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Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern

Bischof Dr. Andreas von Maltzahn

Dr. Andreas von Maltzahn ist mit der Gründung der Nordkirche Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern. Zuvor war er seit dem 8. September 2007 Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs. Zu seiner zentralen Aufgabe gehört gemeinsam mit Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit die geistliche Leitung des Sprengels, zu dem die Kirchenkreise Mecklenburg und Pommern gehören.
 
Er besucht und berät die Kirchenkreise, leitet den Konvent der Pröpstinnen und Pröpste, feiert besondere Gottesdienste und ordiniert neue Pastorinnen und Pastoren im Sprengel. Zudem repräsentiert er die Nordkirche gegenüber Politik und Gesellschaft im Land Mecklenburg-Vorpommern. Als Mitglied der Kirchenleitung und des Bischofsrats wirkt der Bischof an gesamtkirchlichen Fragen und Entscheidungen mit.

Texte und Predigten von Bischof Dr. Andreas von Maltzahn
Biografie
 
Dr. Andreas von Maltzahn wurde am 5.8.1961 als Sohn eines Pastors in Hagenow (Mecklenburg) geboren. Kindheit und Jugend verlebte er in Rostock. Das Abitur legte er 1980 in Rostock ab. Er verweigerte den Wehrdienst und leistete von 1980 bis 1982 Wehrersatzdienst als Bausoldat.
 
Von 1982 bis 1987 studierte er evangelische Theologie in Rostock und Berlin (Humboldt – Universität). 1987 legte er in Berlin das 1. Theologische Examen ab. Es schloss sich ein Forschungsstudium an der Universität Greifswald an. 1991 wurde er mit einer Arbeit zum Thema: „Wahrhaftige Gewaltlosigkeit als religiöser Weg. Eine Untersuchung zum Denken M.K. Gandhis“ promoviert.
 
Von September 1990 bis August 1992 war er Vikar in Kieve (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) und Teilnehmer am mecklenburgischen Predigerseminar. 1992 absolvierte er das 2.Theologische Examen.
 
Seine erste Pfarrstelle war Vipperow (Landkreis Mecklenburgische-Seenplatte) von September 1992 bis November 1998. Seit 1996 war er gleichzeitig Propst der Propstei Röbel. Pastor in Wismar-St.Nikolai wurde er im Dezember 1998. Seit 2006 war er gleichzeitig Propst der Propstei Wismar.
 
Die XIV. Landessynode der früheren Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs wählte ihn am 30. März 2007 zum Landesbischof. Seit Gründung der Nordkirche ist Dr. Andreas von Maltzahn Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern (Sitz Schwerin).

Andreas von Maltzahn zum mecklenburgischen Landesbischof gewählt

Vor der Wahl: Andreas von Maltzahn im Interview
Die Vorgänger von Bischof Dr. Andreas von Maltzahn in der früheren Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs:

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Meldungen

Landessynodale feierten Abendmahlsgottesdienst

Bischof v. Maltzahn: Gott im eigenen Leben suchen und so lebendig bleiben

17.11.2017 ǀ Lübeck-Travemünde.  „Nach Gott existentiell zu fragen – auf jeder Lebensstufe neu – ist geradezu ein Lebenselixier, genau das, was uns lebendig bleiben lässt!“ Diese Überzeugung vertrat der Schweriner Bischof am heutigen Freitagabend in seiner Predigt vor den Landessynodalen der Nordkirche in Travemünde. Zum traditionellen Synodengottesdienst waren diese am Abend in der St.-Lorenz-Kirche des Ostseeheilbades zusammen gekommen.

Der Bischof stellte die biblische Aufforderung: „Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe. Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den Herrn zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt!“ (Hosea 10,12) in den Mittelpunkt seiner Predigt. Eingangs erinnerte er daran, dass die Kirche beim Thema Gerechtigkeit deutlich wacher geworden sei: So gingen 3 Prozent der Finanzmittel in die Entwicklungsarbeit, zugleich werde die ökofaire Beschaffung in Gemeinden, Verwaltung oder Diensten und Werken immer selbstverständlicher. Die engagierte Bewegung der Eine-Welt-Läden und die Partnerschaftsarbeit, beispielsweise mit Tansania, stehen ebenfalls dafür.

