Dokumentation der Diskussion zum künftigen Weg der Pommerschen Kirche (2)

Züssow (ran). Nachfolgend Teil zwei der Dokumentation der Generalaussprache am 17. März 2007 zum künftigen Weg der Pommerschen Evangelischen Kirche auf der Landessynode der Pommerschen Evangelischen Kirche am 16. und 17. März 2007 in Züssow:
Der Greifswalder Theologieprofessor Martin Onnasch mahnte, daß die Verschiebung der Entscheidung auf die Herbstsynode „keine vergleichbaren Ergebnisse“ bringen würde. „Eigentlich sind wir viel weiter in den Gesprächen mit Mecklenburg. Wir haben die schwierigen Erfahrungen hinter uns, das Stadium der produktiven Verzweiflung. ... Die Gesichtspunkte, die bei einer Fusion erreichbar sind, sind formuliert Soweit kommen wir im Herbst nicht.“ Onnasch kritisierte die Vorlage der Kirchenleitung, wie darin mit der Entscheidung zum Rahmenvertrag umgegangen wird: „Es gab bisher keinen einzigen Aspekt, der auch nur den Versuch machte, den Vertrag zur Abstimmung zu stellen in der Sorge, eine 2/3 Mehrheit kommt nicht zustande. Daher werde die mühevolle und schmerzvolle Arbeit als unnütz qualifiziert.“ Onnasch schlug daher vor, die Fusionsgespräche mit Mecklenburg weiterzuführen im Horizont der Möglichkeiten einer Nordkirche.“
Der Gützkower Pfarrer Hans-Joachim Jeromin betrachtete den Gang zur Nordkirche mit großer Sorge und dies sei „ein Gang in die falsche Richtung.“ So stehe das gemeinsame Predigerseminar in Ludwigslust, das als Erfolg deklariert werde, "auf den Trümmern guter Erfahrungen in den Predigerseminaren der Evangelischen Kirche der Union." Auch wies er darauf hin, daß es nicht richtig sei, im Blick auf die Ausbildung junger Pfarrer in den drei Nordkirchen nur von Erfolg zu reden, denn der Prüfbericht sage, daß das Pastoralkolleg Brandenburg bei Kursen gezielt auf die Situation in den ostdeutschen Kirchen eingehen könne, das sei in Ratzeburg nur eingeschränkt möglich.
Jeromin forderte angesichts „der belastbaren Materialien im Prüfbericht“ die Verhandlungen mit der EKBO sofort aufzunehmen. Man habe die gleichen kirchenrechtlichen Bedingungen, die EKBO habe eine zukunftsfähige Größe und die Herausforderungen dort seien die gleichen wie in Pommern. In dieser Kirche beschreibe „Volkskirche nicht den Ist-Zustand sondern den missionarischen Anspruch.“ Und auf diesem Hintergrund fragte er: „In welcher Kirche lassen sich Mehrheiten für Projekte finden, die unseren Gegebenheiten angemessen sind. Wenn ein weiterer Prüfauftrag erteilt würde, dann sollte man das Kürzel PEK doch verwenden für: „Prüfende Evangelische Kirche,“ sagte Jeromin zur Erheiterung der Synodalen.
Der Synodale und frühere Bildungsminister Prof. Dr. Dr. Hans-Robert Metelmann nahm zum Staatsvertrag Stellung und betonte, daß die Staatsleistungen „Anspruchsleistungen“ seien und keine Fördermittel. Die Staatsleistungen seien aus früheren Landenteignungen entstanden. Die Landesregierung würde einen Beitritt zur EKBO „nicht gelassen betrachten.“ Sie würde sich „in Uneinigkeit mit dieser Kirche in einem wichtigen Ziel der Entwicklung des Landes Mecklenburg-Vorpommern“ sehen und er fügte hinzu: „Die Haushaltslage reizt immer zu Neuüberlegungen.“ Man gerate leicht in einen Zustand, wo um eine Reduktion von Staatsleistungen gerungen wird und er richtete einen warnenden Blick auf die Berliner Lage: „Wir müssen sehen, wie die EKBO mit dem Berliner Senat erfolglos versucht hat, die Staatsleistungen hochzuhalten.“
Der Synodale und frühere Oberkonsistorialrat Hans-Martin Moderow beantragte, in der Beschlußvorlage den Begriff „Auflösung der PEK“ durch „Ende der eigenständigen Existenz der PEK“ zu ersetzen, was von der Kirchenleitung aufgenommen wurde.
Moderow plädierte für einen Anschluß an die EKBO. Mit einem Sprengel Pommern bleibe Vorpommern als eigenständige Einheit auch im Bundesland erkennbar und den vier Kirchenkreisen stehe es frei, diese pommersche Identität zu gestalten: „Das ist ein herrliches Stück Freiheit, das wir an dieser Stelle gewinnen.
Als der Rahmenvertrag mit Mecklenburg aufgerufen wurde, schlug Bischof Hans-Jürgen Abromeit vor, jetzt nicht förmlich abzustimmen, denn es habe keinen Sinn in ein zweistufiges Verfahren einzutreten, zuerst mit Mecklenburg zu fusionieren und dann eine Nordkirche zu bilden.
Sodann wurde der Antrag gestellt, den Rahmenvertrag erst auf der Oktobersynode 2007 zu behandeln. Dies fand mit 28 Jastimmen und 18 Gegenstimmen bei einigen Enthaltungen eine Mehrheit.
