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Spendenaktion Brot für Welt: "Wasser für Alle!"

Gegen die Spirale aus Schneller-Höher-Weiter

Von Christine Senkbeil

Wasser für alle! ist auch Wochenthema in der Kita Arche, deren Kinder das Spendenschiff zum Gottesdienst bringen.
03.12.2018 ǀ Stralsund.  Mit der ersten Kerze, die angezündet wird, nimmt die größte Spendenaktion Fahrt auf, die die evangelische Kirche in Deutschland veranstaltet. Für MV wird sie in Stralsund eröffnet. „Wasser für Alle!“ fordert darin die Entwicklungshilfeorganisation Brot für die Welt. Der Gottesdienst in St. Marien will, dass auch manchem Besuchern ein Licht aufgeht – nämlich darüber, was „virtuelles“ Wasser ist und was wir selbst mit der Wasserknappheit in der Welt zu tun haben.

Zufrieden döst ein Fischer in der Sonne, als ein Tourist ihn fotografiert und erklärt, wie er mit besserem Management effektiver arbeiten könnte. „Dann hätten sie von allem viel mehr und könnten sich zurücklehnen und die Sonne genießen!“, schließt der ungebetene Berater. „Das kann ich auch so!“, sagt der Fischer. Er hält wohl nichts von dieser Höher-Schneller-Weiter-Mehr-Strategie.

Darsteller der Diakonie-Theatergruppe „Die Eckigen“ setzen diese „Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral“ von Heinrich Böll in einer szenischen Lesung um. Am Sonntag ist ihr Auftritt: beim Eröffnungs-Gottesdienstes der diesjährigen Sammlung von Brot für die Welt für MV – der Entwicklungshilfeorganisation der evangelischen Kirchen Deutschlands. Der nämlich findet am 3. Dezember um 10 Uhr in der Stralsunder Marienkirche statt.

"Wasser für Alle!“

„Wasser für Alle!“ ist dabei das Motto. „Der Gottesdienst wird einen kritischen Blick auf unseren Umgang mit diesem lebenswichtigen Element lenken“, erläutert Johanna Stackelberg vom Diakonischen Werk MV. Sie arbeitete als Regionalreferentin für entwicklungspolitische Bildung und ökumenische Diakonie eng mit den Kirchengemeinden St. Marien und Heilgeist zusammen, die diesen Gottesdienst vorbereiteten.

Die Betrachtung erfolgt aus verschiedenen Perspektiven, praktisch von klein zu groß. Die Jüngsten bringen ihr selbst gebasteltes Brot-für-die-Welt-Schiff in die Kirche, das ein Jahr als Spendenbox dienen soll. Schon seit einer Woche beschäftigen sie sich gemeinsam mit Gemeindepädagogin Andrea Lehnert intensiver mit dem Thema Wasser. Sie besingen den Kreislauf, sprechen über den Wert dieser Gottesgabe und erfahren, dass es woanders viele Menschen gibt, die nicht einmal sauberes Trinkwasser haben, schon gar keines zum Duschen.

„Wir sind es ja gewohnt, dass wir nur den Wasserhahn aufdrehen müssen“, so Johanna Stackelberg. Anders die Bauern in Tansania. Ihnen fehlt Wasser zum Felder gießen. Konzerne entnehmen es für Rosen, die wir später mit ‚Bio-Label‘ darauf einkaufen. „Wir haben eben doch sehr direkt etwas damit zu tun, wenn in Afrika das Wasser knapp ist.“

Diakoniepastor Philipps eröffnet 59. Sammlung

Der neue Landespastor für Diakonie in MV, Paul Philipps, wird in seiner Predigt auf diesen Aspekt der Unsichtbarkeit des Wasserverbrauchs eingehen. Noch zu Wenige machten sich beim Kauf eines Kaffeepäckchens klar, wieviel Wasser dessen Produktion gekostet hat, sagt er. Genau dies ist nämlich das „virtuelle Wasser“, das dann den Menschen vor Ort fehlt. „Etwa ein Fünftel des weltweit in der Landwirtschaft eingesetzten Wassers wird in ‚virtueller‘ Form ins Ausland exportiert“, erklärt Philipps.

Der Beitrag der Eckigen macht durch die Argumentation des Touristen klar, wohin die Spirale der Schneller-Höher-Mehr-Strategie führt, mit der unsere Wirtschaft agiert – und die nur uns Europäern zugutekommt. Dabei könnten wir, wie der Fischer, ja eigentlich mit sehr viel weniger zufrieden sein. Fast 850 Millionen Menschen weltweit haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Jeder Dritte lebt ohne sanitäre Einrichtungen. Die Wasserknappheit trifft vor allem Afrika, Asien und Lateinamerika.

Paul Philipps wird gemeinsam mit Dr. Klaus Seitz, Leiter der Abteilung Politik von Brot für die Welt, die 59. Sammlung von Brot für die Welt eröffnen. Ein ganzes Jahr lang wird es in St. Marien dann um die Wasser-Projekte gehen, mit denen die Organisation gegen Land- und Wasserraub durch internationale Konzerne ankämpft. Projektbilder werden in der Kirche ausgestellt, auch Vorträge wird es geben. Die Kollekte dieses Gottesdienstes fließt diesen Projekten zu.
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 48/2017

In MV wurden 2015/2016 für Brot für die Welt 959.404,01 Euro gespendet, davon 823.967,12 Euro bei Kollekten in Gottesdiensten.

Spendenkonto: IBAN DE10100610060500500500, BIC: GENODED1KDB; Bank für Kirche und Diakonie; Stichwort: BROT–MV hilft.

Online spenden und weitere Infos unter: www.brot-fuer-die-welt.de