Paradigmenwechsel in kirchlicher Arbeit

Allerdings geht es in der Bibel „nicht nur um die Verwirklichung innerweltlicher Gerechtigkeit“. Es geht laut Bischof v. Maltzahn, um die „Beziehung zu Gott, um ein Leben vor und mit Gott, das in seinem Sinne ist“. Vor diesem Hintergrund blickte der Bischof auf Umbrüche in der Kirche und plädierte für einen Paradigmenwechsel kirchlicher Arbeit. „Dazu gehört für mich eine verstärkte Offenheit für Menschen mit säkularer Lebenshaltung.“ Zugleich fragte er, ob diese erst „religiös“ werden müssten, um mit Gott verbunden zu sein oder ob sich nicht andere Wege finden lassen.

In seiner Predigt berichtete Dr. v. Maltzahn von Kirchengemeinden, in denen gemeinsam mit Nicht-Christen ein politisches Nachtgebet zum Thema „Armut“ vorbereitet werde. Anderswo „entsteht eine Liturgie für einen Gottesdienst für Menschen auf der Suche – und auf einmal sind da Menschen in unserer Kirche, die wir noch nie gesehen hatten“, so Andreas v. Maltzahn. Und in einem anderen Ort verbünde sich „ein ganzes Stadtviertel, um etwas zu tun gegen die Nöte vor Ort – und die Leute staunen, welche Fähigkeiten wir als Kirche einzubringen haben“.

Über den eigenen Glauben offen sprechen

Zugleich rief Bischof v. Maltzahn dazu auf, Gott neu zu suchen. Persönlich hieße dies, vorbehaltlos zu fragen, „was uns Angst macht und was uns hoffen lässt, indem wir die alten Bilder von Gott abstreifen, weil es Zeit ist für neue Entdeckungen“. Zugleich sei es wichtig, in den Kirchengemeinden, Diensten und Werken über den Glauben zu sprechen. „Es gibt eine erstaunlich verbreitete, innere Zensur aus Sorge, Menschen könnten mit dem Glaubens-Thema verschreckt werden“, so der Bischof. Dabei könne es so befreiend sein, „wenn wir unverkrampft darüber sprechen, was unser Leben trägt“.

Den abendlichen Synodengottesdienst gestaltete Bischof Dr. von Maltzahn gemeinsam mit Mitgliedern der Landessynode, die eine Collage biblischer Texte zum Thema lasen. Für die musikalische Gestaltung sorgten Landeskirchenmusikdirektor Hans-Jürgen Wulf und der Synodenchor unter der Leitung von Kantor Sebastian Schwarze-Wunderlich.
Quelle: Bischofskanzlei Schwerin (cme)

Marcus Antonioli ins Propstamt eingeführt

"Zeugnis von der Kostbarkeit und Schönheit des Glaubens ablegen"

04.11.2017 ǀ Wismar.  „Vielleicht ist die Fremdheit des Glaubens heute, eine Chance die Kostbarkeit und Schönheit des Glaubens wieder neu zu entdecken.“ Mit diesen Worten plädierte der neue Propst Marcus Antonioli am Sonnabend für eine Kirche, die Zeugnis vom christlichen Glauben ablegt, Räume offen hält, die die Begegnung mit anderen ermöglicht, Menschen begleitet, sich einmischt und zum Gesprächspartner wird. 

Zuvor war der Theologe in der St. Nikolai-Kirche Wismar vom Schweriner Bischof Dr. Andreas v. Maltzahn, in sein leitendes Amt im Kirchenkreis Mecklenburg eingeführt worden. Unter den zahlreichen Gästen waren Justizministerin Katy Hoffmeister, der 1. Stellvertretende Landrat Matthias Diederich und Wismars Bürgermeister Thomas Beyer.

„Ein gemeinsamer Weg – das ist das die große Herausforderung unserer Zeit“, sagte Propst Antonioli in seiner Predigt und fragte, wie es gelingen könne, „gemeinsam auf dem Weg zu bleiben“. Zugleich bekannte er, dass es manchen Grund gibt, sich zu fürchten. „Was wird aus unserer Kirche – demographisch und geistlich? Wie wird der Glaube seinen Weg in die Zukunft finden?“ Doch, so der Propst; „unsere Angst und Sorge darf uns nicht dazu verführen, die Kostbarkeiten des Glaubens gut wegzuschließen. Sozusagen für Festtage aufzuheben“. Vielmehr gelte, was im 2. Timotheusbrief steht: Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit!

