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Pommersche Synode tagte in Züssow zum Thema Frieden

Erinnerung an Geschichte wird wachgehalten

"Die Gesellschaft braucht eine lebendige Kirche", sagte Justizministerin Katy Hoffmeister in ihrem Grußwort am Freitag vor den Synodalen.
25.03.2017 ǀ Züssow.  Die Synode des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises hat am Freitag in Züssow Beschlüsse zur Aufarbeitung der Kirchengeschichte sowie zur Unterstützung der Schulstiftung gefasst. Zugleich wurde Diakoniepastor Martin Scriba verabschiedet. Am Sonnabend beschäftigten sich die Synodalen in Gruppenarbeiten mit dem Thema Frieden. 

Die 58 anwesenden Synodalen fassten am Freitag einen Beschluss zur Aufarbeitung der Geschichte der Pommerschen Evangelischen Kirche. Die Synode bekannte sich damit zu einer fortgesetzten Arbeit an dieser Thematik und dazu, die Geschichtserinnerung wach zu halten. „Die Geschichte der Pommerschen Evangelischen Kirche unterliegt unterschiedlichen Wahrnehmungen und kritischen Wertungen“, hieß es in der den Synodalen vorliegenden Beschlussvorlage zur Geschichtsaufarbeitung. „Immer noch schmerzen die kirchenpolitischen Friktionen zum Ende der DDR-Zeit. Wir sehen Aufklärungs- und Begleitungsbedarf für das Miteinander in unserem Kirchenkreis in drei Hinsichten: 1. Bekenntnis, 2. Seelsorge und 3. Geschichte.“ (Beschluss siehe unten)

„Zur historischen Wahrheit gehören auch die unbequemen Tatsachen. Über sie Klarheit zu gewinnen, zählt zu den notwendigen Aufgaben der Geschichtserinnerung“, sagte Propst Gerd Panknin vor den Synodalen. Für eine abgewogene Geschichtsdurchdringung sei das Hören aller Seiten und Quellen vonnöten. „Zur historischen Wahrheitsfindung gehört auch das Feststellen von Leistungen und von Werten, die das Weiterhandeln ermöglichten. Vieles, was die pommersche Landeskirchengeschichte während der DDR-Zeit geprägt und bestimmt hat, wurde noch nicht erzählt.“ Zudem dürfe die Vergegenwärtigung der pommerschen Landeskirchengeschichte nicht beim Handeln der kirchenleitenden Amtsträger stehen bleiben. „Es gehört zur notwendigen Ergänzung, die Vielfalt kirchlichen Lebens wahrzunehmen und damit auch die Vielfalt von Leistungen und Fehlleistungen auf allen Ebenen. Es muss darum gehen, die Landeskirchengeschichte in ihrer Breite kritisch zu würdigen und dabei auch festzustellen, wo Menschen in ihrem Glauben und Leben gestärkt, ermutigt und selbständig gemacht worden sind“, so der Propst.

Schulstiftung erhält Unterstützung für Investitionen

Die Synode beschloss eine komplementäre Finanzierung der Schulstiftung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland mit bis zu 300.000 Euro für anstehende Investitionen. Die Synode hat mit dem Beschluss die Erwartung verbunden, dass diese Investitionen den Schulen auf dem Gebiet des pommerschen Kirchenkreises zugutekommen. Die Finanzierung durch den PEK ist an Unterstützungen durch die Nordkirche sowie durch den benachbarten mecklenburgischen Kirchenkreis gekoppelt. Die 1996 gegründete Schulstiftung ist derzeit Träger von 28 Einrichtungen an 17 Standorten, die sich fast ausschließlich auf den Gebieten des Pommerschen und des Mecklenburgischen Kirchenkreises befinden. Die Arbeit der Schulstiftung und die Gründe für den Finanzierungsbedarf erläuterten den Synodalen die Vorstandsmitglieder der Schulstiftung, Matthias Fischer und Kai Gusek.

„Wir sehen unsere Aufgabe darin, Kinder im Kontext des christlichen Menschenbildes ins Leben zu begleiten. Für uns gehören Bildung und Glaube zusammen“, so Kai Gusek und Matthias Fischer. Die evangelischen Schulen seien bedeutende Kontaktstellen, auch für Nichtchristen, in denen unter anderem elementare Grundlagen für die Gemeinschaftsfähigkeit der heranwachsenden Generationen gelegt werden. Die Schulen der Stiftung verstehen sich als konsequente Weiterentwicklung evangelischer Kitas. Gründe für die finanzielle Schieflage, in der sich die Stiftung befindet, seien die nur 85 Prozent betragende staatliche Refinanzierung der Personalkosten sowie die Zinsbelastung durch Darlehen, die in die Bausubstanz der Einrichtungen investiert wurden. Zudem gebe es dringenden Bedarf für Investitionen in weitere Vorhaben. Beispiele sind der Schulneubau in Pasewalk und die Sanierung der Schule in Anklam. Außerdem werde sich die Stiftung bei sich entwickelnden Schulgründungsideen engagieren.