Konsistorialpräsident Peter von Loeper ging noch einmal auf den Staatsvertrag ein. Er sehe nicht, daß diese Problematik die Diskussion beeinflussen würde. Zwei Gutachten kämen zu dem Schluß, daß bei einem Beitritt zur EKBO der Vertrag nicht berührt sei, denn es handele sich um Anspruchszahlungen.
Der Eixener Pfarrer Michael Mahlburg sagte, er habe den Eindruck, „als ob sich bei der Nordelbischen Kirche besondere Hoffnungen verbergen, als ob da eine Kirche wäre, die uns auf unserem Weg besonders helfen würde.“ Mahlburg habe aus Unterlagen Nordelbiens entnommen, daß dort bis 2036 die Versorgungsleistungen um 70% ansteigen würden und die Ausgaben für die Pfarrbesoldung um 40%. Nordelbien sei zur Zeit in der dritten Strukturrunde und er zog das Fazit: „Ich kann mir nicht vorstellen, daß es in der dortigen Synode Zustimmung findet, die ganze Entwicklung noch weiter zu verkomplizieren.“
Auch der Ahlbecker Pfarrer Gerd Panknin votierte für den Anschluß an die EKBO und kritisierte den Kirchenleitungsvorschlag, da er das in den Synodalausschüssen Erarbeitete nicht widerspiegele, denn alle Ausschüsse „haben sich deutlichst für die EKBO ausgesprochen.“
Konsistorialpräsident Peter von Loeper stellte klar, daß Nordelbien nicht zu Beitrittsverhandlungen eingeladen habe, sondern zur Bildung einer gemeinsamen Kirche. „Ob es in der NEK einen Ort gibt, wo sich die PEK wohlfühlen kann,“ müsse man sehen. Ein „Eckpunktepapier“ zu erarbeiten sei bis zum Herbst möglich. Dies allerdings unter der Voraussetzung, „daß alle drei Kirchenleitungen bemüht sind, das schnell zu einem Ende zu bringen.“
Der Synodale Dr. Thomas von Woedtke machte auf den fehlenden synodalen Hintergrund der nordelbischen Einladung aufmerksam. Das sei nur der Beschluß der nordelbischen Kirchenleitung und er frage sich, wie die vage Option Nordkirche gegenüber dem Prüfauftrag so ein Gewicht“ bekommen habe. Eine Nordkirche sei ohne Mecklenburg nicht möglich und er zweifelte die Zustimmung der dortigen Synode an, da man gerade den Beschluß zum Rahmenvertrag verschoben habe.
Konsistorialpräsident Peter von Loeper stellte auch fest, daß eine Nordkirche nur mit Mecklenburg möglich sei und „für ein schnelles Tempo braucht man auch die anderen beiden Partner.“
Von Loeper sagte zum kommenden Gesprächsprozeß: „Wenn wir mit der NEK und der ELLM reden, dann dürfen wir nicht den Anspruch haben, das Rad neu zu erfinden.“ Die nordelbische Struktur sei kompatibel und „das NEK-System ist so offen, daß es möglich ist, etwas gemeinsam zu machen.“
Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit sagte, daß er sich in der Synode häufig für eine „Gemeindekirche“ stark gemacht habe. Da gäbe es Anknüpfungsmöglichkeiten bei der EKBO. Bei einer sich weiter differenzierenden Gesellschaft habe man nur Chancen, „wenn wir an der Basis gut funktionierende Gemeinden“ haben. Kirche ist mehr als die Einzelgemeinde. Kirche ist auch Gesamtkirche und braucht das gemeinsame Dach zum Wirken im öffentlichen Raum.“ Daher habe die Kirchenleitung auch Bedenken geäußert, die sich aus einem Beitritt an die EKBO ergeben würden.
Nun sei eine Alternative auf dem Tisch und er sagte den Synodalen, daß sowohl Bischof Wolfgang Huber als auch der Berliner Konsistorialpräsident Ulrich Seelemann zugesichert hätten, daß „die Tür offenbleibt.“
Abromeit appellierte an die Synodalen: „Wir sollten die Einladung der Freunde aus Nordelbien nicht ohne Antwort lassen oder ausschlagen.“ Man solle vielmehr den Bericht abwarten und sich danach verhalten. Er widersprach vorhergehenden Äußerungen, daß Mecklenburg zu diesen Gesprächen nicht bereit sei. In der gemeinsamen Presseerklärung der drei Bischöfe vom vergangenen Dienstag sei festgehalten worden, daß „wenn die Synoden der beteiligten Kirchen zustimmen, [werden] die drei Kirchleitungen im Mai die Gespräche aufnehmen.“ Dieser Erklärung habe auch der Schweriner Landesbischof Hermann Beste zugestimmt.
Vor den Abstimmungen warb Pfarrer Michael Mahlburg noch einmal für die sofortige Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der EKBO: „In der EKBO sind 2009 mehrere Wahlen. Wir verbessern unsere Ausgangsposition nicht, wenn wir weiter warten und die Aussichten auf eine Nordkirche sind sehr, sehr vage.“
Hinweise:
- Zu den dann erfolgten Abstimmungen siehe besondere Meldung: Beschlüsse
- Der Wortlaut der Beschlüsse wird in der kommenden Woche auf den Internetseiten nachzulesen sein.
(18.3.2007)

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