Daher dürfe sich die christliche Gemeinde hinaus wagen und die Türen aufreißen. Manchmal seien es die kleinen Gesten und Zeichen, die Menschen einladen und ermutigen, vielleicht auch nur für ein kleines Wegstück mitzugehen. „Vielleicht ist die Fremdheit des Glaubens heute“, formulierte Propst Antonioli, „eine Chance die Kostbarkeit und Schönheit des Glaubens wieder neu zu entdecken“. Zugleich gäbe es keinen Grund, „sich des eigenen Glaubenszeugnisses zu schämen“, sagte der Theologe mit Verweis auf den Predigtvers. Es könne sogar sein, „dass wir als Christinnen und Christen dieser Gesellschaft genau darin den wertvollsten Dienst erweisen, wenn wir diese Frage offen, ja lebendig halten“.

So gesehen sei es nicht das Schlechteste, immer wieder lebhaft darüber streiten, was denn diese Kostbarkeit ausmacht, ermunterte der Propst und sprach davon, dass dies schon heute auf ganz unterschiedliche Weise gelingt: „wo wir Räume offen halten, die die Begegnung mit dem ganz anderen ermöglichen, wo wir Menschen begleiten, ihnen das freundliche Antlitz Gott zeigen – in Krankheit und Trauer, wo wir uns einmischen und zu Gesprächspartnern werden. Aber ganz besonders, wo wir selbst uns den Verheißungen und Ansprüchen Gottes stellen, auf sein Wort hören und ihn gemeinsam loben und bekennen!“

Vor vielfältige Herausforderungen gestellt

Zuvor hatte Bischof Dr. Andreas v. Maltzahn bereits die derzeit vielfältigen Herausforderungen benannt: „Unsere Gesellschaft ist im Umbruch. Polarisierungen nehmen zu. Hier und weltweit verlangen Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung unseren Einsatz.“ Zugleich, so der Schweriner Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern, stellten sich geistliche Fragen. Beispielsweise, wie es uns gelingt – persönlich wie als Gemeinde –, „ein Leben im Sinne Gottes zu führen? Wie können wir das Leben in unseren Kirchengemeinden so gestalten, dass auch Menschen auf Gott aufmerksam werden, die ohne religiöse Prägung aufgewachsen sind“, beschrieb Andreas v. Maltzahn den Weg, auf dem die evangelische Kirche in Mecklenburg unterwegs sei.

Gelegentlich habe er den Eindruck, dass Strukturdebatten diese Fragen überlagern. „Dabei ist es auch eine geistliche Herausforderung“, unterstrich der Bischof, „wie wir mit den uns anvertrauten Ressourcen umgehen, beispielsweise ob wir in den Kirchenregionen ernsthaft bereit sind, intensiver zusammenzuarbeiten“. Andererseits, so Andreas v. Maltzahn weiter, erlebe er, dass Vieles schon im Werden sei. So würden „neue Ideen werden geboren, Initiativen entwickelt. Gemeinden öffnen sich und trachten nach Vertiefung geistlichen Lebens. Gemeinsam sind wir auf dem Weg.“

Vor diesem Hintergrund wandte sich Bischof v. Maltzahn an den neuen Propst Antonioli und sagte: „Sie bringen vieles mit, das Ihnen in Ihrem neuen Dienst helfen wird“ und nannte u.a. die mecklenburgische Herkunft und zugleich die Verortung in Strukturen, Personen und Gremien der Nordkirche. Mit Leidenschaft sei der neue Wismarer Propst „Gemeindepastor gewesen – auf dem Lande ebenso wie in unterschiedlichen städtischen Kontexten.“ Er wisse also „wie es sich anfühlt in diesen verschiedenen Welten“. Zugleich betonte der Bischof: „Ein leitendes Amt zu übernehmen, bedeutet in besonderer Weise, nicht auf sich selbst, sondern auf Gott zu vertrauen.“

Im Anschluss an den Gottesdienst gab es im Geschwister-Scholl-Gymnasium einen Empfang. Grußworte hielten unter anderem der 1. Stellvertretende Landrat Matthias Diederich, Wismars Bürgermeister Thomas Beyer, Synodenpräses Christoph de Boor sowie Diakonie-Landespastor Paul Philipps. Der Pasewalker Propst Andreas Haerter überbrachte Grüße aus dem pommerschen Kirchenkreis. 

