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Kirchenzeitung - Gastkommentar: "Was wollen die Pommern?"

 

Da landete dieser Tage eine Mail in meinem Kasten. Eine Mail, die an alle pommerschen Kirchengemeinden verschickt wurde mit der Bitte um Unterstützung. Um Unterstützung bei einem Unterfangen, das – bei nüchterner Betrachtung- zu diesem Zeitpunkt doch etwas seltsam anmutet.

 

Da soll, nachdem sowohl die Synode der Pommerschen Evangelischen Kirche als auch die der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs sich jeweils mit überwältigender Mehrheit für eine Fusion der beiden Kirchen entschieden hat, nach dem Willen der Verfasser dieser E-Mail plötzlich noch einmal geprüft werden, ob es nicht eher eine Option für ein Zusammengehen mit der Evangelischen Kirche Berlin- Brandenburg und der schlesischen Oberlausitz geben könne. So, als gäbe es Synodenbeschlüsse, die ja eine Geschichte des Ringens um eine gute Entscheidung hinter sich haben, überhaupt nicht!!

 

Was wollen die Pommern eigentlich, so mag sich manch ein Beobachter fragen. Heute dies, morgen jenes, übermorgen ganz etwas anderes? Oder vielleicht ist das Ganze auch der Versuch, am Ende doch eigenständig bleiben zu wollen, obwohl es doch offensichtlich ist, dass wir weder imstande sind, alle Aufgaben einer Landeskirche zu erfüllen noch in der Lage, die Finanzkrise zu bewältigen, wenn wir einfach weitermachen wie bisher?

 

Es ist ja verständlich, wenn manch einer eher eine mentale Beziehung Richtung Berlin pflegen möchte als nach Schwerin. Aber ist es so eine Überforderung, zu sehen, dass eine evangelische Kirche in einem Bundesland sinnvoll ist? Zumal uns eben nicht nur verschiedene Rechtsstrukturen und Finanzsysteme unterscheiden, sondern wir inzwischen nicht nur durch eine Geschichte gemeinsamen kirchlichen Handelns, sondern auch durch die Gemeinschaft der Kirchen im Ostseeraum verbunden sind. Wir sind Schritte auf dem gemeinsamen Weg gegangen, die nicht einfach zurückgenommen werden können. Wir haben Partner, mit denen wir gemeinsam etwas Neues gestalten wollen und die sich auch auf uns und unseren synodal erklärten Willen verlassen können müssen. Dass bei einem gemeinsamen neuen Weg auch viele Stolpersteine an den Rand gelegt werden müssen, ist doch völlig normal! Und es ist auch normal, wenn einem von dem ganzen Steineheben der Rücken wehtut. Aber wer meint, wegen der Stolpersteine den Weg erst gar nicht gehen zu wollen, bringt sich um das Ziel.

 

Übrigens: Allein die Frage, welche Auswirkungen ein Wechsel nach Brandenburg auf die Gemeinden hätte, müsste so manchen, der mit diesem Gedanken spielt, nachdenklich machen: In der EKBO gilt ein Gemeindegliederschlüssel/Pfarrstelle von 1500/1 im ländlichen Raum!

 

Helga Ruch

 

Die Autorin ist Superintendentin des Kirchenkreises Stralsund.

 

Zur Meldung über den Antrag und zum Wortlaut: Antrag

 

Aus: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung

(7.10.2006)

 


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