Fördervereine Mecklenburgs – eine Erfolgsgeschichte
Wittenburg (ran). Fördervereine für Kirchgebäude in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs sind eine Erfolgsgeschichte. Eine Erfolgsgeschichte ist aber auch das Treffen der Mitglieder von Fördervereinen, wozu die Landeskirche am Sonnabend zum achten Mal eingeladen hatte. Diesmal kamen mehr als 170 Personen nach Wittenburg im Kirchenkreis Parchim unter dem Thema „Kirchbauten im 19. Jahrhundert. Was ist heute zu tun?“
Horst Ende (Konservator i.R.) lenkte in seinem Beitrag über diese Etappe des Kirchbaus vor allem die Aufmerksamkeit auf die Wertschätzung auf die neugotischen Kirchgebäude von 1803 bis etwa 1920, die oft als nicht eigenständig bewertet werden. Er betonte die wichtige Rolle des in Wittenburg geborenen Theologen Theodor Kliefoths, dessen Kirchenbauregulative von 1857 den Kirchbau umfassend regelten. Auf diesem Hintergrund zeigte Ende, daß Bauten dieses Zeitraums nicht wertlosere Kopien seien sondern eine eigenständige Phase des Kirchbaus.
Dies wurde deutlich, als am Nachmittag eine Exkursion zu drei Kirchen stattfand, darunter die Kirche in Vellahn, die 1883-85 errichtet wurde, übrigens mit einem verpflichtenden Beitrag von allen Konfirmierten. Dies wurde zwar als Belastung empfunden, aber hat die Verbindung zum Kirchgebäude sehr verstärkt, wie Kirchenführerin Elisabeth Neumann berichtete. Mit Engagement deutete sie ihre Kirche und wies auf das Kreuz im Fußboden des Turmeingangs hin. „Am Kreuz seines Lebens kommt niemand vorbei, daher das Kreuz am Eingang, wo alle hindurchgehen.“
Danach wurde die Feldsteinkirche Marsow besucht und die Kirche von Greven, ein besonders tragischer Fall, gehört sie doch neben Feldberg/Mecklenburg zu den beiden neoromanischen Kirchen in Mecklenburg, die aber leider seit Jahrzehnten nicht repariert wurde, da sie, nur drei Kilometer von der früheren Grenze entfernt, im ehemaligen Sperrgebiet lag. Seit einigen Jahren engagiert sich ein engagierter Förderverein für die Rettung der Kirche.
Ministerialrat Ulrich Hojczyk vom Bildungsministerium sagte in seinem Grußwort, daß seit der Wende etwa 300 Mio € in die Denkmalpflege investiert worden seien und daß es in Mecklenburg-Vorpommern 150 Fördervereine für Kirchen gäbe. „Der Tag hat auch Appellationscharakter für Gemeinden, wo es noch keinen Förderverein gibt“ sagte Hojczyk und er regte an, daß es wünschenswert wäre, wenn sich „zukünftig beide Kirchen im Bundesland an diesem Tag beteiligen“ würden.
Der mecklenburgische Bauchef Karl-Heinz Schwarz gab eine Übersicht über das Baugeschehen des letzten Jahres. Insgesamt habe das Bauvolumen 14,5 Mio € im Jahre 2005 betragen und gab einen Überblick über die Eigenmittel und die Vielzahl von Stiftungen und Einrichtungen, die Mittel bereitgestellt haben. Wesentliche Beträge seien in Kirchen von nationaler Bedeutung, etwa in Rostock oder Güstrow geflossen, aber es seien auch Notsicherungen erfolgt, etwa Helpt oder Kalkhorst. Schwarz sagte, daß von den mehr als 700 Kirchen in der Landeskirche allein 130 gefährdet seien und daß das Bauvolumen in Zukunft auf 264 Mio € geschätzt würde.
Der Tag fand seinen Abschluß in der Kirche von Greven, wo von der Bemalung im Chorbogen nur noch „geduldig“ zu lesen ist. Es war, als sei es ein Zeichen für die Fördervereine: geduldig im Engagement und in der Sammlung der Spenden und Fördermittel zu sein.
Deutlich wurde auch, daß die Investitionen nicht in „Steine“ erfolgen sondern in Menschen, in ihr Engagement und vor allem auch in Heimat. In Heimat in den Dörfern und Städten.
Deutlich wurde das zu Beginn des Tages in der Wittenburger Kirche in der Andacht von Landesbischof Hermann Beste. „Die Erhaltung von Kirchen ist auch ein Zeichen unseres Glaubens, denn wir brauchen die Zeiten in diesen Räumen, um den Ruf Gottes zu hören.“
Zum Abschluß dankte der Landesbischof den Fördervereinen und ihren Mitgliedern für ihr Engagement für die Kirche vor Ort und lud schon einmal zum 9. Tag der Fördervereine 2007 in den Kirchenkreis Wismar ein. (21.5.2006)
Bilder vom Tag der Fördervereine 2006
Bericht vom Tag der Fördervereine 2005
Bilder vom Tag der Fördervereine 2004 
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