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Handwerkszeug und jede Menge Hintergrund

Fortbildungen für mecklenburgische Kirchengemeinderäte gut besucht

Propst Marcus Antonioli ermutigte in der Andacht „sensibel dafür zu sein, was jetzt wichtig ist, und was nicht“.
07.02.2018 ǀ Schwerin.  „Fachfortbildungen Kirchengemeinderat“ – unter diesem Titel starteten im Januar vier Themenreihen in jeder der mecklenburgischen Propsteien. Insgesamt 210 KGR-Mitglieder haben sich angemeldet und jeweils für ein Interessengebiet entschieden. Zwei der insgesamt vier Abende fanden bereits statt. Zur Halbzeit der Fortbildungen hörten wir uns in Schwerin um.

Bevor es in die Räume mit den vier Themen geht: Bauen oder Finanzen in der Kirchengemeinde sowie Gemeindeleitung und Kirche wirkt im Gemeinwesen, treffen sich alle zur gemeinsamen Andacht. „Gott hat Neues unter uns schon beginnen lassen“, sagt Propst Marcus Antonioli und spricht davon, das Gras wachsen zu hören. Dies heißt für ihn, „sensibel dafür zu sein, was jetzt wichtig ist, und was nicht“. Die Türen der Kirchengemeinden sollten offen sein für Interessierte. So können „wir uns von Gottes aufgehender Saat überraschen lassen“.

Seit drei Jahrzehnten gestaltet und leitet Marlies Schubert das Leben in der Kirchengemeinde Uelitz mit: „Anfangs hatten wir noch einzelne Kirchenvorstände in unseren Dörfern, jetzt einen gemeinsamen Kirchengemeinderat. Ich war immer im Finanzausschuss.“ Trotz ihres reichen Erfahrungsschatzes hat sie sich, wie ebenso zwei weitere Frauen aus dem Uelitzer Leitungsgremium, zur KGR-Fachfortbildung angemeldet. „Ich möchte am Ball bleiben. Schließlich ändert sich gerade vieles mit der Einführung der doppelten Buchführung“, blickt Marlies Schubert voraus.“ Klar seien vier Abende nach der Arbeit ein harter Brocken, aber sie möchte ihr Ehrenamt gut ausfüllen und findet das Angebot darum richtig und wichtig.

Das hat ebenso Gerd Witt motiviert. Der Eldenaer ist Landwirt und die dritte Wahlperiode im Kirchengemeinderat. „Aber seit dem Vorjahr bin ich das erste Mal im Finanzausschuss.“ Als Landwirt kenne er sich zwar mit Zahlen durchaus aus. „Über die Aufstellung und das Lesen des Haushaltsplanes einer Gemeinde möchte ich aber mehr wissen.“ Deshalb findet er das Angebot, sich fortbilden zu lassen „gut und sinnvoll“.Als Referentin geht Juliane Görs, Fachbereichsleiterin für Finanzen und Meldewesen in der Kirchenkreisverwaltung Mecklenburg, auch gleich ans Eingemachte im Kurs „Finanzen in der Kirchengemeinde. Da schwirren zunächst Begriffe wie „Haushaltsführungsgesetz“ oder „Haushaltsverordnung“ durch den Raum. Doch es bleibt nicht beim notwendigen rechtlichen Rahmen, für den alle Verständnis zeigen. Es wird konkret und praxisbezogen. Vieles erhellt sich und es wird klar, dass die Verwaltung die Gemeinden bei diesem komplexen Thema nicht allein lässt.

Für den Kurs „Kirche wirkt im Gemeinwesen“ hat sich Alrid Schweins aus der Schelfkirchengemeinde Schwerin angemeldet. „Mein Mann und ich haben heute unseren 54. Hochzeitstag. Dennoch bin ich zum Fortbildungsabend gegangen, weil mir das sehr wichtig ist.“ Als vor Jahren ihre Tochter nach Pinnow zog, sei sie mit ihrer Familie nachgekommen. „Seither engagiere ich mich in der Kirchengemeinde, was mir auch half, neue Kontakte zu knüpfen.“ Kontakte nach außen und Netzwerke ins Gemeinwesen findet Alrid Schweins ebenso für die Kirche wichtig, damit sich mehr Leute für die christliche Botschaft und die Angebote der Kirche interessieren.

Auf die Spur, wie vor Ort Projekte gelingen können, führen in dem Kurs Susanne Prill aus dem Zentrum Kirchlicher Dienste Mecklenburg und Gemeindepädagogin Constanze Buck. Sie legen den Dreischritt aus Sehen, Urteilen und Handeln den Teilnehmenden ans Herz und machen deutlich, dass es nicht das eine Patenrezept gibt. Vielmehr müsse das jeweils Passsende vor Ort gesucht werden. Eine Menge Handwerkszeug bekommen Alrid Schweins und die anderen dafür mit in die Hand. „Und zwei Abende folgen ja noch“, bemerkt Susanne Prill.

Wie vielfältig und komplex die Themen sind, wird ebenso im Kurs „Bauen in der Kirchengemeinde“ deutlich. Wie die vier regionalen Baulisten, die letztlich in die jährliche Bauprojektliste des Kirchenkreises Mecklenburg münden, aufgestellt werden, möchte jemand wissen. Die Baubeauftragte für die Propstei Wismar, Ute Reil-Romanski, und Sachbearbeiter Mark Tiede erläutern das Verfahren und raten den Gemeinden sehr frühzeitig – am besten ein Jahr im Voraus – mit der Bauverwaltung in Kontakt zu treten, um sich im Blick auf ein gewünschtes Projekt beraten zu lassen. „Auch von Gemeinden komplett selbstfinanzierte Projekte müssen auf die Liste“, stellt die Baubeauftragte klar.

Fast alle Referenten aus dem Kirchenkreis

Um Handwerkszeug geht es auch im Kurs „Gemeindeleitung“. Hier steht der Umgang mit Konflikten im Mittelpunkt und es gibt Impulse zum geistlichen Leiten. „Alle vier Angebote waren erfreulicherweise gut nachgefragt, am meisten allerdings das Thema Finanzen“, berichtet Susanne Prill, die auch zum Vorbereitungsteam der KKG-Fachfortbildungen gehört. Für die Veranstaltungen in den vier Propsteien stünden gut 35 Referenten bzw. Kursleitende aus der Kirchenkreisverwaltung, dem Zentrum Kirchlicher Dienste Mecklenburg und der Nordkirche sowie moderierende Personen aus den Propsteien bereit. Prill: „Uns freut sehr, dass die Angebote so gut angenommen sind und die Stimmung bei den Fortbildungsabenden so gut ist. In diesem Umfang haben wir Neuland betreten. Das große Interesse bei der KirchengemeinderatsMesse im März 2017 mit 350 Gästen hatte uns dazu ermutigt.“
Quelle: ELKM (cme)


Beim Kurs "Finanzen in der Kirchengemeinde" mit Referentin Juliane Görs
Kurs "Kirche wirkt im Gemeinwesen" mit Referentin Susanne Prill
Bild aus dem Kurs "Bauen in der Kirche"
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