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Einführung des Jahresberichtes des AKJ

auf der Herbstsynode der ELLM, in Plau, Sonnabend, 30 Oktober, 14.00 Uhr

 

 

Lieber Herr Präses!

Liebe Schwestern und Brüder!

Liebe Jugenddelegierte, Vertreter und Vertreterinnen des Landesjungendkonventes und liebe Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Kinder- und Jugendarbeit!

Sehr geehrte Damen und Herren!

 

 

Für diejenigen unter Ihnen, die mich noch nicht so gut kennen gestatten Sie mir zuvor ein paar persönliche Worte.

Ich heiße Roland von Engelhardt und bin Jahrgang 1963. Ich bin verheiratet und habe drei Kinder im Grundschulalter. Seit 11 Jahren bin ich Pastor unserer Landeskirche. Zuletzt war ich an der Stadtkirchengemeinde in Ludwigslust mit 50% als Gemeindepastor und zu 50% für regionale Jugendarbeit im Kirchenkreis Parchim tätig.

Aus dieser Tätigkeit heraus bin ich seit dem Sommers diesen Jahres ins AKJ nach Schwerin berufen worden.

 

Ich möchte an den Anfang meines Berichtes die Aufforderung Jesu stellen: „Lasst die Kinder zu mir kommen!“

„Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes“, sagt Jesus.

Was aber ist, wenn die Kinder nicht mehr kommen?

Was ist, wenn es immer weniger gibt, von denen wir sagen können: „Und sie brachten Kinder.“ Wie gehen wir mit dieser Enttäuschung um?

 

Das ist ja genau das, was wir erleben. Das Interesse der Menschen daran, Kinder zu uns in die Gemeinde, in die Kirche als dem Ort der Gottesbegegnung zu bringen, ermattet.

Das könnte daran liegen, dass das Interesse tatsächlich schwindet. Es gibt sie in nicht geringer Zahl, die Zeitgenossen, die die Nähe zu Jesus und seinen Jüngern nicht wollen.

 

Aber das ist nach meiner Beobachtung – wenn überhaupt – bestenfalls die Hälfte der Wahrheit.

- Denn ich entdecke an vielen Stellen, dass Menschen geradezu hungern nach der heilenden Kraft des Glaubens.

- Sie sehnen sich nach der bedingungslosen Annahme, die durch die Rechtfertigung allein aus Glauben geschenkt wird.

- Sie brauchen es, das Wort, das befreit, das sich aber keiner selbst sagen kann.

Immer wieder treffe ich auf Menschen, die, wie Jesus sagt „zerstreut und verschmachtet sind, wie Schafe, die keinen Hirten haben“. (Mt 9,36)

Dass Menschen trotzdem nicht zu uns in die Kirchen und Gemeindehäuser kommen, hat möglicherweise damit zu tun, dass wir ihnen die Gottesbegegnung erschweren, anstatt ermöglichen.

 

Aus meiner eigenen Erfahrung heraus und der Beobachtung, die ich bei anderen mache, wage ich die Frage, ob wir - wir selbst – möglicherweise solche Jünger sind, die die Leute anfahren und sie von Jesus fernhalten, anstatt die Kinder Gottes zu ihm kommen zu lassen.

 

Mit anderen Worten - und nun komme ich von der Frage zu meiner These: Ich bin überzeugt davon, dass wir außer über Strukturfragen, Finanzsorgen und gottesdienstliche Erneuerung darüber nachdenken müssen, wie wir zunächst „geistliche Menschen“ werden, solche, die aus dem Geist Gottes heraus leben und denen man es abspürt.

 

Neulich habe ich die Bemerkung gehört, dass wir selbstverständlich zu Beginn einer Sitzung eine Andacht halten. Aber behandeln wir die Fragen der Sitzung auch mit einer geistlichen Grundhaltung? Gehen wir brüderlich und schwesterlich im Sinne des neuen Testamentes mit einander um? Und können wir die Menschen, die so offensichtlich nichts von Kirche wissen wollen, überhaupt mit den Augen Gottes ansehen?

Wenn wir sie nämlich nur mit kirchlichen, d.h kircheninternen Augen sehen, werden wir – ohne es bewusst zu wollen – ihnen die Nähe Gottes vorenthalten. Dann geht es nämlich nur um uns und nicht um den Zuspruch Gottes.

 

Sie haben Recht, ich bin nicht hier, um eine Predigt zu halten.

Aber ich bin der Überzeugung, dass wir den Zuspruch und den Segen Gottes unserer Gesellschaft schuldig sind. Wenn wir es nicht einlösen, werden wir in die Bedeutungslosigkeit sinken.

Und ich wollte Ihnen sagen, was meine theologische Grundhaltung ist, mit der ich die mir übertragene Aufgabe angehen möchte.

 

Nun möchte ich allerdings auch etwas zu den Stärken sagen, über die wir verfügen.

Evangelische Kinder – und Jugendarbeit hat eine große Stärke darin jungen Menschen „auf Augenhöhe“ zu begegnen, sie in ihrer Lebenswirklichkeit mit ihren Fragen zu begleiten. Das entdecke ich in Christenlehre- und Konfirmandengruppen und stets dort, wo es besonders bei Rüsten, Konfirmandenwochenenden, Sommercamps und Familienfreizeiten gelingt, tatsächliche einige Tage miteinander zu leben.

Bei Gruppenleiterschulungen, wo Ehrenamtliche sehr viel von sich preisgeben, wo auch Seelsorge regelmäßig gefragt ist, da werden sehr intensive Begegnungen möglich.

