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Friedhof der Ev.-Luth. Stadtkirchengemeinde Ludwigslust

Geschichte

Plan 1829 Friedhof Ludwigslust
Unser Friedhof ist so alt wie Ludwigslust. Friedrich der Fromme begann den Bau des Ortes bekanntlich nach Beendigung des siebenjährigen Krieges 1765 mit dem Bau der Kirche. Zunächst wurde die alte Klenower Kirche abgebrochen und auch der sie angrenzende alte Klenower Kirchhof außer Betrieb gesetzt. So wurde also mit dem Bau der Kirche auch ein neuer Friedhof angelegt, der nun jedoch nicht mehr direkt bei der Kirche lag, sondern in einiger Entfernung. Die Bezeichnung Kirchhof, die der Friedhof noch bis zum 1. Weltkrieg trug kündete von der Zusammengehörigkeit beider Einrichtungen.

Bei Heinz Knobloch ist nachzulesen: „Der Friedhof als Museum. Er hat sogar günstigere Öffnungszeiten. Der Friedhof als Geschichtsbuch; aufgeschlagen, stumm, vielsagend.“ Eine Aussage, die wie geschaffen ist für den Ludwigsluster Friedhof. Allein die 1792 fertiggestellte Friedhofsmauer aus Raseneisenstein und die als ägyptische Pylonen gearbeitete Glockentürme sind einmalig. Heute steht beides unter Denkmalsschutz. Und noch etwas Einmaliges gibt es zu den Glockentürmen zu berichten. Aus Angst vor einem Blitzeinschlag verzichtete der Herzog damals auf einen sonst üblichen hohen Kirchturm an der Kirche. Statt dessen ließ er die Glockentürme am Friedhofseingang errichten und dort auch die Kirchenglocken installieren.

Im 19. Jahrhundert wächst der Ort in bisher unbekannter Weise und so ist auch bald die Kapazität des Friedhofes erschöpft. Der Friedhof ist zudem nicht nur Begräbnisstätte für die Ludwigsluster Einwohner, er wird auch von Techentin, Hornkaten und Niendorf genutzt. So wird 1829 eine erste wesentliche Vergrößerung vorgenommen, eine zweite kommt im Jahre 1848 hinzu.

1834 wird im heutigen Friedhofsweg ein Haus für den Totengräber, eine Wagenremise für den Leichenwagen und ein Zimmer zur einstweiligen Hinstellung von Leichen errichtet. Die wachsende Bedeutung hygienischer Aspekte, aber auch die Furcht vor dem Scheintod, führt zum Bau des Hauses im damals genannten Kirchhofweg.

Im Oktober 1868 wird durch eine Verfügung des Schweriner Oberkirchenrates für die „Glieder der Hausgemeinde des Stiftes Bethlehem“ ein Platz auf dem Ludwigsluster Kirchhof unentgeltlich bereit gestellt. Es ist eine mit eisernem Gitter eingefriedete Fläche mit einem hohen Marmorkreuz. Hier ruht heute noch die Gründerin des Stiftes die erste Oberin Helene von Bülow. Wegen der wachsenden Schwesternschaft kommen noch zwei weitere Flächen hinzu.

Seit etwa 1880 werden die ältesten Begräbnisplätze wieder neu belegt, aber nur für Kaufstellen.

Auch ein Blick in die erste Friedhofsordnung ist wie ein Blick in ein offenes Geschichtsbuch. Eine erste Friedhofsordnung trat erst 1898 in Kraft, also mehr als hundert Jahre nach Anlage des Friedhofes. Darin regelt § 1 die Öffnungs - und Schließzeiten. Diese Friedhofsordnung verbietet Kinder unter zehn Jahren das Betreten des Friedhofes ohne die Begleitung von Erwachsenen. Auch Dienstboten mit Kinderwagen ist nach § 3 der Aufenthalt auf dem Kirchhofe zum Zwecke des Spazierenfahrens ohne Begleitung ihrer Herrschaften untersagt. § 4 bestimmt, wer Hunde, Hühner und anderes Federvieh frei auf dem Kirchhof herumlaufen lässt, wird mit Geldstrafe oder Haft bestraft und diese lag bei 30 Mark bzw. bei einer Woche Haft.

Eine Friedhofskapelle wurde 1931 durch den Kirchgemeinderat erbaut, die Ausstattung derselben erfolgte durch zahlreiche Spenden, Die letzte größere Renovierung der Friedhofshalle erfolgte 1999, dabei wurde der Andachtsraum mit neuen farbigen Glasfenstern versehen. Die Entwürfe stammen vom damaligen Friedhofsverwalter Reiner Böck, die Ausführung übernahm die Glaserei Schütt aus Eldena.

Ein weiteres Kapitel des Ludwigsluster Geschichtsbuches wird durch die fünf Ehrenteile auf dem Friedhof aufgeschlagen. Unter den Ehrenteilen ist das im August 1924 geweihte Hochkreuz. Dort liegen die in der Garnison gestorbenen Dragoner begraben. Es liegen aber auch die während des Krieges verstorbenen Kriegsgefangenen und sonstige Kameraden verschiedener Waffengattungen. Unter dem Hochkreuz wurde erst 1989 eine schlichte Gedenktafel angebracht: „Zum Gedenken an die Gefallenen beider Weltkriege“. Zum Ende des 1. Weltkrieges beklagt Ludwigslust 420 Gefallene, darunter 156 Dragoner. Auch der Opfer des 2. Weltkrieges wird gedacht, so auch der Opfer der Ludwigsluster Bombennacht im Februar 1945.

