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Predigt im Doberaner Münster

Bischof von Maltzahn: Ehe hat orientierende Kraft für andere Formen des Zusammenlebens

Bischof Dr. Andreas v. Maltzahn
16.08.2015 ǀ Bad Doberan.  „Ehe – eine gewagte Lebensform?" – diese provokante Frage stellte der Schweriner Bischof Dr. Andreas v. Maltzahn in den Mittelpunkt seiner Predigt am heutigen Sonntag (16. August) im Doberaner Münster. Der Bischof zeigte sich überzeugt, dass die Ehe eine Gestalt des Zusammenlebens ist, „die entlastende und stärkende Qualitäten hat. Sie ist kein waghalsiges Experiment, sondern hat sich über Jahrhunderte hinweg als wandlungsfähig erwiesen.“ Zugleich sei die Ehe auch „in unserer Zeit eine gute Gabe Gottes. Sie hat orientierende Kraft auch für andere Formen, Beziehungen zu gestalten“.

Sein Nachdenken, zu dem er die Gemeinde im Münster einlud, stellte Bischof v. Maltzahn unter die Prämisse, dass es einmal nicht um andere Lebensformen in ihrem Unterschied zur Ehe und etwaige Gemeinsamkeiten gehen soll. Vielmehr fragte der Theologe, welche Verheißung die Ehe in der heutigen Zeit habe und, ob es gute Gründe gebe, Menschen zur Heirat zu ermutigen – trotz des Scheiterns in Ehen und von Ehen. Zugleich stellte er die Frage, ob es „spezifisch christliche Gründe gibt, Menschen zur Ehe zu ermutigen“ und wenn ja, ob man diese so formulieren könne, dass „andere Lebensformen nicht herabsetzt oder abwertet“ werden.

Im Blick auf das Neue Testament seien die Aussagen, die sich unmittelbar mit dem Thema „Ehe“ befassen relativ karg gesät, stellte der Bischof fest. Es ließen sich jedoch inhaltliche Merkmale für eine Ehe in Gottes Sinn ausmachen, wie vor allem Verlässlichkeit, Verbindlichkeit der Beziehung und gegenseitige Verantwortung“, so Andreas v. Maltzahn und ergänzte, dass es kein Geheimnis sei dass die Ehe im Laufe der Jahrhunderte viele Veränderungen erlebt habe.

Liebe ist Gestaltungsaufgabe und gute Gabe Gottes

„Dass zwei Menschen – wie heute in unseren Breiten weitgehend selbstverständlich – aus Liebe heiraten, ist eine vergleichsweise junge Entwicklung, konkret der Epoche der Romantik“, erinnerte der Theologe und verwies auf die Folgen: „Ist die Liebe zueinander das Motiv, einander zu heiraten, so soll diese Liebe die Ehe tragen. Das ist schön, hat aber auch seine Last – wie jemand es einmal formuliert hat: „Wo die Ehe sich wandelt, wo aus der Arbeitsgemeinschaft die Gefühlsgemeinschaft entsteht, da werden Gefühle zur Arbeit.“ Oder: „Liebe ist Arbeit, Arbeit, Arbeit“ zitierte er Hape Kerkeling aus einem seiner Sketche als holländische Eheberaterin.

Die Liebe, und mit ihr die Ehe, sei folglich zu einer Gestaltungsaufgabe geworden. So habe sich der Philosoph Wilhelm Schmidt für eine vernünftige Liebesehe ausgesprochen, in der Gefühl und Vernunft, Romantik und Pragmatik eine ausgewogene Balance halten und die Eheleute die ihnen entsprechende Gestalt ihrer Ehe finden sollen. „Gott sei Dank ist die Ehe nicht nur Aufgabe“, schränkte Bischof v. Maltzahn ein, „sondern auch Gabe – christlich gesprochen: eine gute Gabe Gottes!“

Kraft für Durststrecken und Wellentäler der Beziehung

Ihn selbst, so der Bischof, beschäftige seit langem ein Satz aus einer Traupredigt von Dietrich Bonhoeffer, den er im Mai 1943 aus der Haft an die Brautleute schickte: „Nicht eure Liebe trägt die Ehe, sondern von nun an trägt die Ehe eure Liebe.“ Von Maltzahn: „Es hat etwas Entlastendes, zu wissen: Dieser Mensch und ich sind aneinander gewiesen, einander anvertraut. Gemeinsam sollen und wollen wir die Herausforderungen des Lebens meistern. Es ist entlastend zu wissen: Gott steht auf unserer Seite und hat unseren Bund bejaht, ihn bekräftigt mit seinem Segen. Das gibt Kraft für Durststrecken und Wellentäler der Beziehung. Gerade hier, im Durchstehen und Bewältigen schwieriger Zeiten kann einem geschenkt werden, zu erleben, wie tief man miteinander verbunden ist; und es ist unendlich kostbar, zu erfahren, dass es möglich ist, neu zueinander zu finden.“

Natürlich gebe es für das Gelingen von Beziehungen in Ehen keine Garantien, keine Automatismen. Schmerzlich müssen immer wieder Paare trotz ernsthaftester Bemühungen erleben, dass „weder ihre Liebe noch die Ehe sie weiter zu tragen vermögen“, erinnerte Andreas v. Maltzahn und betonte: „Ehen können scheitern. Und wer von außen hätte ein Recht, hier den Stab zu brechen!?“

Ehe kein waghalsiges Experiment

Dennoch ist die Ehe laut Bischof v. Maltzahn „kein waghalsiges Experiment, sondern hat sich über Jahrhunderte hinweg als wandlungsfähig erwiesen.“ In immer neuen Spielarten sei die Ehe ein Raum der Verbindlichkeit. „Sie ist ein geschützter Raum des Füreinander-Einstehens und der Geborgenheit, nicht zuletzt auch für Kinder.“

Zugleich unterstrich der Bischof der Nordkirche, dass er weit davon entfernt sei, zu behaupten, Gott stehe nur auf der Seite der Verheirateten. Von Maltzahn wörtlich: „In der Tiefe verbunden zu sein, füreinander einzustehen, neu zueinander finden zu können, all das ist auch in anderen Beziehungen möglich und erlebbar. Das erleben Menschen ja glücklicherweise auch in anderen Partnerschaften.“

Entscheidend für die verschiedenen Lebensformen ist, in der Beziehung zu Christus zu sein und seinem Liebesgebot gemäß zu leben, so der Bischof, der dazu ermutigte. „Suchen wir in der Beziehung zu ihm Erfüllung und Orientierung! Es wird uns helfen, barmherzig miteinander umzugehen. Es wird uns helfen, in der Liebe zu leben.“
Quelle: ELKM (cme)