Hintergrund

Pastor Marcus Antonioli stammt aus Hagenow. Nach dem Studium der Theologie in Leipzig und im südindischen Bangalore sowie dem Vikariat in Doberan, war er zunächst als Gemeindepastor in Altkalen tätig. Anschließend übernahm er die Pfarrstelle in Rostock-Groß Klein. Seinen bisherigen Gemeindepfarrdienst in der Rostocker Kirchengemeinde Heiligen-Geist trat er im Jahr 2011 an. Der 46-Jährige ist verheiratet mit einer Religionslehrerin, das Paar hat zwei Kinder.

Die mecklenburgische Kirchenkreissynode hatte den Gemeindepastor im April 2017 für zehn Jahre zum Nachfolger von Propst Dr. Karl-Matthias Siegert gewählt, der in diesem Herbst in den Ruhestand getreten ist. Das Propstamt im Kirchenkreis Mecklenburg wird von vier Pröpsten gemeinsam wahrgenommen. Die Pröpste haben ihren Sitz in Wismar, Parchim, Rostock und Neustrelitz. Mecklenburg ist einer von 13 Kirchenkreisen in der Nordkirche. In ihm gibt es 250 Kirchengemeinden mit insgesamt 170.000 Gemeindemitgliedern.

Die Propstei Wismar, der Seelsorgebereich des neuen Propstes, gliedert sich in die sechs Kirchenregionen Gadebusch, Grevesmühlen, Schwerin-Land, Schwerin-Stadt, Sternberg und Wismar mit insgesamt 69 Kirchengemeinden und ca. 46.000 Gemeindegliedern.
Quelle: ELKM (cme/dav)

Vortrag von Bischof v. Maltzahn zum Thema Konfessionslosigkeit

"Gottesfrage wachhalten für Menschen auf der Suche und für die Gesellschaft“

03.11.2017 ǀ Hamburg.  „Sind Sie religiös oder Atheistin?“ „Weder, noch – ich bin normal.“ Mit diesem Umfrage-Beispiel vom Leipziger Hauptbahnhof, nahm der Schweriner Bischof Dr. Andreas v. Maltzahn seine Zuhörer in Hamburg-Eidelstedt mitten in sein Thema hinein. „Gott, den haben wir glatt vergessen“, so hatte der Theologe seinen Vortrag am Donnerstag (2. November) im Gemeindehaus an der Elisabethkirche überschrieben.

Der Bischof unterstrich, dass Konfessionslosigkeit im Osten Deutschlands sich für viele inzwischen über Generationen hinweg als Normalität vererbt habe. „Aber auch in Hamburg nimmt die Zahl der Menschen mit säkularer Lebenshaltung zu“, so Andreas v. Maltzahn. Zugleich machte er klar, dass es ,den‘ oder ‚die‘ typische Konfessionslose/n nicht gibt. Zu verstehen, wie diese verschiedenen Menschen ohne Glauben an Gott ‚ticken‘, ist für den Schweriner Bischof ein wichtiger Ansatz für den Dialog: Was erfüllt ihr Leben? Was trägt sie in Krisen und im Gedanken an den Tod? Wonach sehnen sie sich in der Tiefe ihres Herzens?

In seinem Vortrag fächerte er drei Aspekte auf: Zum einen, was Christen unter Menschen mit säkularer Lebenshaltung wahrnehmen können. Zum Zweiten: Was dazu führt, dass Gott Menschen fremd geworden ist, dass sie ihn verloren haben? Und Drittens: Was wir tun können, damit die Frage nach Gott lebendig bleibt oder wieder lebendig wird – unter uns wie unter den Menschen mit denen wir leben.

