem Wort Lutheraner ursprünglich um eine polemische Bezeichnung von katholischer Seite zur Identifizierung der Protestanten als Ketzer (Johann Eck "Wider die Lutheraner und andere Feinde der Kirche"). Erst später wurde der Begriff zur Selbstbezeichnung, um sich auf der einen Seite gegenüber den Katholiken, auf der anderen Seite gegenüber den Evangelisch-Reformierten abzugrenzen.

 

Bestimmend sind für die lutherischen Kirchen das Wort der Bibel und diverse Bekenntnisschriften, wie z.B. die Augsburger Konfession oder der kleine und große Katechismus Martin Luthers. Die Grundgedanken des Luthertums lassen sich in den vier lateinischen Formeln: sola gratia (allein aus Gnade), sola fide (allein aus Glauben), sola scriptura (allein die Heilige Schrift) und solo Christo (alleine Jesus Christus) zusammenfassen. Die Lutheraner lehnen vor allem die römisch-katholische Marienverehrung, das Papsttum und die hierarchische Struktur der Kirche ab. Es steht nicht die Anerkennung kirchlicher Autorität, sondern das individuelle Bekenntnis im Vordergrund. Die Kirche ist nur eine Art notwendiger Verwaltungsinstanz, während sich das Wesentliche in der Gemeinde abspielt. Im Gottesdienst ist die Predigt von zentraler Bedeutung. Lutherische Kirchen gibt es außer in Deutschland insbesondere in Skandinavien und den USA. Sie haben sich im Lutherischen Weltbund (LWB) zusammengeschlossen. Die lutherischen Freikirchen sind heute in Deutschland in der Selbständigen Evangelisch-lutherischen Kirche (SELK) zusammengeschlossen. Sie gelten vielfach als "konservativer" und lehnen z.B. die Leuenberger Konkordie ab.

 

Die Reformierte Kirche geht vor allem auf das reformatorische Wirken von Huldrych Zwingli und Heinrich Bullinger in Zürich und Johannes Calvin in Genf zurück. Das wichtigste Dokument stellt der Heidelberger Katechismus dar. In Bützow gibt es eine reformierte Gemeinde, die der Evangelisch-reformierten Kirche angehört. Ein Zusammenschluss mit dem lutherischen Zweig der Reformation gelang vor allem deshalb nicht, weil im Marburger Religionsgespräch 1529 zwischen Luther und Zwingli keine Einigung in der Abendmahlsfrage erzielt werden konnte. Die unterschiedlichen Auffassungen in diesem Punkt waren der Hauptgrund für die innerreformatorische Spaltung.

 

In der römisch-katholischen Lehre gilt seit dem IV. Laterankonzil 1215 das Dogma der Transsubstantiation (Wesensverwandlung) als maßgeblich. Brot und Wein werden nach dieser Auffassung durch das priesterliche Wort, die Konsekration, in Leib und Blut Christi verwandelt, und zwar nicht nach ihrer sichtbaren Erscheinungsweise (den Akzidentien), sondern ihrem inneren Wesen (der Substanz) nach. Der philosophische Hintergrund (Aristoteles) ist unserem gegenwärtigen Denken wohl nur noch schwer nachvollziehbar.

 

Die schärfste Kritik übte die reformierte Lehre. Auch sie hält daran fest, dass Christus im Abendmahl gegenwärtig ist. Es widerspricht indes ihrer Überzeugung nach der Freiheit und Ehre Gottes, sich an so irdische Dinge wie Brot und Wein zu binden. Diese sind nur Zeichen oder Symbole, die durch den Heiligen Geist auf die überirdische Wirklichkeit der Vereinigung mit Christus im Himmel hinweisen.

Die lutherische Theologie nimmt eine seelsorgerisch motivierte vermittelnde Haltung ein. Das Abendmahl wird als Realpräsenz, also wirkliche Gegenwart Christi "in, mit und unter" Brot und Wein gesehen. Man bezeichnet dies auch als Konsubstantiation.

In der Konkordie reformatorischer Kirchen in Europa (Leuenberger Konkordie) vom 16. März 1973 wurde mittlerweile der innerprotestantische Dissens in der Abendmahlslehre für nicht länger kirchentrennend erklärt. Zwischen den evangelischen Kirchen besteht seitdem volle Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft (Interzelebration und Interkommunion).

 

Weiter zu: 1.2. Von der Reformation bis heute

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