Nach oben

Kirchenmusiker Hartwig Eschenburg erhielt den Siemerling-Sozialpreis

Die Musik ist ein Geschenk

Von Marion Wulf-Nixdorf

Hartwig Eschenburg mit seinem Laudator, Oberkirchenrat i. R. Andreas Flade (l.), und dem Kuratoriums vor sitzen den des Dreikönigsvereins, Rainer Prachtl.
08.03.2020 ǀ Neubrandenburg.  Hartwig Eschenburg hat in Rostock eine einzigartige Chorarbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen aufgebaut, die weit über Kirchengemeinde-, Stadt- und Landesgrenzen hinaus wirkte. Für sein großes Engagement erhielt der 86-Jährige jetzt den Siemerling-Sozialpreis.

Er sei als Achtjähriger auf dem Warnemünder Kirchenplatz unterwegs zum Klavierunterricht gewesen, erzählt Hartwig Eschenburg. Als er an der Kirche vorbeikam, hörte er Orgelmusik. „Es rührte mich so an, dass ich stehen bleiben und zuhören musste“, erinnert sich der 86-Jährige. „Von diesem Augenblick an wollte ich Organist werden.“

Hartwig Eschenburg sieht man sein Alter an. Das Gehen wird schwer. Doch als er dann am Rednerpult im Neubrandenburger Lessinggymnasium steht und sichtlich bewegt dankt für die Ehrung mit dem Siemerling-Sozialpreis der Dreikönigsstiftung – da ist wieder alles wie früher in den Chorproben in der Rostocker Johanniskirche oder wie bei den Konzerten: Jedes Wort sitzt, hat Gewicht, Hartwig Eschenburg zieht die Zuhörer in seinen Bann. Und spätestens da ist die große Schar der Anwesenden – so viele seien es noch nie gewesen bei einer Siemerling-Preisverleihung, hieß es – ebenso bewegt wie der Geehrte.

Alle erheben sich, würdigen damit einen Kirchenmusiker, dem stets die Verkündigung des Wortes Gottes durch Musik am Herzen lag. Genauigkeit und Werktreue waren Pfeiler seiner Chorarbeit, er war ein strenger Chorleiter – nach drei Mal Fehlen bei einer Chorprobe drohte er mit einem blauen Brief –, der aber auch väterlich zugewandt wusste, was seine Chormitglieder, egal welchen Alters, bewegte, was sie traurig machte (dann konnte nur eine Chorprobe helfen!), und der Anteil nahm an Hochzeiten, Taufen – am Leben. Die Gemeinschaft in den Chören von St. Johannis war geprägt von ihrem Leiter Hartwig Eschenburg.

Die atemlose Stille nach der Aufführung

Hartwig Eschenburg sei nie auf den Beifall für musikalisch-artistische Höchstleistungen aus gewesen, sagte Laudator Andreas Flade, ehemals als Oberkirchenrat in der Mecklenburger Landeskirche auch für Kirchenmusik zuständig und seit 1969 Chormitglied bei Eschenburg, egal von welchem Wohnort aus. „Am liebsten war ihm jene atemlose Stille nach dem letzten Ton einer Aufführung und wenn in der Stille das Gehörte nachklingen konnte.“

Eschenburg hatte als Kantor nach dem Studium der Kirchenmusik in Halle und einer kurzen Zeit in Bützow 1960 an der St.-Johannis-Kirche in Rostock seinen Dienst begonnen. Der Kirchenchor bestand zu der Zeit aus 17 Mitgliedern. Es gab auch eine kleine Kurrende, aber vor der „hatte er Manschetten“, sagte Laudator Flade. Er habe gemeint, „für das Singen mit Kindern nicht so richtig begabt zu sein“. Aber schon nach einem Jahr hatte sich die Zahl der Kinder verdoppelt. Nach einigen weiteren Jahren musste der Kinderchor geteilt werden in Große und Kleine Kurrende – in beiden zusammen waren rund 70 Kinder.

Aus dem sich auch immer weiter vergrößernden Kirchenchor wurde der Figuralchor. In ihm sangen meist um 120 Frauen und Männer, in Spitzenzeiten bis zu 150. Meist a cappella, später sei seine Aufgabe die Aufführung großer oratorischer Werke geworden.

1964 gründete Eschenburg den Motettenchor, ein übergemeindlich angelegtes Ensemble, das besonders schwere und virtuose Chormusik aufführte. Dieser Chor wurde bald weit über Mecklenburg hinaus bekannt, er sang in der Leipziger Thomaskirche und dem Berliner Schauspielhaus und wurde ins Ausland eingeladen. Aus einem kleinen Chor für das Singen im Gottesdienst, dem Choralchor, wurde 1977 ein Jugendchor mit rund 100 Jugendlichen. So sangen bald etwa 350 Menschen in den Chören der Johanniskantorei. Ab 1986 gab es auch ein „kleines eigenes Orchester“.

„Musik ist ein Geschenk, durch das sich der Himmel auf der Erde mitten in diesem Leben auftun kann“, ist ein Satz von Hartwig Eschenburg. Er hat unendlich viel dafür getan.
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 10/2020

Diese Website verwendet Cookies und die Webanalyse-Tools Matomo und Google Analytics. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich hiermit einverstanden.Eine Widerspruchsmöglichkeit gibt es auf der Seite Datenschutz.