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Die monatliche Kolumne von Flüchtlingspastor Walter Bartels

Januar 2018: Umsonst - echt?

(Foto: Walter Bartels)
Das Jahr 2018 begann mit einer ungewöhnlich guten Nachricht: "Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst" (Offenbarung 21,6). Umsonst! Das heißt ja wohl: kostenlos. Echt? Mit einer solchen Ankündigung kann es zumindest niemand von denen aufnehmen, die den Jahreswechsel bedeutungsvoll und mahnend beschworen haben – und das, obwohl der Staat ja immerhin auf üppige Überschüsse im Staatssäckel verweisen kann.

Eine Losung, wie das bei uns in der Kirche heißt, ist eine Art Denk-Zettel, fürs ganze Jahr. 'Lebendiges Wasser umsonst'. Das sollte man sich gut merken, wo uns meist nur Neuerungen zu Lasten des Portemonnaies angekündigt werden.

Mehreres fällt an der Losung auf:
Die Großzügigkeit des Gebers ist geradezu Programm. Wasser ist eben ein Urstoff seiner Schöpfung, ohne den nichts geht. Sorgfältig gefördert, vor Verschmutzung bewahrt, umsichtig verteilt langt es für unzählige Menschen. Der Große Geber scheint keine Sorge zu haben, daß es nicht reichen könnte...  
Dann: Das 'lebendige Wasser' ist zuerst für den Durst da; alles andere kommt danach. Daß die weltweiten Ressourcen an Wasser immer knapper werden, ist eine stumme Not, von der auch Flüchtlinge berichten. Das kann sich unsereins nicht vorstellen. Kriege, Verteilungskämpfe um Wasser treiben Menschen weg und dorthin, wo es mehr als genug davon gibt.

Und: Der Große Geber macht keinen Profit mit seiner Gabe, will kein Kapital aus Durst und Mangel schlagen. 'Lebendiges Wasser' gegen den Durst – eine unbeschreibliche Wohltat für alle, die noch funktionierende Geschmacksnerven haben. Ich bin oft beschämt vom 'Lebensdurst', von dem mir erzählt wird: endlich in Frieden leben; endlich mal ankommen und nicht immer wieder wegmüssen; die Kinder spielen und lernen sehen; das 'Glas' leeren zu dürfen und erleben: es wird nachgeschenkt und nicht gleich abgeräumt.

Das biblische Buch, aus dem die Losung stammt, unterscheidet scharf zwischen dem Durst nach 'lebendigem Wasser' und der Unersättlichkeit des Ímmer-mehr. Grund genug, sich das Jahr über immer mal wieder zu fragen: Wie heißt der Durst, der mich umtreibt? Was will ich eigentlich? Was brauchen wir wirklich? Was tut gut, nicht nur mir?

Walter Bartels