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Wort zum neuen Jahr von Bischof Dr. Andreas von Maltzahn

2018 – Lebendiger leben

Bischof Dr. Andreas von Maltzahn
31.12.2017 ǀ Schwerin.  In den Tagen zwischen den Jahren spüren wir stärker als sonst, dass unser Leben auf etwas wie Anderswerden, Neuwerden aus ist. Die Weihnachtszeit unterbricht den Alltag, in dem wir oft genug getrieben sind von dem, was erledigt werden muss. Manche denken mit Wehmut an etwas Schönes, Wichtiges im Leben, das verloren ging. Andere nehmen eine Sehnsucht in sich wahr, die sich vielleicht gar nicht recht in Worte fassen lässt, und dennoch eine wichtige Stimmung der Seele zum Ausdruck bringt. Oder sie spüren: So soll es nicht weiter gehen. Das kann es doch noch nicht gewesen sein…

Man kann auf verschiedene Weise mit diesen Empfindungen umgehen – indem man für das neue Jahr gute Vorsätze fasst, sich schnell wieder in die Arbeit stürzt oder Lebensfreude in Ablenkung sucht. Erfahrungsgemäß führt das selten zum erhofften Ziel.

Was vermag, uns aufleben zu lassen? Was stillt unseren Hunger nach Leben?

Jesus war überzeugt: „Glückselig sind die, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit. Denn sie werden satt werden.“ (Matthäus 5,6) Es erfüllt uns, nicht allein auf sich bezogen zu bleiben, sondern für andere da zu sein. Es tut gut, sich einzusetzen für ein gutes Miteinander im eigenen Lebensumfeld wie in unserer Gesellschaft insgesamt.

Sich auf diesen Weg zu machen, hat gute Gründe und wichtige Folgen – religiös wie politisch: Im Judentum, dem Jesus ja angehörte, bedeutet ‚Gerechtigkeit‘ ein gemeinschaftsgerechtes Verhältnis zu Gott und seiner Schöpfung. Aus meiner Sicht heißt das für heute unter anderem:
  • Ein gutes Miteinander in unserer Gesellschaft braucht gerechtere Verhältnisse. Armut energisch zu bekämpfen, bedarf einer gesamtgesellschaftlichen Anstrengung!
  • Unsere Gesellschaft muss jetzt auch den Mut aufbringen, die zwingend notwendigen Schritte zu gehen, damit Deutschland seine Klimaziele erreicht! Mich beunruhigt, dass dieses Thema im Vorfeld der Sondierungsgespräche zwischen SPD und CDU keine wesentliche Rolle zu spielen scheint.
  • Die Gemeinschaft in unserem Land lebt auch von einer guten Streitkultur:  Differenzen in der Sache müssen klar benannt werden. Doch Personen dürfen nicht herabsetzt oder gar zerstört werden.
Das „Hungern und Dürsten nach der Gerechtigkeit“ betrifft auch unmittelbar die Beziehung zu Gott. Es ist beglückend, sich nach Gott zu sehnen, ihn besser kennenlernen zu wollen. Es trägt die Verheißung wachen, erfüllten, quicklebendigen Lebens in sich. Die Jahreslosung für 2018 aus der Offenbarung des Johannes (21,6) sagt es so:

Gott spricht:
„Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“

Ihnen allen ein gesegnetes, neues Jahr!

Dr. Andreas von Maltzahn, Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern, Schwerin