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So lief die Wahl im Lübecker Dom

Das lange Warten auf die Bischöfin

Von Mirjam Rüscher

Der Greifswalder Bischof Hans-Jürgen Abromeit gratuliert Kristina Kühnbaum-Schmidt.
07.10.2018 ǀ Lübeck.  Es war ein langer Nachmittag im Lübecker Dom: Die Vorbereitungen zur Wahl zogen sich über Stunden. Dafür ging es dann mit der Entscheidung ganz schnell. Lesen Sie hier, wie die Stimmung vor Ort war, wer der neuen Bischöfin als Erstes gratuliert hat und welches Menü Sie beim Buffet verpasst haben.

Es ist zugig im Lübecker Dom. Viele der Besucher lassen ihre Mäntel und Jacken an, als sie auf den Stühlen in der Kirche Platz nehmen. Es ist wuselig, überall wird geredet, Menschen laufen hin und her, begrüßen einander. Gegenüber des Eingangs ist eine lange Tischreihe aufgebaut, Presse-Schilder stehen auf den Tischen. Das Interesse an der Wahl des neuen Landesbischofs der Nordkirche ist groß. Doch bevor es an die Wahl geht, müssen sich die Besucher in der Kirche gedulden. Zunächst wird Gottesdienst gefeiert.

Petra Kallies, Pröpstin im Krichenkreis Lübeck-Lauenburg, begrüßt die Mitglieder der Landessynode. Bischöfin Jāna Jēruma-Grīnberga aus Lettland hält die Predigt. Sie betont, Christen seien aufgerufen und ermutigt, aus ihrem Glauben heraus über alle konfessionellen Grenzen hinweg öffentlich zu sprechen und zu handeln und Gott um Versöhnung zu bitten. Insbesondere sei das die Aufgabe des künftigen Landesbischofs. „Möge Gott den Landesbischof mit Weisheit, Kraft und einem liebenden offenen Herzen segnen“, schließt Jēruma-Grīnberga.

Synodale werden drei Mal einzeln aufgerufen

Nach dem Gottesdienst strömen alle Besucher in den hinteren Teil des Doms, wo eine Kaffeetafel aufgebaut ist. Vorn wird umgebaut. Mit einer Verspätung von 20 Minuten begrüßt Synodenpräses Andreas Tietze dann die Synodalen. Jeder von ihnen wird einzeln aufgerufen, um die Beschlussfähigkeit der Synode festzustellen. 150 von 156 Kirchenparlamentariern sind anwesend, damit kann es losgehen.

Die Synodalen saßen vorn im Dom, hinten verfolgten einige Zuschauer das Geschehen mit Interesse. Foto: epd-bild/Phllip Reiss
Die beiden Kandidaten vor der Wahl: der Hamburger Propst Karl-Heinrich Melzer und die Thüringer Regionalbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt. Foto: epd-bild/Phllip Reiss
Wieder ergreift Synodenpräses Tietze das Wort. Er begründet den Wahlvorschlag, zählt die Anforderungen auf, denen die Bewerber gerecht werden müssen. Es werde eine Persönlichkeit gesucht, die zuhören kann und mit einer offenen Art auf Menschen zugehe. „Robuste Nettigkeit“ sei gefragt. „Landesbischöfe“, stellt Tietze fest, „fallen nicht vom Himmel.“ Man habe mit dem Hamburger Propst Karl-Heinrich Melzer und der Thüringer Regionalbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt aber zwei sehr gute Kandidaten gefunden.

Tietze ist fertig, doch noch kann nicht gewählt werden. Nun haben die Kandidaten die Gelegenheit, sich vorzustellen. Einzeln werden sie hineingerufen – für die Ansprache von Tietze hatten sie den Dom verlassen müssen. Als Erstes bekommt Kühnbaum-Schmidt die Gelegenheit, die Kirchenparlamentarier von sich zu überzeugen. Etwa eine halbe Stunde spricht sie, bevor sie unter Applaus die Kirche verlässt, um den Platz am Pult für Karl-Heinrich Melzer freizumachen.

