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Durch Musik zu den Glocken

Der ehrenamtliche Glockensachverständige für Mecklenburg im Porträt

Von Anja Goritzka

Claus Peter aus Hamm ist ehrenamtlicher Glockensachverständiger in Mecklenburg. Am Tag der Fördervereine im Juni 2018 wurde er in Altentreptow von Bischof Andreas v. Maltzahn für seine Arbeit geehrt.
19.08.2018 ǀ Hamm/Altentreptow.  Der heute 71-jährige Claus Peter war seit 1988 Glockensachverständiger in der Westfalener Landeskirche, nebenberuflich. Schon 1975 wurde er als Experte des nordrhein-westfälischen Landeskonservatoriums berufen. Inzwischen gilt er bundesweit als Experte. Seit 28 Jahren zieht es ihn auch nach Mecklenburg. Als ehrenamtlicher Sachverständiger kennt er hier jedes Geläut und jede Turmuhr. Denn Glocken und Uhren gehören für ihn zusammen

Als Claus Peter auf dem Tag der Fördervereine 2018 im Juni seinen Vortrag über die Glockenvielfalt in Mecklenburg und Pommern hält, leuchten seine Augen immer wieder auf. Kein Wunder, Glocken sind seine Leidenschaft, seine Passion. Alles fing mit einem Turmbesuch in seinem Geburtsort Bamberg an. „Die Küsterin nahm mich damals mit auf den Turm, weil ich technisch interessiert war“, berichtet der 71-Jährige. Da habe er Feuer gefangen. Er nahm als Schüler alle 40 Glocken der 21 Kirchen und Kapellen systematisch auf und schaute sich auch die Turmuhren genau an. Denn Glocken und Uhren gehören für ihn zusammen.

Dennoch studierte Claus Peter Musik, wurde Lehrer. „Der Professor fragte mich schon im zweiten Semester, ob ich nicht meine Abschlussarbeit über Glocken schreiben wolle“, berichtet er heute, denn das Glockenspiel sei eben auch Musik. Dies tat er auch, entschied sich aber für den Lehrerberuf.

Seinen Glocken blieb er dennoch treu, im Nebenamt zunächst als Experte des nordrhein-westfälischen Landeskonservatoriums. 1975 wurde er vom dortigen Landesamt für Denkmalpflege beauftragt, eine wissenschaftliche Bestandserhebung der historischen Glocken und Turmuhren vorzunehmen. Der westfälische Landeskonservator versuchte mehrfach, den verbeamteten Lehrer Claus Peter freistellen zu lassen, um die Glocken inventarisieren zu können. Das gelang nicht. Deshalb ging die Begutachtung der mehr als 1000 Glocken nur schleppend voran.

Ab 1988 wurde Peter zum Glockensachverständigen in der Evangelischen Landeskirche Westfalens berufen, ebenfalls im Nebenamt. „Das war eine schwierige Situation. Die Arbeit ist eine Vollzeitstelle mit Überstunden und Sekretärin“, sagt er.

Mecklenburger Glocken haben besonderen Reiz

Durch die Musik kam Claus Peter dann zu den Glocken in Mecklenburg. Gemeinsam mit seiner Frau und anderen bereiste er als Ensemble für Alte Musik nach der Wende das Land. „Die Kirchen dort haben mich gereizt“, sagt er. So suchte er sich die Glocken aus, die er unbedingt sehen wollte, spielte Konzerte in den Kirchen.

Seine Leidenschaft und sein Expertenwissen sprachen sich in Mecklenburg schnell herum. Er war auch hier als Sachverständiger gefragt. „Vieles geht telefonisch, aber ich bin auch viel unterwegs“, meint Glocken-Peter, wie ihn alle nennen. „Viele Glocken hängen hier seit 700 bis 300 Jahren und tun noch immer ihren Dienst. Das ist faszinierend“, erzählt er. Im Übrigen seien die meisten noch nie detailliert untersucht worden. Eine Aufgabe, die er gern übernahm: Vor elf Jahren promovierte er sogar über die Glockenlandschaft von Wismar.

„Als Glockensachverständiger sind viele Fachbereiche gefragt: Musik, Kunstgeschichte, Kirchengeschichte, Architektur, Theologie, Wissen über Verzierungen“, ist er überzeugt. Auch das Vermitteln von Wissen muss gelernt sein. So muss ein Glockensachverständiger mit den Gemeindemitgliedern, Architekten, Bauarbeitern und vielen mehr kommunizieren können. Körperlich fit sollte man auch sein, denn um Glocken zu begutachten, muss man hoch in die Türme.

Umso schwieriger gestaltet sich da die Suche nach einem Nachfolger. „Das ist ein sehr brisantes Thema“, so Claus Peter. Die Anforderungen gerade in Mecklenburg seien wegen des einzigartigen Bestandes sehr hoch. Der Ruheständler bestätigt: „Jemand, der im Beruf steht und Familie hat, kann es nicht machen. Wir haben selbst keine Kinder und meine Frau war oft mit. Aber solange es ehrenamtlich bleibt, ist es kaum machbar. In Westfalen gibt es einen jungen Mann, der sich in Ausbildung zum Glockensachverständigen befindet.“ Auch für Mecklenburg plädiert er für eine hauptamtliche Stelle.
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 33/2018

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