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Gemeinde in Spornitz startet Sanierung

Der in sich gedrehte Kirchturm

Von Horst Kamke

Der Kirchturm in Spornitz ist eingerüstet und wartet auf seine Sanierung.
16.02.2020 ǀ Spornitz.  Rund eine halbe Million Euro wird die Sanierung des Kirchturms in Spornitz kosten. Die Rüstung steht seit zwei Wochen, bis Oktober sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Vorausgegangen waren gründliche Untersuchungen eines Statikers.

Mit dem Gerüstbau begann jetzt die umfangreiche Turmsanierung der Spornitzer Kirche. Sie soll bis Oktober dauern und rund 540 000 Euro kosten. In das Kirchenschiff gelangt man während der Sanierungsarbeiten nur durch den Seiteneingang am Altarraum.

Es gilt als gesichert, dass die Kirche spätestens im 13. Jahrhundert errichtet wurde. Sie ist damit das älteste noch im Dorf vorhandene Gebäude. Unterlagen über das exakte Baujahr fielen dem Dreißigjährigen Krieg zum Opfer (1618-1648).

Der 55 Meter hohe Turm wurde vom Schweriner Statiker Ralf Gesatzky ausgiebig begutachtet: „Ich wollte ihn hundertprozentig verstehen“, sagt der ehemalige Mitarbeiter der Bauabteilung im Mecklenburger Oberkirchenrat. In wochenlanger Kletterei auf wackeligen Leitern und maroden Treppenstufen nahm der Sachverständige unzählige Messungen vor. Aus den gesammelten Daten gewann er schichtweise die Schnittbilder, die den aktuellen Zustand des Turms deutlich erkennen lassen. Wer genau hinschaut, kann erkennen, dass sich der Turm nicht nur geneigt, sondern auch in sich verdreht hat.

1517 erhielt der Turm seine erste Glocke, 1657 ein Holzdach, in das später der Blitz einschlug. Im Jahr 1665 erfolgte eine Reparatur, 1840 eine gründliche Sanierung. Das offizielle Ende der Arbeiten wurde am 22. November mit einem Einweihungsfest gefeiert, bei dem drei Glocken erklangen. 1852 wurde der Kirchturm erneut repariert, danach kamen der vergoldete Kopf mitsamt Wetterhahn wieder an seinen Platz zurück. 1855 wurde die defekte Kirchturmuhr durch eine neue ersetzt.1893 wurde der Kirchturm mit Kupferplatten eingedeckt und erhielt einen Blitzableiter. Im Ersten Weltkrieg wurden die Platten und die kleinste der drei Glocken heruntergeholt und für die Rüstungsindustrie eingeschmolzen.

Unter Heinz Taetow, der von 1956 bis 1973 Pastor in Spornitz war, wurde 1958 die Kirche restauriert. Danach schaffte es die Gemeinde, Ersatz für die beiden im Zweiten Weltkrieg eingezogenen Glocken zu beschaffen. 1967 konnte dank der Hilfe der bayrischen Partnergemeinde Burgsalach der Kirchturm neu eingedeckt werden, Malermeister Pilatz errichtete das Gerüst, die Kupferarbeiten erledigte Klempnermeister Peters. Schmiedemeister Hans Link brachte das Turmkreuz wieder an. Bei seiner Bestandsaufnahme hatte Gesatzky das genaue Errichtungsdatum des Turms zutage gefördert. Zwischen Turm und Kirchendach war nämlich noch ein alter Kehlbalken aus Eichenholz vorhanden, dessen Alter sich genau bestimmen ließ. Weil die Zimmerleute damals das Bauholz frisch nach dem Einschlag sogleich verarbeiteten, „wurde demgemäß der ursprüngliche Turm als Anbau an das Kirchenschiff im Jahr 1339 errichtet“, stellte der Gutachter fest.

Der Turm bietet laut Gesatzky einen unabhängig vom Gemäuer errichteten eigenständigen Glockenstuhl in Kastenform. „Das ist eine wahre Besonderheit.“ Auch die dreiecksförmigen Turmgiebel als Nachbildung einer Bischofsmütze seien selten und deshalb erhaltenswert. „Außer dem westlichen Turmgiebel befinden sich alle noch im Originalzustand.“
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 07/2020

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