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Delegationen aus Bayern und der Nordkirche trafen sich in Regensburg

Bischof v. Maltzahn: "Haltet euch mit eurer Begeisterung nicht zurück“

Kirchenvertreter aus Bayern und der Nordkirche tauschten sich in Regensburg miteinander über Zukunftsfragen aus.
21.01.2019 ǀ Regensburg/Schwerin.  „Die Erfahrungen unseres Lebens können einander befruchten! Zu hören, auf welche Weisen Gemeindeleben hier in Bayern und bei uns in Mecklenburg gelingen kann, ist bereichernd!“ Dies sagte der Schweriner Bischof Dr. Andreas v. Maltzahn anlässlich der Begegnung von Vertretern der Nordkirche und ihres Kirchenkreises Mecklenburg mit der bayerischen Kirchenleitung am Wochenende (18. bis 20. Januar) in Regensburg.

Die Beziehungen zwischen „Kirche und Hochschule“, aktuelle Herausforderungen bei der Gestaltung kirchlichen Lebens und die Zukunft der 70-jährigen Partnerschaft waren Hauptthemen des jährlich stattfindenden Austausches der evangelischen Christen aus dem Süden und dem Norden. Mit Prof. Udo Hebel, dem Präsidenten der Universität Regensburg, wurde beispielsweise über das Thema „Wieviel Religion verträgt die säkularisierte Universität?“ diskutiert. Der Kulturwissenschaftler stellte heraus, wie wichtig Orientierung zu Werten wie Toleranz und Menschlichkeit für Studierende sowie interkulturelle und interreligiöse Begegnungen untereinander seien.

Mit „CampusAsyl e.V.“ (www.campus-asyl.de) lernten die Delegationen ein beeindruckendes Projekt der Uni und der benachbarten Ostbayerischen Technischen Hochschule kennen. Auch hier sind die evangelischen Studierendengemeinden aktiv dabei. Deren Angebote und die seelsorgliche Betreuung der Studierenden aus Deutschland und dem Ausland sind für Uni-Präsident Hebel bei aller gebotenen Neutralität einer staatlichen Einrichtung unverzichtbar. Weiterhin tauschten sich die Teilnehmenden zu Vergangenheit und Zukunft der Partnerschaft aus. Am Abend hielt Pröpstin Britta Carstensen die Abendandacht in der St. Oswaldkirche, musikalisch gestaltet vom Präsidenten der Hochschule für Katholische Kirchenmusik, Prof. Stefan Baier.

Leidenschaftlich für Gottes Sache einsetzen ohne „auszubrennen“

Schlusspunkt der Begegnung – die jährlich abwechselnd in Bayern und Mecklenburg stattfindet – war am Sonntag ein Gottesdienst in der Regensburger St. Matthäuskirche. Die dortige Kirchengemeinde ist eine von über 40 bayerisch-mecklenburgischen Partnergemeinden, sie unterhält eine lebendige Partnerschaft zur Pfarrgemeinde St. Marien in Güstrow. In seiner Predigt zum Römerbrief (Röm 12, 9-16) erinnerte Bischof Dr. v. Maltzahn, dass Gottes Glanz in unserem Leben Gestalt gewinnen könne. Die Lesung des Textes wurde von Bayern und Mecklenburgern zusammen vielstimmig gestaltet.

Im Römerbrief, so erinnerte der Bischof, gehe es dem Apostel Paulus „um das erneuerte Lebendig-Sein in Christus, um die Lebensmöglichkeiten, die aus dem ‚neuen Sein in Christus‘ erwachsen“. Diese Begeisterung sei an ihrer Haltung erkennbar, so Andreas v. Maltzahn und zitierte Paulus: „Haltet euch mit eurer Begeisterung nicht zurück. Seid brennend im Geist. Dient dem Herrn.“

Kritisch hinterfragte der Bischof wie diese Worte in einer Zeit zu verstehen seien, in der viele Menschen – auch in der Kirche – mit Burnout zu tun haben, ‚ausgebrannt‘ sind: „Zweifelsohne, Selbstsorge ist angebracht. Es macht uns nicht zu wertvolleren Menschen in den Augen Gottes, wenn wir uns ganz und gar für ihn verausgaben, uns für ihn verzehren.“ Das ‚Brennen im Geist‘ meine nicht nur leidenschaftlich für die Sache Gottes einzutreten, sondern auch wach und empfänglich zu sein.

