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Glocken in Bützow werden eingeläutet

Ein Ton vom Himmel auf Erden

Von Marion Wulf-Nixdorf

Die Stiftskirche in Bützow hat wieder ein Vierergeläut. Die mittelalterliche Wächterglocke bekam drei Schwestern. Zusammen werden sie am 1. Adventssonntag das neue Kirchenjahr einläuten.
29.11.2020 ǀ Bützow.  Ganz Bützow war am Reformationstag auf den Beinen, um die drei neuen Glocken zu begrüßen. Am 1. Sonntag im Advent werden sie eingeläutet und erstmals mit der erhalten gebliebenen mittelalterlichen Wächterglocke läuten. Die neuen Glocken sind auch ein Zeichen der Dankbarkeit, dass die Stadt nach dem Tornado vor fünf Jahren in neuem Glanz erstrahlt.

Die Ankunft der drei neuen Bronzeglocken am Reformationstag in Bützow lockte die Bevölkerung an. Die Menschen standen beim Transport der geschmückten Glocken auf einem großen Lader, begleitet von Polizei und Feuerwehr, an den Fenstern, in den Haustüren, auf den Straßen. Welche Freude! Auf einem mitfahrenden Lkw: die strahlende Gemeindepastorin Johanna Levetzow, die die drei Schwestern vor der Kirche weihte.

Fünf Jahre lang, seit dem ersten Jahrestag des Tornados, der viele Häuser und auch die Stiftskirche stark beschädigt hatte, waren auf Initiative des Fördervereins der Stiftskirche Spenden für ein vollständiges Geläut gesammelt worden. Rund 110 000 Euro waren so zusammengekommen. 50 000 Euro gab das Land.

Nur eine mittelalterliche kleine, die sogenannte Wächterglocke, war nach den beiden Weltkriegen übrig geblieben. Eine Glocke musste bereits im Ersten Weltkrieg und zwei weitere im Zweiten zu Kriegszwecken abgegeben werden. Zwei Glocken wurden 1955 ersetzt, eine aus Bronze, die zweite, wie damals üblich, aus Eisenhartguss. Die Bronzeglocke wird nun im Kirchturm im benachbarten Boitin läuten. Sie passt im Ton nicht zu den anderen. Die Eisenhartglocke kann nicht mehr verwendet werden.

Zum Glockenguss hatten sich 19 Gemeinde- und Förderkreismitglieder am 11. September nach Neunkirchen zur Firma Bachert aufgemacht, wo traditionell Glocken nur freitags nach einer Andacht zur Todesstunde Jesu gegossen werden.

Vor der Stiftskirche waren die insgesamt rund viereinhalb Tonnen schweren Glocken am Reformationstag abgeladen worden – ein nicht ganz einfaches Unterfangen. Ein 70-Tonnen-Kran musste für den exakten Abladeverlauf sorgen. Immerhin bringt die kleinste, die zarte Elisabethglocke, 360 Kilogramm, die mittlere, die Wortglocke, 1,5 Tonnen und die große, die Friedensglocke, 2,5 Tonnen auf die Waage.

Vor der Kirche weihte Pastorin Johanna Levetzow die drei „Königinnen“, und jeder konnte die Glockenzier, gestaltet von dem Rostocker Bildhauer Wolfgang Friedrich und seiner Frau Jutta, aus der Nähe betrachten.

In der Woche darauf wurden die drei Glocken samt ihrer Eichenjoche von der Firma Udo Griwahn aus Grimmen an ihren Platz in den Turm gebracht, „um das Irdische mit dem Himmlischen zu verbinden“, wie Pastorin Levetzow sagte. Dafür musste das Mauerwerk des Turms geöffnet werden. Mehr als 100 Menschen sahen vom Kirchplatz aus zu.

An ihrem Platz im Turm soll der Klang der vier Glocken nun viele Hundert Jahre die Menschen begleiten, zum Gebet und zur Andacht rufen. Sie werden bei jedem Vaterunser läuten, sie sollen den Alltag unterbrechen und zum Innehalten einladen, Trauernde trösten, „einen Ton vom Himmel auf Erden“ bringen. Es wird mittags und abends geläutet, der Stundenschlag wird in der Nacht zu hören sein.
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 48/2020

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