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Tag der Fördervereine: „Warum etwas als Kommune tun, wenn man es auch zusammen tun kann?“

 

Gadebusch (ran). Wulf Kawan, 1. Vorsitzender des Vereins „Dorfkirchen in Not“, überreichte am Sonnabend dem scheidenden Landesbischof Hermann Beste beim Tag der Fördervereine und Sponsoren „keine Backsteinkirche sondern eine Backkirche.“ Dabei übergab er dem Landesbischof einen Gebäckkranz mit gotischen Fensterformen unter großem Applaus der Anwesenden.

 

Es war der neunte Tag der Fördervereine und Sponsoren in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs, der in Gadebusch begann und dann zu den Kirchen in Groß Salitz und Schlagsdorf führte. Die Veranstalter hatten mit 150 Teilnehmenden gerechnet – angemeldet hatten sich aber über 200 Mitglieder aus Fördervereinen in der Landeskirche zum Thema „Kirche und lokale Identität“.

 

Der Tag hatte mit einer Andacht und einer Führung in der Kirche Gadebusch begonnen und wurde mit Kurzvorträgen fortgesetzt. Dabei berichtete Dr. Christian von Plessen, dessen Familie seit 1215 im Mecklenburgischen ansässig ist, über das Verhältnis von Kirche und Patronat. In der Geschichte hatte der Patron Rechte und Grundbesitz an die Kirchen gegeben, vor allem aber für den finanziellen Unterhalt der Kirchen zu sorgen, die Baulasten zu tragen und für Pfarrer und Küster aufzukommen. Als Ehrenrecht hatte er einen besonderen Platz in der Kirche – Patronatslogen sind heute meist erhalten – und er hatte auch ein Vorschlags- und Vetorecht bei der Besetzung der Pfarrstelle.

 

Von Plessen stellte fest, daß „republikanische Bürgergesellschaft und die Amtskirche“ es versäumt hätten, „für einen Ersatz des abgeschafften gutsherrlichen Patronats in Mecklenburg zu sorgen.“ Er wehrte sich „vehement“ dagegen, das gutsherrliche Patronat wieder aufleben zu lassen, denn Unternehmer könnten und sollten das nicht leisten. Vielmehr schlug er vor, „das Bürgerpatronat ganz massiv in den Vordergrund“ zu stellen. „Wir im Dorf sorgen für unsere Kirche und den Pfarrer,“ sagte von Plessen in seinem Vortrag.

 

Zuvor hatte Bürgermeister Thomas Schwarz aus Demen in erfrischender Weise von seiner Zusammenarbeit mit der Kirchgemeinde berichtet. „Unser Pfarrer Schäfer ist auch einer, der die Ärmel aufkrempeln kann,“ sagte er und stellte unter Beifall der Anwesenden seine Devise vor: „Warum sollen wir als kommunale Gemeinde etwas tun, wenn wir es auch zusammen machen können?“ Als Ergebnis sei das alte Pfarrhaus als Kommunikationszentrum umgebaut worden und zusammen mit dem Garten sei ein Park für alle Generationen entstanden.

 

Pastorin Karen Siegert berichtete vom Umbau des Turms der Kirche in Rerik für Besucher, die die Aussicht über Land und See genießen konnten. Deutlich wurde auch hier, daß Veränderungen Zeit brauchten, denn die Sorge des Kirchgemeinderates sei gewesen, ob die Kirche als Ort der Ruhe bleiben könne. Zeit und viele Gespräche hätten nun zum Ergebnis geführt, daß mit Mitteln der Städtebauförderung ein Umbau des Turmes erreicht worden sei und der Kirchgemeinderat mit dieser Veränderung einverstanden sei. „Ich habe Ihnen keine Bilder mitgebracht,“ so Siegert, „kommen Sie doch selbst und sehen Sie es sich an,“ sagte sie einladend an die Versammlung.

 

Propst Bernhard Kähler zeigte am Beispiel der Kirche Demen auf, daß alle Generationen die Kirchen verändert hätten, „denn jede Generation hatte andere Bedürfnisse und Kirche ist ja kein Museum.“ Wie in einem Bilderbuch könnte man blättern und die Geschichte der Kirche erkennen. Die jetzige Generation baue einen Raum zur Kommunikation in die Kirche ein und Kähler teilte auch mit, daß von den 300 Einwohnern des Ortes 10% Mitglied im Förderverein seien.

 

Der Tag der Fördervereine und Sponsoren machte sich dann auf die Besichtigungsfahrt zu den Kirchen von Groß Salitz und Schlagsdorf, wo nach dem Regen am Vormittag bei Sonnenwetter unter den ausladenden Bäumen neben der Kirche Schlagsdorf eine üppige Kaffeetafel aufgebaut war. Landesbischof Hermann Beste bedankte sich bei der Kirchgemeinde und er warnte: „Verwöhnen Sie uns nicht zu doll, sonst kommen wir wieder“ und er dankte zum Schluß allen Fördernden für „die Geduld, den Mut und die Zuversicht,“ die sie zum Erhalt der Kirchegebäude aufgebracht hätten.

 

Der nächste Tag der Fördervereine uns Sponsoren wird am 24. Mai 2008 im Kirchenkreis Rostock stattfinden.

(17.6.2007)

 

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