Eine weitere halbe Stunde später ist es dann endlich so weit. Das Wahlprozedere kann losgehen. Wieder werden die Synodalen einzeln aufgerufen, jeder bekommt einen blauen Wahlzettel ausgehändigt. Wer seinen Zettel hat, darf sich setzen und ihn ausfüllen. Dann werden die Synodalen ein weiteres Mal einzeln aufgerufen. Jeder von ihnen kommt nach vorn, um seinen Wahlzettel in die Urne zu stecken. Langsam leert sich der vordere Teil des Doms. Wer seinen Wahlschein abgegeben hat, kann in den hinteren Teil der Kirche gehen, dort ist ein Buffet aufgebaut.

Während die Stimmen des ersten Wahlgangs ausgezählt werden, gibt es am Buffet gefüllte Paprika mit Couscous, Rote Linsen, einen griechischen Salat, Kürbis-Quiche und eine bunte Fischburger-Platte.

Um 20.40 Uhr ist es so weit, das Glöckchen klingelt, die Synodalen werden gebeten, wieder Platz zu nehmen. Die Stimmen sind ausgezählt. Synodenpräses Tietze verkündet das Ergebnis: „Auf Kristina Kühnbaum-Schmidt entfallen 90 Stimmen...“, Tietze hat seinen Satz noch nicht zu Ende gebracht, da bricht im Lübecker Dom schon Jubel aus. Allen Anwesenden ist klar, damit ist die Thüringer Regionalbischöfin gewählt.

„Als Erster hat mir mein Mann gratuliert. Gleich danach Propst Melzer“, erzählt Kühnbaum-Schmidt hinterher. Landesbischof Gerhard Ulrich ist der Nächste, dann sind die anderen Nordkirchen-Bischöfe an der Reihe. Die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs nimmt ihre neue Kollegin unter Beobachtung von Synodalen, Fotografen und Journalisten in den Arm. „Die erste WhatsApp hat mir unsere Tochter geschickt. Sie hat von zu Hause aus mitgefiebert“, erzählt Kühnbaum-Schmidt.

„Ich bin sehr zufrieden. Die Synode hat eine gute Wahl getroffen. Es waren aber auch zwei überzeugende Kandidaten“, sagt Landesbischof Ulrich. Für ihn beginnt mit dieser Wahl der langsame Abschied aus seinem Amt. „Ich freue mich jetzt auf den Ruhestand. Ich finde, jetzt ist es auch an der Zeit“, betont er. Kühnbaum-Schmidt bringe den Blick von außen mit. „Sie schaut ganz anders auf diese Kirche, sie wird andere Stärken und Schwächen entdecken, als ich es konnte“, so Ulrich. Die noch junge Nordkirche müsse sich weiterentwickeln und weiter zusammenwachsen, da sei diese Wahl ein guter Anfang.

Kühnbaum-Schmidt freut sich auf ihr Amt als neue Nordkirchen-Landesbischöfin. Nun gelte es, die Dinge in Thüringen abzuschließen und den Übergang vorzubereiten. Ihr Mann, Güntzel Schmidt, der ebenfalls im Pfarramt ist, wird sie in den Norden begleiten. „Es war klar, dass er seine Gemeinde verlässt, wenn ich hier gewählt werde, auch wenn er sehr gern Pfarrer ist. Wir freuen uns, wenn es für ihn eine Berufsperspektive gibt, aber das haben wir erst mal nicht besprochen“, sagt Kühnbaum-Schmidt. Es werde so viel Neues im Amt auf sie zukommen, da brauche es auch einen, der alles andere regelt. Ihr Mann werde erst einmal Hausmann. Die nötige Rückendeckung, um ihr Amt anzutreten, ist ihr also gewiss.


Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 40/2018

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