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DDR-Sport

Drescher fordert Beraterstelle für Zwangsdopingopfer

04.02.2018 ǀ Schwerin.  Die Landesbeauftragte Mecklenburg-Vorpommerns für die Stasi-Unterlagen, Anne Drescher, fordert mehr Hilfe für die Opfer des Zwangsdopings im DDR-Leistungssport. In ihrer Behörde müsse mindestens eine auf zwei Jahre befristete Stelle eingerichtet werden, um diese Opfer beraten und unterstützen zu können, sagte Drescher am Freitag in Schwerin.

60 Betroffene warteten derzeit auf eine Beratung, weil diese Arbeit in ihrer Behörde derzeit nebenher erledigt werden müsse, so Drescher. Eine spezielle Beraterstelle für Zwangsdopingopfer wäre deutschlandweit einmalig. Sie sei aber eine logische Konsequenz aus dem Leid, den Unrechtserfahrungen und den schweren Schädigungen der einstigen Athleten.

Nach Angaben von Drescher sollen zwischen 1974 und 1989 in der DDR schätzungsweise 15.000 Athleten systematisch gedopt worden sein. Sie geht davon aus, dass es im Bereich von MV etwa 1.000 geschädigte Athleten gibt. Über 220 betroffene Sportler aus dem Nordosten hätten sich beim Verein Doping-Opfer-Hilfe (Berlin) gemeldet. Diese benötigten in MV Begleitung und Unterstützung.

Betroffene können noch bis Ende 2018 einen Antrag auf eine einmalige Entschädigung in Höhe von 10.500 Euro aus Bundesmitteln stellen. Allerdings müssen sie selbst den Nachweis einer Schädigung erbringen. Dies erfordere einen großen Rechercheaufwand, sagte Drescher. Auch sei es schwierig, ärztliche Gutachter zu finden. Drescher sprach sich dafür aus, die Antragsfrist zu verlängern.

In dem Buch "Staatsdoping in der DDR", das die Landesbeauftragte 2017 herausgegeben hat, sind auch Medikamente abgebildet, die den Sportlern verabreicht worden sein sollen. Die Ärztekammer MV will den Ärzten im Land diese Publikation in einer nächsten Auflage zukommen lassen. Außerdem soll in diesem Jahr in MV eine Selbsthilfegruppe für betroffene Sportler eingerichtet werden, informierte Drescher. Wünschenswert seien auch Fachveranstaltungen und Weiterbildungen zum Thema für Ärzte und Therapeuten.

Insgesamt haben sich im vergangenen Jahr 1.059 Menschen an die Landesbeauftragte gewandt und damit 53 mehr als im Jahr 2016. Von den 1.059 Männern und Frauen suchten 453 Rat und Unterstützung bei Rehabilitierungsverfahren und zur Schicksalsklärung. Diese weiterhin hohen Antragszahlen unterstreichen Drescher zufolge die Notwendigkeit, die Antragsfristen der Rehabilitierungsgesetze für politische Verfolgte aufzuheben. Bislang ist vorgesehen, dass die Antragsfristen Ende 2019 auslaufen.

In diesem Jahr plant die Landesbeauftragte unter anderem Ausstellungen und eine Gedenkveranstaltung zum Erinnern an den Volksaufstand in der DDR vom 17. Juni 1953. Außerdem soll es eine erste Veröffentlichung zu den Behinderten- und Psychiatrieheimen in der DDR geben.
Quelle: epd

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