Justizministerin: "Gesellschaft braucht eine lebendige Kirche"

Die Justizministerin des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Katy Hoffmeister, hielt zu Beginn der Tagung ein Grußwort. Die Ministerin ist auch zuständig für Kirchenangelegenheiten. „Die Synoden bilden die demokratische Kirchenordnung ab und liefern wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der Kirche und für das Verhältnis von Kirche und Staat“, sagte Katy Hoffmeister. „Durch Sie wird Kirche lebendig“, so die Ministerin zu den Synodalen. „Und die Gesellschaft braucht eine lebendige Kirche.“ Ebenfalls ein Grußwort sprach Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit. Der Bischof stellte das Reformationsgedenken in den Mittelpunkt seines Grußwortes und lud zu den zahlreichen Veranstaltungen im Kirchenkreis ein, die aus diesem Anlass oder zu dieser Thematik stattfinden. Hans-Jürgen Abromeit verwies unter anderem auf die Ausstellung „Luthers Norden“ in Greifswald, die Greifswalder Bachwoche und den Start des Nordkirchenschiffs in Stralsund.

Dank an Landespastor Martin Scriba

Die Synode verabschiedete den Landespastor für Diakonie in Mecklenburg-Vorpommern, Martin Scriba, nachdem er den Bericht des Landesverbandes der Diakonie vor dem Gremium gehalten hatte. Martin Scriba geht im Sommer in den Ruhestand. Präses Elke König sprach Martin Scriba im Namen der Synode Dank für seinen Dienst aus und wünschte ihm Gottes Segen. Martin Scriba habe der Sache der Diakonie in der öffentlichen Wahrnehmung in Mecklenburg-Vorpommern eine Stimme gegeben, so Elke König. „Martin Scriba ist es auf vielfältige Art gelungen, unserem gemeinsamen diakonischen Werk die Geltung zu verschaffen, die ihm als Werk der Kirche, als Anbieter sozialer Dienstleistungen und als einem der großen Arbeitgeber zukommt.“ Dabei sei das Evangelium stets Maßstab seines Handelns, so Präses Elke König.

Zentrales Thema Frieden

Am Sonnabend lautete das zentrale Thema: „Wenn du Frieden willst – bereite den Frieden vor – und fange bei mir an!“. Nach einem Input von Theologieprofessor Christfried Böttrich (Universität Greifswald) diskutierten die Synodalen die Thematik in Gruppenarbeiten. Weitere Impulse setzten Nora Nübel und Tatjana Volkmann („Die Scharfmacher Nationalismus und Populismus“), Markus Hammer („Frieden lernen für ein Leben ohne Gewalt“) und Professor Steffen Fleßa („Frieden durch gerechtes Wirtschaften“).
Quelle: PEK (sk/dav)


Beschluss zur Aufarbeitung der Geschichte der Pommerschen Evangelischen Kirche

Zu diesen drei Punkten fasste die Synode folgenden Beschluss:

1. Bekenntnis: Die Aufarbeitung unserer eigenen Kirchengeschichte knüpft an Erkenntnisse und Einsichten der bisherigen Geschichtsauseinandersetzung an. Insbesondere ist an das selbstkritische Bekenntnis der Synode der Pommerschen Evangelischen Kirche vom 18. Mai 1990 zu erinnern, dem wir uns anschließen:
„Die Landesynode bedauert, dass es in unserer Landeskirche vor der ‚Wende‘ zu viele Zugeständnisse gegenüber den Staats- und Parteifunktionären gegeben hat. Dadurch wurde manches Mal der schmale Weg zwischen Anpassung und gebotener Verweigerung verlassen in der Absicht, Freiräume für die Kirche und die Menschen unseres Landes zu bewahren. So haben wir Menschen, die unter dem System gelitten haben, im Stich gelassen und Schuld auf uns geladen. Wir danken den Mitarbeitern und Gemeindegliedern, die durch ihren Beistand für angefochtene und verängstigte Menschen unseres Landes Kirche glaubhaft sein ließen und menschliche und geistliche Werte in unserem Volk bewahrt haben.“
Wir tragen Sorge dafür, dass diese Entschließung neu in Erinnerung gebracht und künftig auf der Internetseite des Kirchenkreises und in anderen geeigneten Foren und Medien dauerhaft präsent gehalten wird.

2. Seelsorge: Wir sehen die Notwendigkeit, seelsorgerliche Begleitung für Menschen anzubieten, die bis heute unter den Lasten der DDR-Vergangenheit leiden zum Beispiel infolge politischer Haft, ideologischer Gängelung, persönlicher Bespitzelung, individueller Benachteiligung, beruflicher Behinderung. Wir sehen auch die Notwendigkeit, die seelsorgerliche Begleitung Menschen anzubieten, die verstrickt waren in die Einflussnahme staatlicher Stellen und ihrer Organe. Wo diese Erfahrungen selbst in Kirchenräumen gemacht wurden, ist die Seelsorge notwendigerweise um eine geschichtliche Aufarbeitung zu ergänzen.

3. Geschichte: Im Blick auf die Bruchstückhaftigkeit der eigenen Geschichtsdurchdringung erbitten wir von der Kirchenleitung der Nordkirche im Einvernehmen mit dem KKR (Kirchenkreisrat) und dem Präsidium der Synode des PEK, einer gemeinsamen Sachverständigengruppe den Auftrag zu erteilen, die Geschichte der Evangelischen Landeskirche Greifswald für den Zeitraum von ca. 1970 bis ca. 1990 in gebotener Ausführlichkeit zu erforschen und darzustellen. Der Kirchenkreis stellt Ressourcen dafür zur Verfügung und bittet die Landeskirche um finanzielle Unterstützung.


Beschlüsse der Landessynode von 1999 und 2000 (PDF/0,6MB)