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"Mutter der Rostocker Demokratie"

Dietlind Glüer soll Ehrenbürgerin von Rostock werden

Dietlind Glüer
21.07.2018 ǀ Rostock.  Die als "Mutter der Rostocker Demokratie" bezeichnete evangelische Gemeindepädagogin Dietlind Glüer (geboren 1937) soll Ehrenbürgerin von Rostock werden. Mit einem entsprechenden Antrag wird sich der Hauptausschuss der Bürgerschaft am 21. August befassen und die Bürgerschaft am 5. September, teilte die Stadtverwaltung am Freitag mit. In dem Antrag heißt es, dass sie zu den maßgeblichen Persönlichkeiten der Friedlichen Revolution gehörte. "Dietlind Glüer ist eine Frau, die unsere Zivilgesellschaft geprägt hat und immer noch prägt." Der Antrag ist von 18 Rostocker Bürgern unterschrieben worden.

Selbstlos und mutig habe sie sich für die demokratische Umgestaltung Rostocks eingesetzt, heißt es in dem Papier. "Insbesondere durch ihre menschliche Integrität und ihre Fähigkeit, Menschen persönlich anzusprechen, prägte sie die Umgestaltung Rostocks mit." Als Ansprechpartnerin, motivierende Kraft, Ideengeberin und Netzwerkerin habe sie sich bleibende Verdienste für den friedlichen Umbruch in Rostock erworben.

Dietlind Glüer wurde 1937 in Osterode (Ostpreußen) geboren. Nach dem Krieg flüchtete die Familie nach Mecklenburg. Glüer absolvierte eine Ausbildung zur Gemeindepädagogin und war in der Kinder- und Jugendarbeit in Güstrow, Rostock und Schwerin tätig. Als Gemeindehelferin baute sie ab 1967 die evangelische Kirchengemeinde in der neu entstandenen Rostocker Plattenbaugebiet Südstadt mit auf.

1989 war sie Mitbegründerin des "Neuen Forums" in Rostock und gehörte zu den Besetzern der Stasi-Zentrale in der Hansestadt. Ab 1990 setzte sie sich vier Jahre in der Rostocker Bürgerschaft im Bündnis 90 für die Belange der Stadt ein. Heute sei Dietlind Glüer oft in dem von ihr mitaufgebauten Café "Marientreff" des Vereins Drehscheibe anzutreffen, wo sie weiter Menschen in ihrem politischen Engagement begleite und bestärke, heißt es.

Für ihr Engagement erhielt Dietlind Glüer 1995 das Bundesverdienstkreuz. Außerdem gehörte sie 1990 zu den Kulturpreisträgern der Hansestadt Rostock. 2013 bekam sie die Bugenhagen-Medaille der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland.

Seit 1990 verlieh Rostock bereits vier Männern die Ehrenbürgerschaft: dem Historiker Yaakov Zur (1993), dem Schriftsteller Walter Kempowski (1994), dem Pastor und früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck (2012) sowie dem Landesrabbiner William Wollf (2017).
Quelle: epd

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