Zugespitzt formulierte Bischof v. Maltzahn im Blick darauf, was für die Ostdeutschen an die Stelle einer religiösen Weltanschauung tritt: „Die neue ‚Religion‘ der Ostdeutschen ist das zum Ideal erhobene Leben fürs Private, für das nahe Umfeld ihrer Existenz.“ Deren Weltanschauung sei eine Art ‚Wissenschaftsgläubigkeit‘, die sich auf Wissenschaftlichkeit beruft, aber über deren Deutungsanspruch weit hinausgeht. „In Kursen ‚Glaube zum Kennenlernen‘ war der Durchbruch meist geschafft“, berichtete der Bischof aus seiner Zeit als Gemeindepastor, „wenn das Verhältnis von Glaube und Naturwissenschaft geklärt war – als nicht sich ausschließend, sondern einander ergänzend.“

Vorurteile – auf beiden Seiten

Zudem gebe es nach wie vor eine Menge Vorurteile – auf beiden Seiten: Binnenkirchlich würden Menschen, die keiner Religionsgemeinschaft angehören, vielfach als defizitär wahrgenommen. Und Konfessionslose wiederum sehen Christinnen und Christen oft mit einem gewissen Gefühl der Überlegenheit in Sachen der wissenschaftlichen Erkenntnis, formulierte der Bischof. „Die atheistische Bildungspolitik der DDR, die jede Religion unter den Generalverdacht der Unwissenschaftlichkeit stellte, ist hierin erfolgreich gewesen.“

Zudem verwies Andreas v. Maltzahn darauf, dass Menschen mit säkularer Lebenshaltung sich „Rituale für ihr Leben leihen“ und nannte als Beispiel die ‚Sunday-Assembly‘ in Hamburg. Dort träfen sich Leute jeden Sonntag zu einer Art Gottesdienst für Menschen ohne Konfession. Zugleich fehle es in der Gesellschaft weithin an religiöser Prägung, was „nicht nur einen Mangel an Wissen, sondern auch an religiöser Vorstellungskraft und Sprachfähigkeit“ bedeutet. Und dann gibt es noch das Phänomen, das „manche Menschen unserer Tage sich reflektiert als religiös ‚unmusikalisch‘ begreifen“, skizzierte der Theologe. Hier stelle sich die Frage, ob sie erst religiös werden müssten, um in Beziehung zu Gott treten zu können oder ob sich nicht andere Wege finden lassen.

Interessant: In den Untersuchungen der Nordkirchen-Arbeitsstelle ‚Kirche im Dialog‘ sei deutlich geworden, dass drei Themen inhaltlich besonders bedeutsam sind für das Gespräch mit Menschen, die ohne Gott leben: „Das Leben nach dem Tod, das Verhältnis von Naturwissenschaft und Glauben sowie – im Osten – die Frage nach der Güte Gottes angesichts der Ungerechtigkeiten der Welt“, berichtete Bischof v. Maltzahn und ergänzte: „Knapp die Hälfte aller befragten Konfessionslosen schätzt an unserer Kirche, „dass man (in der Kirche) nicht perfekt sein muss, um angenommen zu werden“. Sein Fazit: „Wir brauchen also keine falsche Scheu zu haben, den christlichen Glauben ins Gespräch zu bringen.“

Gründe für die Entfremdung von Gott

Zu den vielfältigen Gründen für die Abwendung von Religionen zählt im Osten, dass das Leben unter zwei Diktaturen mit antikirchlicher Ausrichtung Spuren hinterlassen hat und im Westen die 68er-‚Kulturrevolution‘ den Lebensstil der Menschen dauerhaft beeinflusst und die Gleichgültigkeit gegenüber religiösen Fragen wachsen lassen. Darüber hinaus hätten „die Kirchen in Deutschland selbst, manches getan bzw. unterlassen, wodurch ihre Glaubwürdigkeit beschädigt wurde“, so Bischof v. Maltzahn und nannte als Beispiele, die Kriegspredigten oder die Übergriffe sexualisierter Gewalt von kirchlichen Amtsträgern.

