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Der historische Raum – Das Peenegebiet

 

Das Peenegebiet, dessen offene Kirchen im zweiten Heft dieser Reihe beschrieben werden, wurde kurz vor 1128 vom Pommernfürsten Wartislaw bei seinen Vorstößen nach Westen erobert. Im Unterschied zu den später als Hinterpommern bezeichneten Landesteilen und dem Odermündungsgebiet mit Stettin war das Peenegebiet dem Zugriff des polnischen Herzogs entzogen. Auf Grund dieses Rückhalts vermochte Wartislaw seinen Herrschaftsbereich gegenüber Polen zu festigen. Das sich herausbildende Herzogtum Pommern wurde Bestandteil des Deutschen Reichs. Als Ergebnis des Zweiten Weltkrieges fielen Hinterpommern und Stettin nach dem Willen der Siegermächte an Polen.

Um das Peenegebiet dauerhaft der pommerschen Herrschaft einzugliedern, rief Wartislaw erneut Bischof Otto von Bamberg 1128 zu einer Missionsreise ins Land. Bischof Otto kam über Magdeburg, zog durch das Müritzgebiet und wurde in Demmin vom Pommernfürsten begrüßt. Zu den weiteren Stationen dieser Missionsreise gehörten Gützkow, Wolgast und die Burg Usedom. Dort beschloß eine Versammlung der slawischen Edlen für das Peenegebiet die Annahme des Christentums. Einige der Stationen werden in diesem Heft – in der sogenannten Bamberg-Route – beschrieben. In den Nachfolgebauten der damals gegründeten Kirchen gibt es zahlreiche Hinweise und bildliche Darstellungen, die an den später heiliggesprochenen Bischof erinnern, viele dieser Bilder stammen aus dem 19. Jahrhundert. Das zeigt, wie der Bischof, der Apostel der Pommern, auch nach der Reformation als Begründer des Christentums im Lande gewürdigt wurde. In der Demminer Bartholomäuskirche wird eine ständige Ausstellung zum Wirken des Bischofs gezeigt.

Zur ersten Ausstattung des 1140 errichteten pommerschen Bistums, des Bistums Cammin, gehörten vor allem Einkünfte aus dem Peenegebiet. Das Bistum blieb dem Papst unmittelbar unterstellt und wurde keinem der benachbarten Erzbistümern zugeordnet. Es reichte von Güstrow im Westen bis Bütow und Stolp im ­Osten. Im Süden umfaßte es die Gebiete der Uckermark und der Neumark.

Erschlossen wurde das Peenegebiet durch die von den slawischen Fürsten – oft im Zusammenwirken mit den Feldklöstern – ins Land gerufenen deutschen Siedler. Die ältesten erhalten gebliebenen Kirchen stammen aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Sie bieten Hinweise auf die Herkunft der Siedler. Die zahlenmäßig geringe slawische Bevölkerung wurde rasch assimiliert. Auch alle späteren Kirchen gehören bis auf wenige Ausnahmen noch ins 14. Jahrhundert.

Nach der Reformation, die 1534/35 in Pommern eingeführt wurde, hat man alle Kirchen, bis hin zur kleinsten Kapelle, mit Kanzeln ausgestattet. Die Predigt war zum wichtigsten Bestandteil der Gottesdienste geworden. Die in mehrfachen Kriegen während des 17. und 18. Jahrhunderts beschädigten Gotteshäuser wurden immer wieder ausgebessert und neu ausgestattet. Wir haben es dem Einsatz der Gemeinden und der Kirchenpatrone zu danken, daß sich ein reicher Bestand an zumeist noch aus dem Mittelalter stammenden Kirchen mit ihrer vielfach im 18. Jahrhundert geschaffenen Ausstattung erhalten hat. Die dann im 19. Jahrhundert erbrachten Kirchenbauleistungen sind keinesfalls geringer zu schätzen. Heute ist es unsere Aufgabe, unsere Verpflichtung, dieses Erbe für künftige Generationen zu bewahren.

 

Norbert Buske

 


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