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Bischof Dr. von Maltzahn predigte beim Internationalen Großuhren-Symposium

„Zeit ist nicht gleich Zeit: Gemeinwesens braucht den gemeinsamen freien Tag“

28.10.2012 | Rostock (cme). Mit einem Uhrengottesdienst in der St. Marienkirche und der Umstellung der dortigen Astronomischen Uhr auf die Winterzeit ging heute (28.10.) das VI. Internationale Symposium zu mittelalterlichen astronomischen Großuhren zu Ende. Auf Einladung der Hansestadt, der Universität und der Evangelisch-Lutherischen Innenstadtgemeinde hatten internationalen Experten seit Donnerstag in Rostock beraten, und in mehreren Vorträgen auch Gästen die Besonderheiten der altehrwürdigen Instrumente zur Vermessung des Himmels und des menschlichen Erdenlaufs vermittelt.

In den Mittelpunkt seiner Predigt stellte Bischof Dr. von Maltzahn das Thema: Zeit und wie es gut ist, mit ihr zu leben. Er erinnerte daran, wie die Einführung des Chronometers das Lebensgefühl von Menschen verändert habe. „Hatte früher alles ‚seine‘ Zeit – eine Zeit, die den Dingen gewissermaßen eignete –, kam mit der Uhr-Zeit eine unabhängige, quantitativ unerbittliche Art des Maß-Nehmens auf.“

Im Blick auf unsere heutige Gesellschaft führte der evangelische Theologe aus, dass Seelsorger und Supervisoren zu heilsamen Unterbrechungen des Funktionierens ermuntern und an Rhythmen erinnern, die dem Mensch-Sein entsprechen. In diesem Zusammenhang erinnerte Andreas von Maltzahn an das dritte Gebot: „Sechs Tage sollst du arbeiten; am siebten sollst du ruhen“. Er mahnte, dass eine Gesellschaft krank werde, wenn sie diese natürlichen Rhythmen gemeinsamen Aufatmens auf dem Altar der Ökonomie opfere. „Die seelische ‚Hygiene‘ eines Gemeinwesens braucht den gemeinsamen freien Tag. Sonntag ist nicht Werktag. Sonntag ist Feier-Tag. Zeit ist nicht gleich Zeit“, so der Schweriner Bischof wörtlich.

Die spezifisch christliche Sicht der Zeit machte der Bischof am Begriff der Ewigkeit, der Wirklichkeit Gottes, fest. Ewigkeit meine etwas anderes als die Fortsetzung des Zeitstrahls ins Unendliche und unterscheide weniger zwischen Gegenwart und Zukunft. „Wer sein Lebens-Vertrauen auf Gott setzt, wer liebt, wer sich hingibt, der erfährt schon jetzt ‚Ewigkeit‘, Gegenwart Gottes“. Zeit laufe auf ein Ziel zu – „die ‚ewige Zukunft‘, so Dr. von Maltzahn und zitierte den Theologen Paul Tillich weiter: „Das Ewige ist die Lösung des Rätsels der Zeit. Die Zeit ist nicht sinnlos. Sie hat einen verborgenen Sinn – Erlösung. Sie hat ein verborgenes Ziel – das Reich Gottes. Sie bringt eine verborgene Wirklichkeit hervor – die neue Schöpfung“, also die neue Wirklichkeit, in der Gott und Mensch nicht mehr getrennt sein werden, wo endlich Frieden sein wird und Gerechtigkeit.
Darum so der Bischof zum Schluss seiner Predigt: „Sollen die Uhren schlagen, wie sie wollen. Unsere Zeit steht in Gottes Händen. Vertagen wir nicht unser Leben, sondern leben es im Vertrauen auf Gott – jetzt und in Ewigkeit.“

Rückfragen:
Christian Meyer, Pressereferent in der Bischofskanzlei Schwerin,
Tel. 0385 / 20223-165, Mobil: 0160 / 36 38 934