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Ev.-Luth. Kirchengemeinde Parchim St. Georgen

Die St. Georgenkirche

Die St. Georgenkirche mitten in der Stadt.
Die Georgenkirche ist das Herz Parchims. Nur Reste des slawischen Burgwalls sind älter. Die 1229 erstmals erwähnte Kirche war eine dreischiffige turmlose Backsteinbasilika. Sie brannte 1289 teilweise ab. Reste davon sind im heutigen unteren Turmbereich, in der Westwand und im Feldsteinsockelfundament erhalten. Die heutige dem heiligen Georg gewidmete Backsteinkirche ist eine gotische dreischiffige Hallenkirche, die 1307 geweiht wurde. Um 1390 erfolgten Erweiterungen in Form eines Hallenumgangschores und beidseitigem querhausartigen Ausbau des Vorchorjoches. 1612 brennt der hohe Turmhelm ab und wird durch ein niedrigeres Satteldach ersetzt. Teile der reichen Innenausstattung gingen im Laufe der Jahrhunderte verloren. Dennoch sind wertvolle mittelalterliche Ausstattungsstücke aus der Spätgotik und nachreformatorische Bild- und Schnitzkunstwerke der Renaissance erhalten geblieben. Von 1421 stammt ein von Henning Leptzow geschaffener Hochaltar, der von 2002 bis 2006 restauriert wurde. Die Eichenholzplastik Schmerzensmann entstand im frühen 15. Jahrhundert und wenig später die Triumphkreuzgruppe. Von den früheren Malereien überlebten an den südlichen Chorpfeilern Bilder der Kirchenväter Ambrosius und Gregor, außerdem Drolerien am Gewölbe des Nordanbaues. Das Taufbecken von 1620 enthält eine wertvolle Messingschale aus dem 16. Jahrhundert. Bedeutende Kunstwerke der Renaissance sind die Kanzel von 1580 aus einer Lübecker Werkstatt und das Ratsgestühl von 1608 und 1623 für die Parchimer Ratsherren. 1871 wurde von Friedrich Friese III die Orgel gebaut; ihre letzte umfassende Restaurierung erfolgte von 1996 bis 2001 mit Hilfe eines Fördervereins. St. Georgen besitzt ein Fünferglockengeläut. Zwei Glocken entstanden 1400 und 1613. Die drei anderen im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzene Glocken wurden 2006/2007 neu gegossen. Zur Wiederherstellung der Glockenanlage trug ein zweiter Förderverein maßgeblich bei. Die letzten umfangreichen Restaurierungen des Innenraumes der Kirche erfolgten Mitte des 19. Jahrhunderts durch Baumeister Garthe und Ende des 19. Jahrhunderts durch Gotthilf Ludwig Möckel. Aus der Zeit stammt auch der jetzige Hochaltar. In den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts wurden das Dach neu gedeckt, eine Küche, ein Sanitärtrakt und eine Winterkirche eingebaut. Von 2008 bis 2015 erfolgte eine umfassende Sanierung der Außenhülle - insbesondere die Reparatur des stark geschädigten Dachstuhls mit anteiligen Mitteln des Bundes und des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege.  Ab 2016 ist über mehrere Jahre die Innenerneuerung vorgesehen.

Wegen ihrer geschichtlichen, architektonischen und kunsthistorischen Bedeutung gilt St. Georgen als Kirche von regionaler Bedeutung und zusammen mit der Marienkirche als Denkmal nationaler Bedeutung. Die Georgenkirche wurde wegen ihrer bemerkenswerten binnenländischen mittelalterlichen Backsteinarchitektur Norddeutschlands in die Europäische Route der Backsteingotik aufgenommen. Sie wird jedes Jahr besonders im Rahmen der offenen Kirche von knapp zehntausend Touristen besucht. Sie hat wegen ihrer hervorragenden Akustik eine überregionale Bedeutung bei der Gestaltung vielfältiger hochkarätiger Konzerte und anderer kirchenmusikalischer Veranstaltungen. Sie ist alljährlich Austragungsort der Mecklenburgischen Musikfestspiele.