"Wieder empfänglich und resonanzfähig werden“

„Wenn Burnout nicht so sehr in übermäßiger Arbeit seinen Grund hat“, so der Bischof weiter, „sondern in fehlenden Resonanzen, das Leben also an uns vorbeigeht, wir nicht mehr seine belebenden Momente spüren, dann geht es eben darum – wieder empfänglich und resonanzfähig zu werden“.

Konkret heiße dies, persönlich und in den Kirchengemeinden wie in der Kirche insgesamt, die guten Gaben Lebens wie Freundschaft, Zuneigung, Mitmenschlichkeit wahrzunehmen und mit allen Sinnen für Schönheiten der Natur und großartige Musik offen zu sein, aber auch sich nicht von der Not anderer Menschen abzuschotten. Wenn wir „schlicht das tun, was in unserer Kraft steht, dann ist Gottes Geistkraft in uns am Wirken“, so der Theologe.

Seine Zuhörer rief der Schweriner Bischof dazu auf, bereit zu sein zum Aufbruch aus dem Gewohnten, Vertrauten und das Unbekannte nicht zu scheuen, wohin Gott uns führe. Und damit zu rechnen, dass uns von Gottes Gegenwart manchmal nur Weniges trenne, sich darüber hinaus berühren zu lassen vom Ergehen der Menschen, die ebenfalls auf dem Wege sind.

Als ein Beispiel nannte Andreas v. Maltzahn das Projekt ‚schall.platte‘ des Vereins „Polylux.ev“– der Chor vom Datzeberg, einem Plattenbaustadtteil Neubrandenburgs: „Dieser Chor gibt den Leuten buchstäblich ihre Stimme wieder. Menschen, die Tag für Tag auf den Ämtern erfahren, dass sie nicht gebraucht werden, sondern ein Problemfall sind, erleben durch ‚schall.platte‘: Ihre Stimme zählt! Sie erleben Gemeinschaft, geben Konzerte.“… Menschen richten sich auf, spüren ihre Würde, entwickeln Zutrauen zu ihren Gaben und machen sie fruchtbar.“

Zukunftsthema: Vernetzung und neue Arbeitsweisen im ländlichen Raum

Als ein gemeinsames Zukunftsthema für die Kirche insgesamt machte Bischof v. Maltzahn die verringerten Ressourcen aus. „Diese müssen optimal eingesetzt werden, damit Menschen dennoch mit ihren Fragen die Lebenskraft des Glaubens erfahren können.“ Das bedeute, insbesondere in peripheren ländlichen Räumen neue Arbeitsweisen zu entwickeln, „die Kirche nah bei den Menschen bleiben lässt, ohne dass Mitarbeitende ausbrennen. Weniger muss anders sein. Bilder von Gemeinde werden sich daher wandeln.“ Von Maltzahn zeigte sich überzeugt: „Mehr denn je können wir in solchen Fragestellungen von den Erfahrungen der anderen und vom theologischen Gespräch profitieren.“

Für den bayerischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München) zeige Mecklenburg, wie man mit weniger Ressourcen eine dennoch „ausstrahlungsstarke Kirche“ sein könne. Dies gebe den bayerischen Christen viel Zuversicht für die eigenen Veränderungsprozesse, bei denen es u.a. um mehr Vernetzung gehe. „Die Nordkirche braucht diesen Dialog“, bekannte ebenso Landesbischof Gerhard Ulrich (Schwerin). Zudem zeichne sich die Partnerschaft durch eine „erfreuliche Mischung aus Intensität und Leichtigkeit“ aus.
Quelle: ELKM (cme)


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