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Evangelische Landeskirche gibt Infoblatt „Friedensnetz 4/89“ noch einmal heraus

„Ein Licht auf das Umbruchsjahr vor 20 Jahren“

14.10. 2009 | Schwerin (cme). „Man schreibt selbst, man redigiert selbst, man zensiert selbst, verlegt selbst, man verteilt selbst und sitzt auch selbst die Strafe dafür ab.“ So charakterisierte der sowjetische Dissident Wladimir Bukowski den Selbstverlag von Schriften in einer Diktatur. Im Umfeld der Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsgruppen entstanden in der früheren DDR beispielsweise die „Umweltblätter“, der „Grenzfall“, die „Arche Nova“, aber auch das „Friedensnetz“ aus Mecklenburg. Deren vorletzte Ausgabe Nummer 4 aus dem Jahr der friedlichen Revolution 1989 hat die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburgs jetzt als Kopie im Format A 5 (ursprünglich A 4) herausgegeben. Die Schrift mit Informationen, Texten und Anregungen beinhaltet eine komplette Sammlung der damaligen Aufrufe und zahlreiche Berichte aus dem Umbruchsjahr 1989.

Die Schrift „wirft ein Licht auf diese Zeit vor 20 Jahren aus der Sicht der damals unmittelbar Beteiligten, die die friedliche Revolution begannen und beförderten“, schreibt Oberkirchenrat Andreas Flade im neuen Vorwort und blickt zurück: „Das ,Friedensnetz’ war über mehrere Jahre bis zum Herbst 1989 ein Informationsmaterial für Friedensgruppen, Kirchgemeinden und Interessierte…Es wurde von der Arbeitsgruppe Frieden der Evangelisch Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs herausgegeben.“ Dort kamen Vertreter von kirchlichen Basisgruppen, der Landessynode, des Amtes für Gemeindedienst, des Landesjugendpfarramtes und des Oberkirchenrats zusammen, die „an Fragen des konziliaren Prozesses für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung arbeiteten und sich für gesellschaftliche Veränderungen in der DDR einsetzten.“

Das „Friedensnetz“ war eine Möglichkeit der sich herausbildenden Opposition, sich zu artikulieren. Da die Schriften alle außerhalb der staatlichen Zensur verfasst und vertrieben wurden, war die Konfrontation mit der Staatsmacht bzw. dem MfS unausweichlich. Dennoch erschien die Schrift bis zum Schluss, da „sich der Oberkirchenrat nach massiven staatlichen Interventionen Anfang 1989 eindeutig hinter die von ihr eingesetzte ,Arbeitsgruppe Frieden’ und das von ihr herausgegebene ,Friedensnetz’ stellte und ihr zusagte, sie bei der weiteren Erstellung und Versendung zu unterstützen“, so Andreas Flade. Sogar ein eingeleitetes Ordnungsstrafverfahren gegen zwei Mitverfasser, Heiko Lietz und Georg Heydenreich, sei damals daraufhin eingestellt worden. Die letzte Ausgabe des „Friedensnetzes“ erschien übrigens Ende Oktober/Anfang November 1989.