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Wechselvolle Geschichte

Ein Haus im Glück: Das Pfarrhaus Damm wird 50

Von Christian Meyer

Gerhard Thoms, Mathias Thoms, Elvira Weber und Michael Güldner
17.04.2017 ǀ Parchim.  Ob Tagungen, Seminare, Freizeiten und Rüstzeiten jeder Altersstufe, Konvente, Weiterbildungen oder Klassenfahrten — das Pfarrhaus Damm mitten in der Lewitz ist seit fünf Jahrzehnten ein Ort der zig Möglichkeiten und schöner Erinnerungen. Grund genug am 19. April dankbar zurückzuschauen und den Blick in die Zukunft zu richten. Vor dem Jubiläumstreffen trafen wir uns in der Jugendbildungs- und Begegnungsstätte des Kirchenkreises Mecklenburg mit vier Hausleiter-Generationen.

Schon vor dem Eingang begrüßt Michael Güldner, der seit Ende 2015 die Fäden in Damm in den Händen hält, Gerhard Thoms, Elvira Weber und Mathias Thoms. Und sofort ist die Runde mitten drin: in Dammer Erinnerungen, Anekdoten, früheren und neuen Bauprojekten… Die wechselvolle Geschichte des Pfarrhauses Damm, das bis heute so heißt, obgleich der Backsteinbau schon lange keine Pastorenfamilie mehr beherbergt, beginnt im Jahr 1966. „Die mecklenburgische Landeskirche suchte damals für die Jugendarbeit einen festen Ort“, erinnert sich der erste Hausleiter Gerhard Thoms. In Anbetracht der politischen Situation sei bewusst der kleine Ort gewählt worden. „Man wollte so lange wie möglich unauffällig bleiben.“ Denn den DDR-Oberen war kirchliche Jugendarbeit ein Dorn im Auge.

Der Diakon war es auch, der notwendige Renovierungs- und Neubauten – wie das Weiße Haus, den Swimmingpool oder das Heimleiterhaus – umsetzte, Finanzquellen in Ost und West auftat und der Mangelwirtschaft so manches Schnippchen schlug. Waren es anfangs Tagungen wie die Dammer Konferenz, die legendäre Zusammenkunft von Jugendmitarbeitenden, kamen ab 1968 die ersten jungen Christen zu Rüstzeiten. Nur drei Jahre später verlangen die staatlichen Organe plötzlich, dass „wir uns geplante Rüstzeiten vorab genehmigen lassen“, berichtet Gerhard Thoms, der mit seiner Familie insgesamt 23 Jahre in Damm arbeitete und lebte.

Soweit kam es zum Glück nicht, aber die Situation eskalierte, weilder Staat das Heim für einige Monate schloss. „Wir starteten dann zunächst wieder mit Erwachsenen als Gäste“, so Gerhard Thoms, bevor ab Sommer 1972 wieder Jugendliche das weite Areal am Ufer der Elde in Beschlag nahmen. Diese Atmosphäre war wie ein Lebenselixier für Familie Thoms. „Damm hat mein, unser Leben geprägt. Es war die wichtigste Zeit in meinem kirchlichen Dienst“, sagt der heute 81 Jährige. Auch wenn es vor allem anfangs knochenharte Arbeit gewesen sei. „Die unterschiedlichen Gruppen und Begegnungen haben dafür entschädigt und unser Leben bereichert.“

Auch für Elvira Weber, die von 1999 bis 2015 mit einer halben Stelle das Haus samt engagiertem Team führte, ist Damm ein Ort der zig guten Möglichkeiten. So laden Streuobstwiese und Swimmingpool ein. Per Pedes, per Rad oder im Kanu lässt sich Natur pur erleben. „Dies schätzen die Gäste und ebenso, dass seit mehr als seit zehn Jahren der Duft von fair gehandeltem Kaffee durchs frühere Pfarrhaus zieht. „Wir haben damals angefangen bewusst auf Bio-Produkte zu setzen und Gemüse aus der Region zu verarbeiten“, blickt die 56-Jährige zurück. Die Wünsche der Gäste stehen in Damm aber nicht nur in punkto Verpflegung ganz oben.

