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Festgottesdienst mit Bischof von Maltzahn

Der alte Glanz ist nach 22 Jahren zurück - Güstrower Borman-Altar restauriert

Bischof Dr. Andreas von Maltzahn dankt Pastorin i.R. Elisabeth Taetow für ihr Engagement: "Jede Spenderin, jeder Spender hat von Ihnen eine Karte bekommen, es sind so viele Karten gewesen, dass Sie sie gar nicht mehr zählen können"
14.09.2015 ǀ Güstrow.  Der Borman-Altar aus dem 16. Jahrhundert in der Güstrower Pfarrkirche zählt zu den bedeutendsten Altären Norddeutschlands. 22 Jahre lang wurde er restauriert - jetzt ist er fertig. In einem Festgottesdienst mit dem Schweriner Bischof Dr. Andreas von Maltzahn wurde am Sonntag (13. September) das Ende der Arbeiten gefeiert.

Ist das Leben nicht mehr? Diese Frage Jesu aus der Bergpredigt zitierte Bischof von Maltzahn in seiner Predigt. „Dieses Mehr, dieser ‚Mehr-Wert‘, könnte vielleicht eine lohnende Aufgabe sein“, so der Bischof weiter und nannte als Beispiel die Aufgabe, solch einen Schatz wie den Borman-Altar zu retten. „Welch langen Atem hat es dafür gebraucht! 22 Jahre lang Spenden sammeln, 22 Jahre lang Schritt für Schritt restaurieren, 22 Jahre lang nicht auf den großen Berg schauen, der noch vor einem lag, sondern zu tun, was möglich war, um das scheinbar Unmögliche zu schaffen“, erinnerte der Bischof.

Er nannte den Altar einen "Schatz", dessen Erhalt "nicht nur Mühe und Arbeit, sondern auch etwas Erfüllendes" gehabt haben müsse. "Welch eine Kostbarkeit in künstlerischer wie geistlicher Hinsicht ist uns durch dieses Engagement wiedergegeben und für kommende Generationen erhalten worden", sagte Andreas von Maltzahn. Dieses Engagement habe Beziehungen gestiftet und Menschen miteinander verbunden.

500.000 Euro kostete die Restaurierung, rund drei Viertel davon kamen von Stiftungen. 2006 übernahm der damalige Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) die Schirmherrschaft. Im Mittelschrein und auf den Flügeln zeigt der Altar Szenen aus der Passionsgeschichte. Die sechs Gemälde der Rückwand stellen Maria, die heilige Katharina sowie die Apostel Petrus und Paulus dar.

"Das Leidvolle menschlicher Existenz wird nicht ausgeblendet", sagte Maltzahn in seiner Predigt. Den charakteristischen Gesichtern der Altarfiguren sei das anzusehen. Er könne diese Figuren in diesen Tagen nicht sehen, ohne zugleich auch die Gesichter der Flüchtlinge vor Augen zu haben. Doch er sehe auch die Gesichter der Polizisten und Soldaten, die sie an einem Tag an der Grenze abweisen sollen - "notfalls mit Tränengas und Gewalt - und am nächsten Tag ist die politische Linie wieder anders". Maltzahn: "Das Leiden dieser Welt - es geht durch Gott hindurch. Es geht durch uns hindurch. Es zerreißt uns. Es verbindet uns."

"Unermüdlich und unerbittlich" - Dank an Elisabeth Taetow

Manchmal bleiben Besucher wie angewurzelt stehen, wenn sie die Güstrower Pfarrkirche betreten, erzählt Elisabeth Taetow. "Denn sie sind so begeistert von dem Altar." Die 77-Jährige war von 1978 bis 1996 Pastorin an der Pfarrkirche und hat sich danach ehrenamtlich für ihre Kirche engagiert. Taetow selbst ist eine der größten Fans des Schnitzaltars. Unter den 180 Figuren gebe es keine zwei gleichen Gesichter, sagte sie. Ein Kriegsknecht habe eine Warze im Gesicht, und bei zwei Kindern könne man ihre ausgestreckte Zunge sehen.

Taetow hatte den Förderverein 1997 ins Leben gerufen und dafür dreißig Mitstreiter, zahllose Förderer und Spender begeistert. Jeder Spender bekam von ihr eine persönliche Dankeskarte. "Unermüdlich und unerbittlich" sei Taetow an Stiftungen und die Barlachstadt herangetreten, sagt der heutige Pastor Matthias Ortmann voller Dank und Anerkennung. Im Laufe der Jahre konnte so das notwendige Geld eingeworben werden.

Zuletzt war der Altar im Jahr 1880 überarbeitet worden. Im Zweiten Weltkrieg wurde dann ein Flügel durch Nässe stark beschädigt. Und nach einer Instandsetzung Anfang der 50er-Jahre oxidierte die verwendete Goldbronze und schlug schwarz aus. Anlass für die Restaurierung war ein ARD-Gottesdienst am Karfreitag 1992. Nachdem die Kameras die Schäden am Altar deutlich einfingen, erreichten die Pastorin Anrufe und Briefe, in denen gefragt wurde: "Warum kann so ein Altar so verkommen aussehen?"

Die aufwendige Restaurierung des Borman-Altars sei ein Beispiel dafür, dass Glaube und Mitmenschlichkeit Berge versetzen können, sagte Bischof von Maltzahn. Das gelte auch für die Flüchtlinge. "Sie aufzunehmen, wird uns einiges abverlangen." Doch es werde auch bereichern: "Im Vertrauen auf Gott können wir diese Probe auf unsere Menschlichkeit annehmen. Tun wir also das, was in unserer Kraft steht - im Gebet, mit unseren finanziellen Möglichkeiten, mit unserem tatkräftigen Einsatz."
Quelle: epd/kmv