Der Gedenkstein mit Schwurhand und Friedenstaube erinnert an die 189 im Jahre 1945 Verstorbenen aus elf Nationen. Dieser Gedenkstein wurde von dem Ludwigsluster Graphiker Herbert Bartolomäus entworfen und am 6. Mai 1965 enthüllt.
Viele weitere Gedenksteine zeugen vom Leben unserer Vorfahren. Ein Stein trägt dazu bei, dass die Erinnerung an einen Menschen einen Ort hat.

Im Geschichtsbuch des Friedhofes sind auch Erinnerungen von Zeitzeugen beschrieben. „Die in ihren Wohnungen Verstorbenen wurden noch bis etwa 1950 mit einem von Pferden gezogenen Leichenwagen durch den Fuhrmann Adolf Nelius abgeholt. Oben auf dem Wagen saß, ganz in schwarz gekleidet und einem Dreispitz mit silbernem Rand auf dem Kopf, der Rosslenker. Die Pferde waren mit schwarzen Decken behangen und über ihre Köpfe waren schwarze Kappen gezogen, die nur die Ohren und die großen Augen frei ließen. Die Pferde zogen den kunstvoll gebauten, mit Schnitzarbeiten und gerafften Tüllgardinen versehenen schwarzen Wagen, auf dem der Sarg stand. Den oberen Abschluss des Wagens bildete ein leicht gewölbtes Zinkdach, innen mit Sternen bemalt.“ Ein Zeitzeuge berichtet weiter: „Hinter dem Leichenwagen ging die Trauergemeinde, meist in schwarz, die Männer mit dem obligatorischen Zylinder auf dem Kopf. Fuhr Adolf Nelius durch das Portal mit den beiden Glockentürmen auf den Friedhof, dann musste er das Kreuz, das oben auf dem fast drei Meter hohen Zinkdach angebaut war, mittels einer Leine umlegen, sonst hätte er nicht unversehrt durchgelangen können.“

Der Ludwigsluster Friedhof ist in seiner Art einzigartig für Mecklenburg. Schon 1850 heißt es: „Mit Recht kann derselbe wegen seiner Bepflanzung und übrigen Einrichtung jetzt auch zu den besten in Mecklenburg gerechnet werden. Eine durchdachte Grundgestaltung sorgt auf dem Friedhof für eine harmonische Optik; Linden und Eichen, viele blühfreudige Pflanzen und gut durchdachte gärtnerische Anlagen sind typisch für den Ludwigsluster Friedhof. Insgesamt 300 Pflanzen und Gehölze wurden im Jahre 2002 durch Mitglieder der Naturforschenden Gesellschaft Westmecklenburg e.V. verzeichnet, bemerkenswert auch einige Arten der Roten Liste von Mecklenburg sind zu finden.
 
Die Geschichte einer Stadt wurde durch die Menschen gemacht, die in ihr lebten und tätig waren. So sind auch viele bekannte Ludwigsluster Persönlichkeiten im Laufe der Jahre auf dem Ludwigsluster Friedhof bestattet worden.  Eine Aufzählung an dieser Stelle wäre einfach zu lang. Heute noch erhalten sind z.B. die Grabstätten des Ehrenbürgers und langjährigen Bürgermeisters der Stadt Otto Jantzen sowie Otto Kaysels, der als Rechtsanwalt und Senator des 1. Magistrates der Stadt Ludwigslust tätig war, auch die Grabstätte des Heimatschriftstellers und Herausgebers der „Mecklenburgischen Monatshefte“, Johannes Gillhoff.

Die Oberinnen des Stiftes Bethlehem Helene von Bülow und Gisela von Sydow, der Grafiker Herbert Bartholomäus, der „Friedenspastor“ und der erste Nachkriegsbürgermeister Bruno Theek, der Landessuperintendant und Übersetzer des Neuen Testaments in die Niederdeutsche Sprache Ernst Voß, die Schriftstellerin Leontine von Winterfeld – Platen, die Schriftstellerin Helene von Krause, und Dr. Johannes Krabbe, der 34 Jahre Pastor  im Stift Bethlehem tätig war – sie alle liegen auf Ludwigsluster Erde begraben.

Diese Auswahl soll an dieser Stelle genügen, noch viele andere bekannte und weniger bekannte Ludwigsluster fanden auf dem Friedhof ihre letzte Ruhestätte. Insgesamt gibt es etwa 4.100 Grabstellen und ca. 8.400 Gräber/Plätze. Viele von ihnen werden mit viel Liebe und Aufmerksamkeit gepflegt. Einige, besonders da, wo keine Angehörigen mehr im Ort leben, sind weniger bedacht. Seit 2004 gibt es Gemeinschaftsgräber, die von den Mitarbeitern des Friedhofs gepflegt werden. Immer sind die Grabstellen ein Ort der Besinnung, der Erinnerung an persönliche Schicksale – Schicksale die immer auch das Leben der anderen Menschen berühren.

Sylvia Wegener (Archiv der Stadt Ludwigslust)
Nach Materialien von Dieter Ueltzen und Hans Dommerich


Dokumentation von Dieter Ueltzen, teilw. bearbeitet durch Friedhofsverwaltung, 2003/2004: Geschichte des Friedhofs zu Ludwigslust (PDF-0,8MB)