Pressestelle der Pommerschen Evangelischen Kirche
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Greifswald, den 03. April 2002

Erklärung des Pommerschen Bischofs Dr. Hans- Jürgen Abromeit zur Situation in Palästina und Israel
Pommerscher Bischof fordert sofortigen Abzug der israelischen Armee von der Evangelischen Kirche und dem Pfarrhaus in Bethlehem
Greifswald. Am gestrigen 2. April 2002 hat die israelische Armee die Evangelisch-Lutherische Weihnachtskirche in der Bethlehemer Altstadt beschädigt, die Kirchenbüros und die Einrichtungen des Internationalen Begegnungszentrums verwüstet und das evangelische Pfarrhaus besetzt. Der Pfarrer Dr. Mitri Raheb wird mit seiner Frau, seinen beiden Kindern ( 7 und 9 Jahre ) und seiner Mutter in der 2. Etage ohne elektrischen Strom und Wasser in menschenunwürdigen Verhältnissen festgehalten.
So wie die evangelische Pfarrfamilie sind alle ca. 38.000 Bewohner Bethlehems Gefangene in ihren eigenen Wohnungen. Nach bisherigen Informationen sind beim gestrigen Einmarsch der israelischen Armee 7 Palästinenser erschossen worden. Die Panzer haben in den für sie viel zu engen Straßen der historischen Altstadt Häuser zum Einsturz gebracht. Israelische Soldaten schießen auf alles, was sich bewegt. In die auf einen Bau auf dem 4. Jahrhundert zurückgehende, älteste Kirche der Christenheit, der Geburtskirche am Krippenplatz, sollen sich 70 Bewohner geflüchtet haben, die dort von der israelischen Armee belagert werden. Auch in der Syrisch-Orthodoxen Kirche haben Menschen Zuflucht gesucht. Zurzeit ist es für die Jahreszeit ungewöhnlich regnerisch und kalt. Umso schlimmer ist, dass keine ärztliche Versorgung in den besetzten Städten Bethlehem, Beit Jala und Ramallah gewährleistet ist. Das Israelische Verteidigungsministerium hat angekündigt, die Besetzung dieser Städte zwei bis vier Wochen aufrecht zu erhalten.
Der Bischof der Pommerschen Evangelischen Kirche und Vorsitzende des traditionsreichen Jerusalemsvereins, Dr. Hans-Jürgen Abromeit fordert auf dem Hintergrund der 150jährigen engen Verbindung zu palästinensischen Christen die Einhaltung von Grundnormen der Humanität, des internationalen Rechts und der Religion.
Im Einzelnen verlangen diese:
· die Gewährung ärztlicher Behandlung für Verletzte und Kranke;
· die ausreichende Versorgung mit Wasser und Lebensmitteln;
· die Beendigung entwürdigender Behandlung der Zivilbevölkerung durch die israelische Armee;
· die Respektierung von Kirchen und Kircheneigentum als Orten des Gebetes, des Gottesdienstes und der religiösen Unterweisung (Soldaten und Waffen dürfen unter keinen Umständen diese Orte entweihen.);
· die Unterlassung mutwilliger Zerstörungen der Armee an Privat- und Kircheneigentum; besonders der Entehrung religiöser Gegenstände, wie Kreuze, Bilder und Kirchenfenster;
· die Zahlung von Reparationen, wo bereits Schäden angerichtet worden sind.
Deswegen fordert Bischof Dr. Abromeit den sofortigen Abzug aus Pfarrhaus und von dem Gelände der Evangelisch-Lutherischen Weihnachtskirche in Bethlehem. Grundstück und Kirche sind im Besitz des deutschen Jerusalemsvereins. Vor 110 Jahren hat der in Berlin eingetragene Jerusalemsverein dort mit Spendengeldern die Kirche und die jetzt zerstörten Kirchenfenster errichtet. Die Besetzung von Kirchenland ist durch nichts zu rechtfertigen. Die Achtung des Glaubens und der religiösen Einrichtungen gehört zu den Grundbedingungen humanen Lebens. Die Zerstörungen sind umso bedauerlicher, weil gerade von der Bethlehemer Evangelischen Gemeinde, ihrem Begegnungszentrum und ihrer Schule gewaltfreie Wege aus dem Konflikt gesucht wurden und Versöhnung zwischen Juden, Christen und Muslimen angestrebt wurde. Zerstörungen dieser Einrichtungen richten sich deswegen auch gegen die Interessen Israels.
Die Eskalation des Konflikts verlangt von der Internationalen Gemeinschaft die sofortige Entsendung internationaler Beobachter und die Trennung der Konfliktparteien. Israel muss die 35-Jahre dauernde, völkerrechtlich illegale Besetzung der palästinensischen Gebiete beenden. Die Völkergemeinschaft muss helfen, einen unabhängigen Palästinenserstaat zu etablieren, der dann seinerseits in seinem Bereich für die Einhaltung von Recht und Gesetz zu sorgen hätte, und also auch für die Unterbindung von Selbstmordattentaten verantwortlich wäre. Nur mutige Schritte führen aus dem Chaos. 
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