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Christiane Hrasky tourt mit Workshops für Chorsänger

Blubbern für den richtigen Ton

Von Christine Senkbeil

Nicht Trinkpause, sondern Stimmbildungsarbeit: Die Übungen beim Workshop in Güstrow sind effektiv und unterhaltsam.
24.02.2019 ǀ Güstrow.  Von A wie Anklam bis Z wie Zinnowitz reist Christiane Hrasky in den nächsten Wochen: durch MV und die gesamte Nordkirche. Die Kirchenmusikerin leitet das neu gebildete Kirchenchorwerk und möchte Chorsänger allerorts kennenlernen. Ein Workshop zur Stimmbildung eignet sich am besten, dachte sie. Nun platzen die Anmeldelisten. In Güstrow kamen über hundert Männer und Frauen, die drei Stunden flogen nur so dahin.

Einhundert Menschen sitzen im Saal des Güstrower Gemeindehauses in fröhlicher Leichtigkeit beieinander. Jeder hält einen Becher mit Strohhalm vor sich, den Blick nach vorn. Nein. Hier läuft kein Kinofilm. Nach Herzenslust blasen die hundert nun in den Schlauch, sodass ein Blubbern wie beim Samstags-Abend-Bad den Raum erfüllt. Aber: Nein. Sie spielen nicht, sie arbeiten!

Was hier am Montagabend läuft, ist ein Stimmbildungs-Workshops für Chorsänger. Aus der ganzen Region sind die Singe-Begeisterten angereist: Kreiskantor Martin Ohse hatte zu dieser ersten Veranstaltung in MV mit der neuen Landeskantorin Christiane Hrasky eingeladen. Seit Juli 2018 ist sie als Leiterin des Kirchenchorwerkes im Amt. „Für mich ist das eine super Gelegenheit, einmal quer durch die Nordkirche zu reisen und alle kennenzulernen“, sagt die gebürtige Riesaerin. Das Kirchenchorwerk hat sich 2017 in der Nordkirche gebildet, hervorgegangen aus den Kirchenmusikwerken in Mecklenburg und Pommern. Sein Anliegen: Hilfe und Unterstützung für die Chöre.

Und die leistet Christiane Hrasky auf ihrer ersten „Tournee“ mit großem Elan. Fünf Töne zum Nachsingen hatte sie auf dem Flügel angeschlagen. Allerdings sollen diese nicht in den Raum gesungen, sondern durch den Strohhalm ins Wasser geblasen werden – was für einiges Vergnügen sorgt. „Die Stimmlippen kommen durch den Gegendruck in ein natürliches Vibrieren“, erklärt Hrasky. „Sie werden erstaunt sein.“ Und tatsächlich. Die Töne, die den Raum nach dieser sogenannten „Lax Vox“-Übung erfüllen, klingen voluminöser, schweben über freudig überraschte Gesichter.

"Es macht richtig Spaß und bringt auch etwas“

„Der Effekt bei dem Geblubber war schon gewaltig“, sagt Clemens Nickel lächelnd in der Pause des dreistündigen Workshops. Er ist Tenor in der Güstrower Kantorei, sonst Informatiker – und froh über den Ausgleich Singen. Übungen zum Einsingen sind ihm durch Kantor Ohse geläufig. „Aber das hier ist noch mal intensiver“, sagt er. Auch Chor-Kollege Wolfgang Eipper ist begeistert. „Es macht richtig Spaß und bringt auch etwas“, sagt der Laborleiter. Nicht nur für das Singen übrigens. Auch für die Sprechstimme. „Ich bin durch das Chorsingen viel sicherer geworden, Vorträge zu halten“, sagt Eipper. Auch die von Hrasky angeregten Übungen für Zwerchfell, Tiefen-Atmung oder Kiefer-Entspannung sollen die Teilnehmer mit „ins Singen und Sprechen hineinnehmen“, sagt sie.

Sehr praxisorientiert und mit einer Note Humor ist sie typischen Chorsänger-Fehlern auf der Spur. „Der Ehrgeiz, den Ton bis zum Ende durchzuhalten, ist gar nicht nötig“, sagt sie. „Hier die frohe Botschaft: Sie dürfen zwischendurch atmen. Und zwar jederzeit, außer, Ihr Chorleiter hat es an der Stelle verboten!“ Wie es geht, nämlich über die „reflektorische Atmung“ – auch das erarbeiten die Kursteilnehmer. „Umso schöner und klangvoller können wir singen.“

Christine Hrasky tourt mit dem Workshop durch die gesamte Nordkirche, derzeit durch MV. Überall erwarten sie volle Anmeldelisten: 115 wollen in Anklam mitmachen. „Da wurde ein großer Bedarf getroffen“, sagt Landeskirchenmusikdirektor Frank Dittmer aus Greifswald. Er freut sich über die temperamentvolle Kollegin. „Sie bietet tolle Angebote für alle Chorsänger“, sagt er.

Mozarts großer Alleluja-Kanon am Schluss des Abends in Güstrow klingt jedenfalls wie ein einziger Jubel. Über den Gesang. Über das Beisammensein. Und dank der richtigen Technik klingt es nun auch noch ein bisschen schöner und lauter.
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 08/2019

Weitere Workshops:
  • 25. Februar, 18 bis 21 Uhr in Anklam
  • 26. Februar, 18.30 bis 21.30 Uhr in Waren
  • 27. Februar, 19 bis 21.30 Uhr in Schönberg
  • 2. März, 10 bis 18 Uhr in Zinnowitz
  • 12. März, 19 bis 21.30 Uhr in Wismar.
Anmeldung jeweils beim Kreiskantor.

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