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Gemeindehaus Zarnekow wird eingeweiht

Seltenes Wohnstallgebäude zum Gemeindehaus umgebaut

29.08.2013 | Zarnekow (rn). „Zwischendurch habe ich manchmal gedacht, ich lande im Schuldturm,“ sagt Pastorin Renate Moderow vergnügt und stolz im Blick auf das Projekt Gemeindehaus Zarnekow, das am Sonntag, dem 15. September um 14 Uhr bei einem Turmfest durch Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit eingeweiht wird. Bei diesem Anlaß wird Pastorin Moderow, die im Ruhestand über drei Jahre die vakante Gemeinde betreut hat, aus dem aktiven Dienst verabschiedet.

Renate Moderow wird beim Fest aber nicht im Schulturm sitzen, sondern an der Feier teilnehmen, hat sie doch eine vielfältige Finanzierung zustande gebracht und erwartet, dass die noch ausstehenden Rechnungen in etwa die geplante Summe von 275.000 € ausmachen werden. Finanziert wurde das Projekt u.a. durch Beiträge von Hausverkäufen in Ranzin und Lühmannsdorf, durch Rücklagen, durch 5.000 € der Bugenhagenstiftung und nicht zuletzt durch 75.000 € aus dem Kollektenfonds der Union Evangelischer Kirchen und 25.000 € des Kirchenkreises. Dieser Erfolgsgeschichte stehen aber auch Dutzende von Ablehnungen von Anträgen gegenüber, aber Moderow gab nicht auf, „denn man läßt keine angefangene Arbeit liegen,“ sagt sie zufrieden über das Ergebnis.

Das denkmalgeschützte ehemalige Küsterhaus, eines der wenigen Wohnstallgebäude in Mecklenburg-Vorpommern, wurde seit 2011 zum Gemeindehaus umgebaut. Entstanden ist ein ca. 100 m² großer Gemeinderaum mit altem Balkenwerk und integrierter Teeküche. Ein kleinerer Raum mit Kamin ist für Christenlehre und kleinere Zusammenkünfte vorgesehen. Es gibt dazu Toiletten, Garderobe, einen Abstellraum und auch eine Dusche.

Als Pastorin Moderow durch das stilvolle Gebäude führt, sieht sie noch den alten Zustand vor sich. „Das waren scheußliche Bedingungen für die Christenlehre,“ sagt sie, „aber die Kinder haben diese Atmosphäre mit dem alten Kachelofen als Hexenhaus auch irgendwie gemocht.“ Heute befindet sich in diesem Raum wieder ein Ofen, den sie der Gemeinde als Abschiedsgeschenkt gespendet hat, „denn in so ein Haus auf dem Land gehört einfach ein Ofen – ein Baum fällt immer mal um und den kann man verheizen,“ sagt die energiegeladene Pastorin mit munterer Stimme. Und sie erinnert sich an die Anfänge im Jahre 2011, wie sie mit Gemeindegliedern das alte Gebäude beräumt hat. „Da lagerte Holz und Kohle, da waren noch verrostete Geräte und die Tröge des Stalls und auch die Pflasterung war zu entfernen,“ sagt sie. „Das haben wir gemeinsam und mit dem Friedhofsarbeiter Ingo Naß selbst geschafft.“

Das erfolgreiche Projekt hat viele Väter und Mütter. Angefangen mit der früheren Pastorenfamilie Barsch, die im kleinen, aus Holz erbauten Pfarrhaus nur einen nicht von der Wohnung abgetrennten Gemeinderaum ohne Toilette hatten. Ob die kleine Pfarrstelle auch in Zukunft zu besetzen sein würde, wussten Barschs’ nicht und schoben so die Idee des Gemeindehauses im alten Küsterhaus an. Die Nachfolgerin, Pastorin Margret Laudan, zog den Löwenanteil der Finanzierungen an Land und erstellte mit dem Architekten die ersten Planungen – nun steht die Einweihung an.

Mit dem sanierten Haus hat man viel vor. Der Gemeinderaum soll als Winterkirche für die nicht heizbare mittelalterliche Kirche dienen. Dazu hat Architekt Klaus Berge aus Bauer viele Ideen verwirklicht und in ein Fenster, das den Blick in die Landschaft freigibt, sogar ein auf den ersten Blick nicht sichtbares Kreuz eingebaut. „Zu Ostern haben wir davor schon unseren Gottesdienst gefeiert,“ sagt die Pastorin.

„Diese Gemeinde ist eine Eventgemeinde,“ sagt Moderow. „Der sonntägliche Gottesdienstbesuch hält sich in Grenzen, daher haben wir die besonderen Ereignisse betont und finden ein gutes Echo. Plattdeutscher Gottesdienst, der Weltgebetstag oder der modernere ‚@ndere Gottesdienst’ mit Band findet zahlreiche Interessenten und die meisten Besucher kommen zum Martinsfest und zum Weihnachtsmarkt. Dafür bietet das Gemeindehaus eine beste Voraussetzungen.

Aber nicht nur die Kindergruppen und andere Veranstaltungen der vereinigten Kirchengemeinde Züssow-Zarnekow-Ranzin werden dort stattfinden, sondern wie der Demminer Propst Gerd Panknin sagte, übelege man, im neuen Haus die Jugendarbeit des Kirchenkreises für diese Region zu verorten.

Pastorin Moderow sieht aber noch eine weitere Nutzung und dabei leuchten ihre Augen. „Es war auch mal als Pilgerherberge geplant. Wir haben Ende August zwei Pilgergruppen hier zur Übernachtung im Gemeinderaum mit 20 und mit neun Personen gehabt. Aber es braucht in Zukunft jemanden, der das macht, der sagt ,das ist mein Ding’“, sagt sie. „Dann klappt das und bei 10 € Übernachtungskosten pro Person wird das schon eine gute Einnahme für die Gemeinde und das Küsterhaus sein.“