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Konzept auf dem Prüfstand

Diskussion über "gerechten Frieden" in Stralsund

09.11.2014 ǀ Stralsund/Parow.  "Frieden schaffen mit mehr Waffen?" ist das Thema einer Veranstaltung am Montag (10. November, 14.30 -18 Uhr) in der Marinetechnikschule in Parow bei Stralsund. 25 Jahre friedliche Revolution und 50 Jahre Bausoldaten seien besondere Daten, die den Anlass geben, gemeinsam über das Thema ins Gespräch zu kommen und Perspektiven eines gerechten Friedens zu bedenken. 

„Manchmal ist es erforderlich, zu den Waffen zu greifen.“ So äußerte sich kürzlich Bundespräsident Joachim Gauck. Er wünscht sich eine aktivere Rolle Deutschlands in der Welt. Ist der Einsatz von Waffen im Kampf für Menschenrechte gerechtfertigt? In Bereich der Nordkirche gibt es zu diesem Thema ganz unterschiedliche biographische Bezüge aus der Ost- und Westtradition. Vor allem Männer haben als Bausoldaten, Totalverweigerer, Zivildienstleistende, Wehrpflichtige oder Zeitsoldaten unterschiedliche Erfahrungen gemacht.

Goldener Spaten signalisierte Gewaltlosigkeit

In der ehemaligen DDR konnten Männer ab 1964 als Bausoldaten dienen. Dieser Dienst war damals die einzige legale Möglichkeit der Waffendienstverweigerung in der DDR. Die Mehrzahl der Bausoldaten sah sich selbst als Mahner für Friedensdienst und demokratische Entwicklung. Der goldene Spaten auf dem Schulterstück war ein deutliches Zeichen, das signalisierte: Keine Gewalt! Die geistige Vorarbeit der Bausoldaten war für die spätere oppositionelle Bürgerbewegung sowie die friedliche Revolution 1989 von herausragender Bedeutung.

Zwei besondere Jubiläen

25 Jahre friedliche Revolution und 50 Jahre Bausoldaten sind zwei besondere Daten, die den Anlass geben, gemeinsam über das Thema ins Gespräch zu kommen und Perspektiven eines gerechten Friedens zu bedenken. Dazu lädt eine Veranstaltung am kommenden Montag, 10. November, von 14.30 bis 18 Uhr in der Marinetechnikschule in Parow bei Stralsund ein zum Thema: „Frieden schaffen mit mehr Waffen? – Das Konzept des gerechten Friedens auf dem Prüfstand“. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Zentrum für Mission und Ökumene, dem Referat für Friedensbildung der Nordkirche, dem Prora-Zentrum e.V. und der Evangelischen Militärseelsorge Parow statt.

Wegbereiter der friedlichen Revolution

Aus der Perspektive der Bundeswehr wird General Christof Munzlinger vom Landeskommando Mecklenburg-Vorpommern sprechen und folgende Fragen thematisieren: Was ist die Rolle von Soldaten heute? Welche Relevanz hat das Konzept des „gerechten Friedens“ für die Auslandseinsätze? Friedrich Kramer von der Evangelischen Akademie in Wittenberg hält eine Bibelarbeit zum Thema „Schwerter zu Spaten – der Beitrag der Bausoldaten zur friedlichen Revolution und zur friedensethischen Diskussion heute“. Im Anschluss sind alle Teilnehmenden um 19 Uhr zum Friedensgebet in die St. Marienkirche in Stralsund eingeladen.

Ausstellungseröffnung in der Kapelle Parow

Im Bezug zu der Veranstaltung am kommenden Montag steht die Eröffnung der Ausstellung „Opposition und Widerstand - Bausoldaten in Prora 1964-1989/90“ in der Kapelle Parow. Diese Ausstellung, die vom 10. bis 24. November in Parow zu sehen sein wird, ist die erste von insgesamt drei geplanten Ausstellungsteilen des PRORA-ZENTRUMs zur Militärgeschichte Proras in der DDR-Zeit und wurde von der Bundesstiftung Aufarbeitung sowie der Landesbeauftragten für Stasiunterlagen MV gefördert. Schirmherr dieses Ausstellungsteils ist der Theologe und Menschenrechtler Heiko Lietz.

Veranstaltungsreihe „Horizonte der Gerechtigkeit“

Die Veranstaltung am 10. November findet im Rahmen der Ökumenischen Friedensdekade statt und ist zugleich die Auftaktveranstaltung einer auf drei Jahre angelegten Veranstaltungsreihe „Horizonte der Gerechtigkeit“, in der die externe Expertise verschiedener Berufsgruppen helfen soll, den biblisch-theologischen Zentralbegriff der Gerechtigkeit zu erschließen, Denkprozesse anzustoßen und konkrete Handlungsperspektiven zu eröffnen.
Quelle: PEK

Weitere Informationen unter: www.oemf-nordkirche.de/friedensbildung