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Fachtag von Kirchenkreis und KDA in Züssow

Erbschaften der Vergangenheit in der Begegnung mit Flüchtlingen heute

07.05.2015 ǀ Züssow.  Mit den Nachwirkungen von Flucht und Vertreibung 1945 auf den heutigen Umgang mit Flüchtlingen beschäftigt sich am 21. Mai (10 Uhr) ein kirchlicher Fachtag in Züssow bei Greifswald.

Weltweit steigt die Zahl von Krisenregionen: Kriege wie in Syrien und im Irak zwingen zahllose Menschen dazu, ihre Heimat unfreiwillig zu verlassen. Ein weiterer Grund ist eine extreme Ungerechtigkeit in der Verteilung der weltweiten Ressourcen. Seit 1945 gab es global gesehen noch nie so viele Flüchtlinge wie heute. Rund 6000 neue Asylbewerber werden allein in diesem Jahr in Mecklenburg-Vorpommern erwartet. Für eine Kultur des Willkommens ist auch wichtig, die eigene Geschichte aufzuarbeiten. Ein Fachtag stellt sich diesem Thema

„Aufgrund unserer Vergangenheit ist das Thema Flucht und Vertreibung mit unbewussten Gefühlserbschaften, mit ideologischen Tabus und historischen Vorurteilen verbunden“, sagt Pastor Matthias Bartels vom Regionalzentrum kirchlicher Dienste in Greifswald. Gemeinsam mit dem Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt MV (KDA) und der Propstei Demmin lädt das pommersche Regionalzentrum am 21. Mai ab 10 Uhr zu einem Fachtag in das Bio-Tagungshotel Wichernhaus (Gustav-Jahn-Str. 6) nach Züssow ein.

„Viel wird derzeit über eine Willkommenskultur in unserer Gesellschaft für Flüchtlinge diskutiert. Voraussetzung dafür ist, dass die seelischen und historischen Trümmer unserer eigenen Vergangenheit ans Licht gebracht und zur Basis für individuelles und kollektives Lernen werden“, so Pastor Jürgen Kehnscherper vom KDA. Knapp 900.000 Vertriebene seien nach dem Ende des 2. Weltkrieges allein ins heutige Mecklenburg-Vorpommern gekommen. Ihr Anteil an der Wohnbevölkerung habe fast 44 Prozent ausgemacht.

In zwei Vorträgen und im Gespräch miteinander werden auf dem Fachtag die Erbschaften der Vergangenheit in der Begegnung mit Flüchtlingen heute zur Sprache kommen. Zugleich sollen historische und tiefenpsychologische Perspektiven aufgezeigt werden. Referenten sind Dr. Andreas Kossert und Bettina Alberti. Der Berliner Historiker von der Bundesstiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ ist auch  Autos des Buches „Kalte Heimat. Die Geschichte der deutschen Vertriebenen nach 1945“. Die Lübecker Psychotherapeutin ist u.a. Autorin des Buches „Seelische Trümmer. Die Nachkriegsgeneration im Schatten des Kriegstraumas“. Beide Referenten sind profunde Kenner dieser wichtigen Thematik.

Interessierte sind herzlich eingeladen zum Fachtag in Züssow. Die Teilnahme ist kostenfrei. Um zeitnahe Anmeldung wird gebeten bei Simone Witteck, Tel.: 03834- 8963111, Fax.: 03834-8963117, E-Mail: regionalzentrumpek.de.
Quelle: Bischofskanzlei Schwerin (cme)