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Freiheit für Peter und Ali

Domgemeinde ruft zur Postkarten-Aktion für inhaftierte Menschenrechtler auf

Neben dem Eingang des Greifswalder Doms weist ein Banner auf die Aktionen für die in Istanbul Inhaftierten hin.
16.10.2017 ǀ Greifswald.  Die Greifswalder Domgemeinde ruft zur Teilnahme an der Aktion „Postkarten-Welle“ des Vereins Bildungs- und Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion KURVE Wustrow auf. Mit dem Versenden von Postkarten an zehn in der Türkei inhaftierte Menschenrechtler und Friedensaktivisten – bekannt geworden als „Istanbul 10“ – sollen diese in ihrer ungewissen Situation gestärkt und soll gleichzeitig ein Zeichen der Solidarität gesetzt werden. Bei den zehn Inhaftierten, die bereits seit Juli in Gefangenschaft sind, handelt es sich um den Berliner Peter Steudtner, den Schweden Ali Gharavi, die Direktorin von Amnesty International Türkei, Idil Eser, sowie sieben türkische Menschenrechtler. „Wir bitten um Beteiligung an der Postkartenaktion“, sagt Pastor Matthias Gürtler. „Es dauert nicht lange, eine Postkarte zu schreiben - für die Inhaftierten kann aber jede Karte einen Schritt in Richtung Freiheit bedeuten!“

Wöchentliches Gebet für inhaftierten Berliner

Peter Steudtner widmet sich seit Jahrzehnten beruflich und privat der Friedensarbeit. Dazu gehört die Beratung und Fortbildung von Fachkräften und Organisationen im Bereich ziviler gewaltfreier Konflikttransformation, beispielsweise im Rahmen des Programms „Ziviler Friedensdienst“ in Ländern wie Nepal, Kenia, Mosambik und Israel. Er leitete die Bildungs- und Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion e. V. KURVE Wustrow. „Ich habe mit Peter Steudtner eine Zeitlang in der Mediengruppe des Lutherischen Weltbundes und bei der Vorbereitung von Weltdiensttagen zusammengearbeitet“, erzählt Matthias Gürtler. „Peter und seine Familie gehören zur Gethsemane-Gemeinde in Berlin, die seit Juli immer montags um 18 Uhr zum Friedensgebet für die ‚Istanbul 10‘ einlädt.“

Solidaritätsbekundungen per Post

Und so funktioniert die „Postkarten-Welle“: Unterstützende schreiben eine Postkarte mit persönlichen Botschaften und Wünschen an Ali, Günal, Idil, Ilknur, Nalan, Nejat, Özlem, Peter, Şeyhmus oder Veli. Dabei wird eine Postkarte immer nur an eine Person der „Istanbul 10“ gerichtet. Wer sich entscheidet, an mehr als eine Person zu schreiben, verfasst weitere, separate Karten. „Vielleicht schreibst Du an nur eine Person, die Du persönlich kennst, doch wenn Du magst, kannst du auch an die schreiben, die Du noch nicht persönlich kennengelernt hast“, so die Initiatoren der Aktion vom Verein KURVE Wustrow. Da die Postkarten vom Gefängnispersonal gelesen werden, sollen sie keine „vertraulichen“ Informationen enthalten und Kommentare über die politische und allgemeine Situation in der Türkei vermeiden. Solidaritätsbekundungen seien in Ordnung, jedoch sollten die Karten respektvoll und ohne herabwürdigende Sprache verfasst werden, so der Verein.

Friedensaktivisten drohen bis zu zehn Jahre Haft

Da noch nicht geklärt ist, wie und wann die zehn Inhaftierten die Post erhalten können, sammelt der Verein zunächst alle Sendungen. Die Postkarten gehen daher in einem Umschlag an folgende Adresse: KURVE Wustrow, Kirchstraße 14, 29462 Wustrow. Die Initiatoren werden die Postkarten übermitteln, sobald es möglich ist. Damit die Absender darüber informiert werden können, wann dies geschehen ist, bittet der Verein die Absender, ihre Kontaktdaten inklusive Email-Adresse der Postkarte separat beizulegen. Mit dem Aufruf zur Teilnahme an der „Postkarten-Welle“ verbindet Pastor Matthias Gürtler die Hoffnung, dass doch noch eine Lösung gefunden wird. „Die Bundesregierung setzt sich für die Freilassung Peter Steudtners ein, das versicherte Bundeskanzlerin Merkel bei ihrem Besuch am 31. August im Dom. Bisher führten aber alle diplomatischen Initiativen nicht zur Freilassung“, so der Pastor. Am 8. Oktober wurde gestützt auf anonyme Zeugen gegen Peter Steudtner Anklage wegen Vorbereitung eines Umsturzes erhoben. Ihm drohen fünf bis zehn Jahre Haft.
Quelle: PEK (sk)