Auch die Begegnungen am sog. dritten Ort mit Teilnehmern der TEO Veranstaltungen sind durchweg intensive Erfahrungen, sowohl für kirchliche Mitarbeiter als auch für Schüler und Lehrer. Wir sind richtig gut darin, Projekte zu machen.

 

 

Das Fördermodell „Kinder-Jugend-Kirche“ ist so ein Modell, das an dieser Prämisse ausgerichtet ist. Außer der Projektberatung und der finanziellen Unterstützung geht es hier gerade auch um regionale Zusammenarbeit und Team-Training.

Es geht eben nicht nur darum, eine Förderquelle für die finanzielle Belastung anzuzapfen und personelle Unterstützung für überlastete Mitarbeiter zu bekommen. Das ist beides nur in begrenztem Maß möglich. Aber darüber hinaus sich in regionaler Zusammenarbeit zu üben und die Rolle der Hauptamtlichen gegenüber den Ehrenamtlichen zu reflektieren, das sind entscheidende Motive für die evangelische Kinder- und Jugendarbeit.

 

Die schulkooperative Arbeit empfinde da ich nach wie vor mit guten Impulsen wegweisend. Ich weiß, ich laufe Gefahr, die Synode wiederholt mit TEO zu strapazieren oder zu langweilen. TEO ist nicht das Allheilmittel oder der Schlüssel zur Mission in die Gesellschaft hinein. Das ist es nicht und soll es nicht sein.

Vielmehr liegt seine große Stärke in der Vernetzung. Vernetzung ist ein Schlagwort, das ich in den letzten Wochen oft gehört habe. Und langsam begreife ich seine Bedeutung.

 

Wir kämpfen zu viel in Strukturen, die starke Einzelgänger erfordern uns aber überfordern. Und ich denke das gilt nicht nur für die Kinder- und Jugendarbeit. Stärken können viel besser zum Zug kommen, wenn Schwächen zugegeben und durch andere entlastet werden dürfen.

 

Für die schulkooperative Arbeit sind Vernetzung und Teamarbeit eine Grundvoraussetzung; sie könnte ohne diese Vorgaben nicht geschehen. Für mich ist es eine Notwendigkeit, die ich auch für andere Bereiche unserer kirchlichen Arbeit sehe. Deshalb möchte ich diesen bekannten Aspekt der schulkooperativen Arbeit auch an anderen Stellen einbringen. Sich um Kooperation zu bemühen kostet sehr viel Zeit und Kraft, aber es lohnt sich.

 

Auch bei TEO selbst schreitet die Vernetzung noch weiter voran. Neu in diesem Herbst ist, dass nunmehr auch die Besetzung der letzten noch offenen Stelle als TEO-Koordinator in Rostock besetzt werden wird. Damit stehen dann ab Dezember in allen vier staatlichen Schulämtern, in Schwerin, Rostock, Neubrandenburg und Greifswald Ansprechpartner für uns bereit.

Ferner haben wir stärker als bisher wahrgenommen, wie wichtig die Begleitung der Religionslehrer durch die Referenten für schulbezogenes Arbeiten in den Kirchenkreisen ist.

 

Zur guten Vernetzung hat auch das Verhältnis zu den Ministerien beigetragen. Die Zusammenarbeit mit Herrn Ulrich Hojczyk im Bildungsministerium möchte ich hier einmal erwähnen. Und nicht zuletzt auch Herrn Arnold Fuchs aus dem Umweltministerium nennen. Dass das TEO-Modul „Nach uns die Sintflut“ zur Agenda 21 entwickelt werden konnte, ist der Beziehung zu Ihm zu verdanken.

 

Ich möchte allerdings an dieser Stelle nicht nur freundliche Worte verlieren. Ich denke es ist auch ein passender Ort, die Schulkoordinatorin Mandy Schöniger aus Neubrandenburg und Ministerialrat Ulrich Hojczyk vom Kultusministerium mit einer Geste für die ausgezeichnete Zusammenarbeit zu danken.

 

Natürlich gibt es auch noch viele kirchl. MA, die mit Schulen kooperieren. Solche, die in schulbezogenen Arbeitsfeldern tätig sind, und solche, die aus der Gemeindearbeit heraus Kontakt zur Schule halten. Das soll hier nicht vergessen werden.

 

So habe ich jetzt viel über Schule gesprochen. Ich weiß Schule ist nicht der Missions-Ort, an dem wir unmittelbar Mitglieder und Nachwuchs gewinnen. Allerdings ist Schule ein entscheidender - wenn nicht der entscheidende - Lebensbezug junger Menschen und er wird es vermutlich noch stärker werden.

 

Wollen wir Kindern und Jugendlichen „auf Augenhöhe“ begegnen und sie im Leben begleiten, dann können wir Schule nicht ausblenden, sie ist eine gesellschaftliche Vorgabe. Schule ist ein entscheidender Ort, wo uns Menschen mit der Suche nach Sinn und Orientierung begegnen.

Daher müssen wir uns diesem Bereich öffnen und stellen. Und ich bin überzeugt, dass wir dann auch einen Gewinn in der Gemeindearbeit finden werden.

 

Er wird sich nicht in geschwind steigenden Mitgliederzahlen festmachen können; schon gar nicht kurzfristig.

In jedem Fall werden die Erfahrungen in diesem Arbeitsbereich – Kooperation und Vernetzung – Schlüsselerlebnisse sein – nicht nur für Schüler und Lehrer, sondern ebenso für kirchliche Mitarbeiter und Kirchgemeinden.

 

 

Ich danke Ihnen für ihre Aufmerksamkeit.

 

 

Roland von Engelhard

Landespastor für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

 

 


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