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7. Bundeskongress in Warnemünde

Evangelische Schulen beklagen finanzielle Benachteiligung

29.09.2017 ǀ Warnemünde.  Der Vorstandsvorsitzende der evangelischen Schulstiftung der Nordkirche, Kai Gusek, hat eine finanzielle Benachteiligung des Landes Mecklenburg-Vorpommern (MV) gegenüber Schulen in freier Trägerschaft beklagt. "Wir bekommen vom Land nur 85 Prozent unserer Personalkosten erstattet". Das sei "rechtlich in Ordnung, aber man kann sich fragen, ob das sinnvoll ist", sagte Gusek am Rande des Bundeskongresses Evangelische Schule, der am Donnerstag und Freitag in Rostock-Warnmünde tagte.

Unter dem Motto "Zur Freiheit berufen!" trafen sich Pädagogen, Verantwortliche in Schulleitungen, Schulträgerschaft und Kirchen, Schulsozialarbeiter und Bildungspolitiker aus ganz Deutschland zum thematischen Austausch an der Ostsee. Im Jahr des Reformationsjubiläums geht es den Angaben zufolge unter anderem um die Fragen: Sind evangelische Schulen wirklich Spiel- und Entfaltungsräume der Freiheit und welchen Beitrag können sie zur Freiheit in der demokratischen Zivilgesellschaft leisten?

Gusek betonte, Pluralität im Bildungswesen sei ein hoher Wert. Freie Schulen seien keine Konkurrenz, sondern Ergänzung zu Schulen in kommunaler Trägerschaft, "und wir betreiben auch keine Eliteförderung". Zwar müsse an den freien Schulen ein Schulgeld erhoben werden, um die fehlenden 15 Prozent vom Land auszugleichen. "Geld ist aber an keiner Stelle ein Hinderungsgrund für einen Schulbesuch".

Die evangelische Schulstiftung habe gute Partner auf landespolitischer Ebene, hob Gusek hervor. Dennoch hätten es Schulen in freier Trägerschaft "nicht immer leicht im Land". In Teilen der Politik gelte immer noch die grundsätzliche Haltung: Das Schulwesen gehört in staatliche Hände. Die Schulstiftung ist Trägerin von Schulen an 17 Standorten in MV. Deutschlandweit gibt es rund 1.200 evangelische Schulen mit über 170.000 Schülern.

Nach den Worten von Maria Loheide vom Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland geht es in der Bildung nicht um einen Leistungswettbewerb als Selbstzweck oder darum, der fordernden Wirtschaft zu entsprechen. "Es geht vielmehr immer auch um Persönlichkeitsbildung und um die Frage, welche Verantwortung wir füreinander, für unsere Nächsten, für unsere Nachbarn übernehmen", sagte sie. Menschen, die mit einer Haltung der Toleranz und Dialogfähigkeit aufwachsen, würden heute mehr denn je gebraucht. "Auch dies ist Aufgabe der evangelischen Schulen", so Loheide.
Quelle: epd