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Würdevoll und pflegeleicht

Einstige Familiengrabkapelle auf dem Friedhof von Kirch Stück bei Schwerin soll Urnenhaus werden

Würdevoll und pflegeleicht

Vorbild St. Jakobi Lübeck: Das dortige Kolumbarium ist ein schlichter Raum unter der „Pamir“-Kapelle. Pastor Lutz Jedeck zündet vor einer der Wände mit den Urnenkammern eine Kerze an.
25.02.2018 ǀ Kirch Stück.  Die Nachfrage nach pflegeleichten, aber würdevollen Gräbern steigt. Eine Möglichkeit ist da die Aufbewahrung der Urne in einer verschlossenen Urnenwand, einem Kolumbarium. Eine Dorfgemeinde nördlich von Schwerin will jetzt eine entwidmete Familiengrabkapelle dazu umbauen.

Was tun mit den Familien-Grabkapellen, die auf etlichen Friedhöfen auch in Mecklenburg-Vorpommern ihrem Verfall entgegendämmern, weil sich keine Erben mehr darum kümmern? Für den Erhalt um des puren Erhalts willen fehlt den Friedhofsbetreibern, zumeist Kirchengemeinden, oft nicht nur das Geld, sondern auch die rechtliche Grundlage – gehören diese Kapellen doch meist noch den Nachfahren der Erbauer. Noch öfter fehlt allerdings eine tragfähige Idee, wie diese Memoriale genutzt werden könnten. Denn nur dann ließe sich der finanzielle Aufwand für Erwerb und Erhalt solcher Familiengrabkapellen rechtfertigen – zumal wenn sie kultur- und kunsthistorisch nicht so bemerkenswert sind, dass Fördergelder für ihren Erhalt fließen würden.

Idee für Ungenutzte Grabkapelle

Auch auf dem Friedhof von Kirch Stück steht so eine Familiengrabkapelle. Der Domänenpächter Hinrich Ernst Evers hatte sie um 1900 errichten lassen. Doch nur er und seine Ehefrau Johanna wurden hier beigesetzt. In den Wirren des Jahres 1945 wurden die Särge aus der Kapelle entfernt und die sterblichen Überreste neben dem Gebäude vergraben. Seither wird die Kapelle nicht mehr genutzt.

Nachdem die Kirchengemeinde und ein Förderverein mit finanzieller Hilfe von außen viel Kraft, Zeit und Eigenmittel in die Sanierung und Nutzungserweiterung der romanischen Dorfkirche zu Kirch Stück gesteckt hatten, konnte und musste etwas mit diesem kleinen Bau neben der Kirche geschehen. Irgendwann wurde die Idee geboren, hier ein Kolumbarium, einen Aufbewahrungsort für Urnen, einzurichten.

Kolumbatien sind schon lange bekannt

Kolumbarien gab es bereits im antiken Rom. In Reihen und übereinander legte man kostengünstig Grabkammern für Urnen an. Wegen der äußerlichen Ähnlichkeit nannte man diese Grabstätten „Columbarium“, was ursprünglich „Taubenschlag“ bedeutete. Wegen des Glaubens an die leibliche Auferstehung war dann im christlichen Europa Leichenverbrennung und Urnenbestattung über Jahrhunderte hinweg verboten. Erst das rasante Wachstum der Städte und das um sich greifende Freidenkertum führte dazu, dass 1878 im thüringischen Gotha Deutschlands erstes Krematorium und 1893 dann auch das erste Kolumbarium eröffnet wurde. Historische Kolumbarien aus dieser Zeit finden sich auch auf dem Nordfriedhof Wiesbaden, dem Leipziger Südfriedhof und auf dem Berliner Zentralfriedhof Friedrichsfelde.

Kolumbarium auch in der Unikirche geplant

Auch in Kirchen gibt es solche Kolumbarien, wenn auch in Deutschland erst seit 2004, als das erste in der alt-katholischen Kirche in Krefeld eröffnet wurde. Ebenso wurden in St. Jakobi zu Lübeck und im katholischen Dom zu Hamburg in den vergangenen Jahren Kolumbarien eingerichtet. Auch die Rostocker Universität will in der Kirche zum Heiligen Kreuz, der Unikirche, solch ein Kolumbarium errichten als Ehrenbegräbnis für Mitarbeiter der Hochschule in besonderen Funktionen – gegen eine „namhafte Spende“.

Förderverein will Kapelle sanieren

Inzwischen ist die Kapelle auf dem Friedhof von Kirch Stück ins Eigentum der Kirchengemeinde Alt Meteln-Cramon-Groß Trebbow übergegangen und soll für fast 91.200 Euro saniert werden. Wie der Förderverein mitteilte, werde derzeit noch auf die Finanzierungszusagen unter anderem vom Land und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gewartet.

Das Konzept der Kirchengemeinde sieht vor, an Nord- und Südwand Urnenschränke einzubauen. An der Ostwand über dem vorhandenen gemauerten Altar soll ein schlichtes Kreuz hängen. Teelichter sowie ein Buch zum Niederschreiben von Gedanken auf einem Schreibpult sollen zur Andacht einladen – allerdings nur diejenigen, die, wie die Angehörigen, einen Schlüssel erhalten. Für alle anderen, so wird noch beraten, sollen transparente Elemente in der Eingangstür den Blick in den Raum möglich machen.
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 08/2018

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