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Nichtverwirklichter Bauplan von ca. 1820 für das Küster- und Schulhaus in Wittenburg

Forschungsmöglichkeiten im Landeskirchlichen Archiv Schwerin

 

Wer Landeskirchliches Archiv hört, denkt meist zuerst an Kirchenbücher und Familienforschung. Daß Kirchenarchive auch beträchtliche Bestände verwahren, die auch für die historische und kunstgeschichtliche Forschung interessant sein können, bleibt hingegen oft unbeachtet. Zu diesen zählen selbstverständlich zunächst die Aktenbestände der Behörden, deren Überlieferung unmittelbar in die Zuständigkeit des Landeskirchlichen Archivs fällt: die Aktenbestände der kirchenleitenden Organe der Ev.-Luth. Landeskirche Mecklenburgs bzw. ihrer Vorläufer in Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz (Landessynode, Landesbischof, Kirchenleitung, Konsistorium/Oberkirchenrat) sowie ihrer Dienststellen und Einrichtungen (Predigerseminar, Hauptbüro Mecklenburg des Hilfswerks der EKD, Frauenhilfe etc.).

 

Darüber hinaus findet sich zahlreiches Material insbesondere zur Orts-, Schul- und Baugeschichte in den Archiven der Kirchgemeinden (Pfarrarchive) und Kirchenkreise (Landessuperintendenturarchive) die im Zuge der Archivpflege als Deposita an das Landeskirchliche Archiv abgegeben wurden.

Hier soll jedoch nicht weiter auf die qua Zuständigkeit ohnehin in einem Landeskirchenarchiv zu erwartenden Bestände eingegangen werden. Hingewiesen sei vielmehr auf Bestände, die ohne weiteres nicht im Landeskirchlichen Archiv zu vermuten sind, ist ihr Vorhandensein doch nicht der Übernahme zuständigkeitshalber, sondern vielmehr der Sammlungstätigkeit des Archivs geschuldet.

 

Die Geschichte des Kirchenkampfes in der Zeit des Nationalsozialismus beleuchten die umfassenden Bestände Handakten von Landeskirchenführer Walter Schulz und Bruderrat der Bekennenden Kirche in Mecklenburg sowie die kleineren Bestände der Geschäftsstelle der Christlich-Deutschen Bewegung (1932-1933), der seit 1934 bestehenden Kessiner Bruderschaft der Bekennenden Kirche, der Bekenntnisgemeinden Dömitz, Eldena, Schwerin und Waren, eine umfangreiche Sammlung von Kleinschrifttum zum Kirchenkampf sowie eine Zeitungsausschnittsammlung der Jahre 1933 bis 1939.

 

Das Archiv besitzt darüber hinaus eine umfangreiche Sammlung von Nachlässen kirchlicher oder der Kirche nahestehender Personen. Unter diesen finden sich wiederum ungefähr 25 von Persönlichkeiten des Kirchenkampfes (Gerhard Tolzien, Aurel von Jüchen, Sibrand Siegert etc.), nicht nur von Anhängern der Bekennenden Kirche.

 

Von kunst- und baugeschichtlich hoher Bedeutung sind die Bauakten, -zeichnungen und –pläne unter staatlichem Patronat stehender kirchlicher Gebäude. Sie stammen aus der Abteilung für Hochbau des Mecklenburgischen Finanzministeriums und wurden in den Nachkriegsjahren unter mysteriösen Umständen durch Aufteilung unter verschiedene Archive und Ämter vor der Vernichtung bewahrt. Die Akten beginnen 1794 für Mecklenburg-Strelitz bzw. 1865 für -Schwerin. Sie umfassen annähernd 17 lfm, während die Bauzeichnungen und Pläne aus der Zeit nach zwischen 1840 und 1945 stammen und drei Kartenschränke füllen. In geringerem Umfang verfügt das Landeskirchliche Archiv auch über Patronatsbauakten der Hochbauabteilungen der Kreise Schwerin, Parchim und Ludwigslust, letztere mit Vorakten der Domanialämter Hagenow, Ludwigslust und Wittenburg sowie des Hochbauamtes Wismar seit 1848.

 

Schließlich verwahrt das Archiv über 1.400 Photographien vor allem mecklenburgischer Pastoren und kirchlicher Mitarbeitern, aber auch ein Album Landesbischof Tolziens mit Abbildungen (Stiche, Zeichnungen, Photographien) deutscher Theologen der Zeit vor 1933. Wiederum eher von kunstgeschichtlichem Interesse ist die Lichtbildersammlung des Pastors und Kirchenhistorikers D. Karl Schmaltz (1876-1940). Sie beinhaltet 1.420 Glasplatten und 1.785 Filmnegative mit Ablichtungen vor allem von Kirchengebäuden und -inventar in Mecklenburg, von deutschen und europäischen Landschaften, zu ikonographischen Themen sowie von Schmaltz’ Palästinareise des Jahres 1911.

 

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