„Unter dem Motto ,Einfach Schöpfung erleben‘ begannen wir geführte Touren und Kurse anzubieten“, erinnert sich Elvira Weber, die zugleich eigentlich immer auch baute. „Als ich anfing war der Neubau auf dem Pfarrhof rohbaufertig und ein Zeichen für den Fortbestand des Hauses.“ Mit dem fertigen Ausbau gab es dann Übernachtungsmöglichkeiten für insgesamt 60 Personen in Ein-, Zwei- und Mehrbettzimmern. Sogar ein behindertenfreundliches Zimmer samt Bad zählen dazu. Mobile Gäste wie Rad-, Wander-, oder Kanugruppen finden einen Rastplatz und einen eigenen Sanitärbereich vor. Weber: „Wer einmal hier war, kommt einfach gern wieder.“ Das gilt auch für sie selbst, denn „mit Damm verbinde ich eine tolle Zeit und etliche interessante Begegnungen“. Nicht zu vergessen sei der stete „Nachtigall-Gesang am Arbeitsplatz – wer hat das schon.“

Die Stammgäste im Haus kommen „sowohl aus dem kirchlichen wie dem nichtkirchlichen Bereich kommen. Tagungen finden in Damm genauso statt, wie Seminare, Bläser- oder Familienfreizeiten“, berichtet Mathias Thoms. Sehr gefragt sei Damm ebenso als Adresse für Klassenfahrten, insbesondere in der Region Parchim. Der 55-Jährige hat seit Jahresbeginn neben dem Haus der Kirche in Güstrow auch das Pfarrhaus Damm unter seinem Geschäftsführer-Hut. Zuvor hatte er 2015 für fast ein Jahr kommissarisch die Hausleitung in Damm übernommen. „Ich kehrte an die Wurzeln meiner Kindheit und meines beruflichen Werdegangs zum Diakon zurück“, sagt Mathias Thoms und blickt zu seinem Vater Gerhard rüber.

Für Michael Güldner, der sich aufgrund der Thoms-Geschäftsführung für beide mecklenburgischen Kirchenkreis-Häuser, voll und ganz auf die inhaltliche Leitung konzentrieren kann, ist das traditionsreiche Pfarrhaus bereits zu einem Zuhause für seine gesamte Familie geworden. Kein Wunder, denn der ausgebildete Erlebnispädagoge kennt die Jugendbildungs- und Begegnungsstätte seit 2003 und war dann oft mit FSJ-Seminaren in Damm. „So gesehen kenne ich die Gästeperspektive“, sagt der 37-Jährige. Mit diesem Blick sei er gerade dabei, das Haus „auf Stand zu bringen“, wie er sagt und zählt auf: Neue Beleuchtung im Tagungssaal, flächendeckendes Internet und schrittweise Erneuerung des Inventars.

Irgendwie hatte das Pfarrhaus Damm in den vergangenen fünf Jahrzehnten oft Glück. Engagierte Leiter taten, was dran und möglich war, brachten neue Ideen ein und die Dammer-Fangemeinde hielt die Treue und regte sich, wenn es Diskussionen zur Zukunft gab. So wie Mitte der 1990er-Jahre, als das Haus kirchenpolitisch wackelte. Da wurden flugs T-Shirts gedruckt und Banner geschrieben mit der Aufschrift: DammWILD – wild auf Damm. Das bewog die Synodalen, sich zu Damm zu bekennen, so wie dies später der Kirchenkreis Mecklenburg tat und das Haus in seine Trägerschaft übernahm.

So wird in diesen Tagen auf dem Gelände wieder das Volleyballnetz gespannt. Und Kanus warten darauf, von kleinen und großen Abenteurern ins Wasser gesetzt zu werden. Gut 5000 Übernachtungen kann das Pfarrhaus Damm alljährlich verbuchen, und immer öfter kommen auch Familien, die erholsame Tage verleben. Wie sagte Elvira Weber: „Wer einmal hier war, kommt einfach gern wieder."
Quelle: ELKM (cme)