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Erste indische Pastorin der Nordkirche

Von Indien nach Hamburg-Altona

12.08.2017 ǀ Hamburg.  Schon immer wollte Joy Hoppe in einer Kirchengemeinde arbeiten. Jetzt sie die erste indische Pastorin in Hamburg und wundert sich oft noch über die Unterschiede zwischen der Kirche in Indien und Norddeutschland.

Sie ist die erste indische Pastorin in der Nordkirche. Im Juni hat Joy Hoppe (42) ihre Pfarrstelle in der evangelischen Paulusgemeinde Hamburg-Altona angetreten. Die Menschen in der Gemeinde seien ihr sehr offen begegnet. Zuweilen werde sie allerdings noch für eine Flüchtlingsfrau gehalten, sagt sie. Andere seien festgelegt auf die Vorstellung: "Einer indischen Frau muss man helfen." Selbstbewusst und freundlich erinnert Joy Hoppe sie dann daran, dass sie die Gemeindepastorin ist. "Die Menschen müssen mich als Pastorin kennenlernen. Das braucht Zeit."

Sie kennt sogar Katharina von Bora


Solange sie sich erinnern kann, wollte sie in einer Kirchengemeinde arbeiten. "Als Kind war ich begeistert von den katholischen Nonnen in meiner Heimat, obwohl ich gar nicht wusste, was sie tun." Sie verbrachte viel Zeit in ihrer evangelisch-lutherischen Gemeinde, besuchte die Sonntagsschule, den Konfirmandenunterricht, die Gottesdienste und studierte Philosophie und Theologie. Dabei las sie auch die wichtigen deutschsprachigen Theologen wie Paul Tillich oder Karl Barth. Erst neulich sei jemand überrascht gewesen, berichtet sie, dass sie als Inderin Katharina von Bora kenne.

In der Nordkirche noch einmal das Vikariat absolviert

Bei einem Auslandssemester in Hamburg lernte sie ihren späteren Mann Claus Hoppe kennen, der heute als Gemeindepastor in Hamburg-Lokstedt tätig ist. Nach ihrer Ordination in Indien arbeitete sie dort noch ein Jahr lang, bevor sie dauerhaft nach Deutschland zog. Obwohl sie bereits fertig ausgebildet war, absolvierte sie in der Nordkirche noch einmal das Vikariat, um die Kirche kennenzulernen.

In Deutschland ist sie mehr seelsorgerisch unterwegs

Zwischen der Gemeindearbeit in beiden Ländern hat sie viele Unterschiede entdeckt. In Indien sei die Befreiungstheologie sehr wichtig, sagt Joy Hoppe. Pastoren scheuten sich nicht, politische Themen anzusprechen. Hunger und das Kastensystem seien große Themen. "Als Christen sind wir eine Minderheit. Wir müssen viel mehr kämpfen." Der Gottesdienst sei für indische Christen wichtig, um sich zu stärken. In Deutschland müsse sie weniger politisch und mehr seelsorgerlich predigen.

Hoppe: Junge Menschen sind sehr engagiert

In ihrer Gemeinde möchte sie gern mehr junge Menschen für die Kirche begeistern. An den vielen friedlichen jungen Demonstranten zum G20-Gipfel habe man ja gesehen, wie engagiert und interessiert sie seien, sagt sie. Nur nähmen sie offenbar die Kirche nicht als einen Ort war, an dem sie das einbringen könnten. "Dabei haben wir so viel Platz." Als ersten Schritt möchte sie jetzt die Fachbereiche Philosophie, Theologie und Soziologie der Uni Hamburg anschreiben und Studierende zu Gesprächen in die Gemeinde einladen.

Zurück nach Indien?

Ihre Arbeit in der Paulus-Gemeinde ist erst einmal auf ein Jahr befristet. Anschließend geht sie voraussichtlich in eine andere Gemeinde in der Region. "Ich habe immer davon geträumt, in meiner Kirche in Indien zu arbeiten", sagt sie. Dieser Traum habe sich auch nicht verändert, als sie einen Deutschen heiratete - und ihr Mann würde auch mitkommen. Allerdings verdienten Pastoren dort so wenig, dass selbst ein doppeltes Gehalt nicht reiche, um eine Familie zu ernähren - geschweige denn die teure Schulbildung für ihre sechs und neun Jahre alten Töchter zu bezahlen. So bleibt es erst einmal bei Hamburg.
Quelle: epd