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Der Kirchentag Vorpommern fällt zwar aus, doch manch gute Erfahrung bleibt

Ein Schub für die Ökumene

Von Sybille Marx

Die Tore auf dem Pasewalker Marktplatz.
19.04.2020 ǀ Pasewalk.  Über zwei Jahre liefen die Vorbereitungen, inzwischen ist klar: Der vierte Ökumenische Kirchentag in Vorpommern wird nicht stattfinden. Pasewalk wäre erstmals Gastgeber gewesen, ein deutschpolnisches Kirchenspektakel sollte es werden. Was bleibt nun außer Enttäuschung?

Vier Tore stehen auf dem Marktplatz von Pasewalk. Tore, mit denen so schöne Aktionen geplant waren, seufzt Ökumenepastor Matthias Tuve. Tore, die perfekt zum Motto passten. „Vor dir eine Tür“ sollte er heißen, der vierte Ökumenische Kirchentag Vorpommern am 6. Juni. Zum ersten Mal sollte er nicht in Stralsund oder Greifswald gefeiert werden, sondern in der 10 000-Einwohner-Stadt Pasewalk. „Wir wollten ganz bewusst in den dünn besiedelten Süden des Kirchenkreises gehen“, sagt Tuve.

Und nun das: Wegen der Corona-Kontaktsperren wird das Glaubensfest nicht stattfinden – jedenfalls nicht in diesem Jahr, nicht mehr zu Tuves Amtszeit. „Das ist schon bitter“, sagt der 63-Jährige. Nicht nur für ihn: Ein wachsendes, am Ende über 20-köpfiges Team hatte seit Januar 2018 Ideen für diese Großveranstaltung entwickelt; Plätze und Räume begutachtet, Mitstreiter mobilisiert, Prominente angefragt, Gäste aus dem Ausland eingeladen, Flyer mit dem Programm gedruckt. Ende März beschloss die Gruppe dann einstimmig: Es geht nicht.

„Wir sind sehr traurig, es steckt so viel Herzblut drin“, sagt der Pasewalker Pastor Johannes Grashof, der mit seiner Frau Jutta zum Vorbereitungsteam gehörte. Das Pastorenehepaar hatte vor gut vier Jahren die Pfarrstellen in Pasewalk mit 1400 Gliedern übernommen. Pasewalk sei lebendig, sagt Grashof. „Aber die erste Geige in Vorpommern spielen natürlich immer Greifswald und Stralsund.“ Mal für einen Tag selbst die erste Geige zu spielen und Gastgeber für Tausende Christen zu sein, „darauf hatten wir uns sehr gefreut“, sagt er. „Es gibt auch in unserer Region viele engagierte Menschen, die gern was von sich gezeigt hätten.“

Die ersten Ökumenischen Kirchentage Vorpommern hatten in Greifswald, Stralsund und wieder in Greifswald stattgefunden, im Abstand von drei Jahren, jedes Mal mit internationalen Gästen, Teilnehmerzahlen um die 2000 und großer Resonanz. Pasewalks Randlage hätte diesen vierten Kirchentag auf besondere Weise geprägt: Nur 20 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt liegt die Stadt. „Viele Menschen mit polnischen Wurzeln leben hier“, sagt Pastor Grashof.

Ein Café am Markt werde von Polen betrieben, mit der Partnerstadt Police gebe es engen Kontakt, polnische Katholiken verjüngen die katholische Gemeinde vor Ort. Nicht nur Deutsch, auch Polnisch sollte daher bei den zentralen Veranstaltungen gesprochen werden. Die polnische Kultband „Arka Noego“ („Arche Noah“) sollte auftreten: „Damit hätten wir viele Polen angelockt und den Markt voll bekommen“, glaubt Grashof.

Ein Garant für große Besucherzahlen hätte auf deutscher Seite auch Margot Käßmann werden können. 16 Kirchenvertreter aus Tansania, Südafrika, den USA,

Schweden und Polen waren als Gäste eingeladen. Pommersche Vertreter der Diakonie, der Caritas, von Vereinen und Gemeinden unterschiedlicher Konfessionen wollten mit Infoständen und Aktionen den Markt der Möglichkeiten gestalten. Alles in allem sollten bis zu 3000 Menschen in Pasewalk feiern, so Johannes Grashof. Trotz der Absage will sich die Vorbereitungsgruppe nun weiter treffen. „Mich tröstet die Aussicht, dass dieser Kirchentag vielleicht 2022 nachgeholt wird“, sagt Grashof. Und auch wenn viel Arbeit nun vergebens war – manches bleibt, sagt Pastor Tuve. Ein Vertreter der neuapostolischen Gemeinde saß zum Beispiel mit im Vorbereitungsteam. „Er war zwar eher still“, sagt Matthias Tuve, „aber er hat alles mitgetragen, begeistert Plakate verteilt und es sehr bedauert, dass der Kirchentag nun nicht stattfinden kann.“

In elf Sitzungen hatten sich Protestanten und Katholiken, Baptisten, Pfingstler und eben Neuapostolen ausgetauscht. „Es sind neue Kontakte entstanden und bestehende wurden vertieft“, sagt Grashof. Mit den Katholiken etwa feiere man immer zusammen Pfingsten und den Reformationstag. „Aber mit der neuapostolischen Gemeinde hatten wir vorher keinen Kontakt.“ Ein Gefühl von Zusammengehörigkeit sei nun gewachsen. „Konfessionelle Abgrenzung ist in der heutigen Zeit auch überholt“, meint er. Die Aufgabe der Christen weltweit bestehe vielmehr darin, wieder zusammenzuwachsen. „Die Kirchentagsvorbereitung hat der Ökumene vor Ort einen richtigen Schub gegeben.“
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 16/2020

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