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Die Reformationsbotschaft aus Barth:

Nicht ausruhen! Die Kirche muss sich weiter erneuern

27.10.2013 ǀ Barth.  Latein hat Johannes Pilgrim nie gelernt, doch diesen Kernsatz der Reformatoren zitiert der Leiter des Barther Bibelzentrums gern: „Ecclesia semper reformanda“, die Kirche muss sich immer wieder erneuern. Oder wie es Annemargret Pilgrim, Pastorin der Barther Gemeinde, ausdrückt: „Wir stehen ständig vor der Frage, was wir als Kirche, Landeskirche, Gemeinde und auch als Einzelner verändern müssen, wie weit wir uns erneuern können – ohne die Botschaft der Bibel zu verraten.“

In einem Gottesdienst zum Reformationstag, den NDR Info und der Deutschlandfunk am 31. Oktober live in die Wohnzimmer von zehntausenden Zuhörern schickt, will die Barther Gemeinde eben dieser Frage nachgehen – auch mit einem Blick in die pommersche Geschichte. Denn im Jahr 2013 ragen aus der Barther Historie vier Figuren heraus, die allesamt das Ziel hatten, zu reformieren: Vor 480 Jahren half Prediger Johannes Block, Luthers Botschaft von der Gnade Gottes in Pommern unters Volk zu bringen. Vor 425 Jahren ließ Herzog Bogislaw XIII. in Barth die erste pommersche Vollbibel drucken – auf Niederdeutsch, um sie möglichst vielen zugänglich zu machen. Der theologische Aufklärer Johann Joachim Spalding, der vor rund 250 Jahren in Barth wirkte, betonte die Überzeugung, dass der Glaube nicht nur als Dogma gepredigt werden dürfe, sondern zum Leben und Erleben des Einzelnen in Beziehung gesetzt werden müsse, erklärt Annemargret Pilgrim. Und vor 150 Jahren schließlich erneuerten Architekt Stüler und der Nazarener-Maler Pfannschmidt den Innenraum der Barther Kirche, der vorher kahl und nüchtern wirkte. „Mit der Umgestaltung kam Wärme hinein“, sagt Annemargret Pilgrim. Keine rein ästhetische Frage. „Auch ein Kirchenraum predigt ja.“

Vier Figuren, vier Ereignisse, mit denen die Barther am Reformationstag klar machen wollen: Mit Luthers Thesen von 1517 kam ein Prozess in Gang, der nie abgeschlossen ist. „Wir dürfen uns nicht auf dem ausruhen, was vor knapp 500 Jahren passierte“, sagt Pastorin Pilgrim. Heute sei die Kirche vor allem herausgefordert, auf die weiter schwindende Selbstverständlichkeit des christlichen Glaubens zu reagieren. „Wir können nicht mehr davon ausgehen, dass alle wissen, was in der Bibel steht und was christliche Rituale bedeuten“, sagt Annemargret Pilgrim. Eine Ansicht, die auch für ihren Mann als Leiter des Bibelzentrums prägend ist. Die erste gedruckte Vollbibel Pommerns hatte vor 25 Jahren in Barth die Idee aufkommen lassen, dort ein Bibelzentrum zu gründen. Heute besuchen jedes Jahr über 10 000 Menschen dieses Haus – um zu lernen, was eine Bibel überhaupt ist und wie sie bis heute in die Gesellschaft wirkt.
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 43/2013