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Traditionelle Adventsmusik soll wegen der Pandemie an vielen Orten im Freien stattfinden

Bläsermusik im Sonnenschein?

Von Sybille Marx

An diesen 21 Orten, verteilt auf die ganze Stadt, wollen am 12. Dezember um 14 und 15 Uhr Bläser spielen – wenn die Inzidenzzahl im Kreis Vorpommern-Greifswald rechtzeitig unter 50 sinkt.
06.12.2020 ǀ Greifswald.  Ganz Greifswald soll klingen am 3. Sonnabend im Advent: Landesposaunenwart Martin Huss und zig Bläser aus MV wollen Adventsmusik unter freiem Himmel spielen – wenn sie wirklich die Genehmigung bekommen.

Für Tausende Christen und Nicht-Christen in Vorpommern gehört sie untrennbar zur Vorweihnachtszeit: die „Bläsermusik im Kerzenschein“, die jedes Jahr zum 3. Adventssonnabend die Greifswalder Marienkirche füllt. Hunderte Bläser aus der Region sitzen dann in der winterkalten Kirche, spielen Adventsund Weihnachtslieder. Insgesamt rund 4500 Besucher kommen in drei Durchgängen, um zuzuhören und mitzusingen.

Während des Lockdowns wird daraus nichts. Doch Landesposaunenwart Martin Huss hat beschlossen: wenn nicht drinnen, dann eben draußen, als „Adventsmusik im Sonnenschein“, openair, an 21 Orten in Greifswald, mit je zwei Konzertdurchgängen.

Jeweils bis zu 100 Zuhörer dürfen sich dort versammeln und mit Mundschutz mitsingen, wenn sie das Hygienekonzept einhalten und eine Sitzgelegenheit mitbringen. „In der Marienkirche hätten nur ganz wenige kommen dürfen, das wollten wir auf keinen Fall“, erklärt Martin Huss. Durch die vielen kleinen Konzerte könne man bis zu 4000 Menschen erreichen. „Ganz Greifswald wird klingen“, hoffter.

Für den Greifswalder Posaunenchorleiter Gerrit Marx war sofort klar: Das unterstützt er. In einer Zeit voller Einschränkungen und Sorgen sei es besonders wichtig, weihnachtliche Stimmung zu verbreiten. Für die 21 Spielorte hat er in Absprache mit dem Ordnungsamt Plätze vor Kirchen, Seniorenheimen, Kliniken und dem Bischofshaus ausgesucht, aber auch den Markt- und den Rubenowplatz. „Die Bläsermusik hatte immer einen missionarischen Anspruch, insofern war mir wichtig, dass die Orte sich auf die ganze Stadt verteilen.“

„Das Schlimmste wäre, nichts zu tun“

Jeweils fünf bis zehn Bläser aus MV wollen sich am 12. Dezember an einem der Orte postieren, zuerst zum Proben, dann für Konzerte von 14 bis 14.30 Uhr und 15 bis 15.30 Uhr. Weitere Ehrenamtliche hat Marx angeheuert, um die Plätze abzusperren, die Besucher zu registrieren und darauf zu achten, dass durchgehend das Hygienekonzept eingehalten wird. „Ich versuche auch überall zu organisieren, dass die Bläser sich zwischendurch mal aufwärmen können oder was Heißes zu trinken bekommen“ – ähnlich wie sonst in der Annenkapelle der Marienkirche. Über Postkarten und die Gemeinden soll die Aktion bekannt gemacht werden.

Erst kurz vorher aber wird sich herausstellen, ob die „Bläsermusik im Sonnenschein“ tatsächlich stattfinden darf. „Richtig gut sieht es derzeit nicht aus“, sagt Marx. Denn die Inzidenzzahl im Kreis Vorpommern-Greifswald müsste dafür unter 50 sinken (die Zahl der positiv Getesteten in den letzten sieben Tagen umgerechnet auf 100 000 Einwohner, wobei die Zahl der Testungen nicht berücksichtigt wird). Zu Redaktionsschluss lag diese Zahl noch bei 78,9. Gut möglich also, dass am Ende alle Arbeit umsonst gewesen sein wird. „Aber wir müssen es versuchen“, findet Martin Huss. „es wird eh’ schon so viel abgesagt. Und das Schlimmste wäre für uns Bläser, in der Advents- und Weihnachtszeit gar nichts zu tun.“

Postkarten mit allen Spielorten und Anmeldehinweisen sollen voraussichtlich ab 5. Dezember in der Greifswalder Marienkirche und der Stadtinfo erhältlich sein.
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 49/2020

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