Ebenso liegen manche Gründe dagegen eher in der biographischen Entwicklung der jeweiligen Menschen. „Nach meiner Beobachtung verlieren viele ihr Zutrauen zu Gott in der Phase des Erwachsenwerdens“, sagte Andreas v. Maltzahn. „Die Bilder der Kinderzeit tragen dann nicht mehr so ohne weiteres.“ Es brauche neue Vorstellungen von Gott. Der Glaube müsse durch Fragen und Zweifel hindurchgehen, „um auch denken zu können, was man glaubt.“

Wege, Gott neu zu entdecken

Der Schweriner Bischof ermunterte Christen dazu, auf dem Weg zu und mit den Suchenden unserer Zeit zu sein. Als Beispiele nannte er die „erstaunlich bunte Truppe“, die auf den Pilgerwegen unterwegs sei oder ebenso die Fußballfans mit ihrer Sehnsucht nach Zugehörigkeit zu einem größeren Ganzen. „Oder denken wir an die wachsende Bewegung der modernen ‚Illuminati‘: Kaum ein Haus, das im Winter nicht durch Leuchtketten oder wenigstens einen leuchtenden Stern geschmückt wäre“, erinnerte der Bischof seine Zuhörer und fügte hinzu: „Ich kann dieses Phänomen auch wahrnehmen als ein vieltausendfaches Zeichen unausgesprochener Sehnsucht nach Licht in der Dunkelheit, nach Harmonie in der Zerrissenheit – und nach einem Leben, das dem entspricht.“

Weitere Schlaglichter seien die „hochspannende Auseinandersetzung mit dem Thema ,Tod‘ in unserer Gesellschaft“ oder all jene, die „allen Ernstes Lebensberatung bei Wahrsagerinnen und Bildschirm-Astrologen suchen, denn auch sie spüren: Ich kann mein Leben nicht allein aus mir heraus gewinnen und gestalten“.

Bischof v. Maltzahn erinnerte daran, dass die Nordkirche neue
Begegnungsräume entwickelt, damit Dialog entstehen kann. Dazu zählte das Schülerprojekt TEO – Tage ethischer Orientierung. Oder die Passionsandachten, die eine mecklenburgische Pastorin an Orten heutigen Leidens gestaltet und zu der viele kommen - auch jene, die mit der Kirche eigentlich nichts am Hut hätten. Die Andachten finden z.B. „an einer Kreuzung mit tödlichen Unfällen; am ehemaligen Konsum, der als Ort der Kommunikation vermisst wird; oder an einer Bushaltestelle, an der nur noch selten ein Bus hält und die dafür steht, dass Menschen sich von der gesellschaftlichen Entwicklung abgehängt fühlen“, so Andreas v. Maltzahn.

Zudem machte der Theologe ‚Altäre des unbekannten Gottes‘ aus, obgleich Menschen in unserem Land Gott ganz und gar fremd sei und sie ihn nicht vermissten. „Da ist beispielsweise der ,Altar der ,Liebe‘, der ,Schönheit‘ oder der ‚Altar der Freiheit‘: „Vielen Menschen geht Freiheit über alles. Sie ist ihnen geradezu ‚heilig‘, auch wenn sie das vielleicht nicht in einen religiösen Zusammenhang stellen würden.“ Dennoch habe das Thema der Freiheit eine religiöse Dimension und sei mit dem Thema Verantwortung verbunden. „Wem ist da eigentlich zu antworten? Wer ist das Gegenüber, das uns zur Antwort ruft: Das Leben? Die Geschichte? Gott? Der Dialog am Fuße des ‚Freiheits-Altars‘ ist zumindest offen für eine Dimension, die das Geheimnis der Welt berührt“, so Dr. v. Maltzahn.

Unsere Würde ist gottgeschenkt!

Vor diesem Hintergrund erinnerte der Bischof an Martin Luther, der umgetrieben war von der Frage: „Wie kann ich bestehen – vor Gott, vor seinem Gericht?“ Diese sei hochaktuell, auch wenn sie sich heute vielen in anderer Form stellt: Ein Beispiel seien die beruflichen Leistungsansprüche, die einen mehr und mehr unter Druck setzen, ebenso wie der Erwartungsdruck, unter dem Männer und Frauen in Partnerschaft und Familie stehen.

Die befreiende Antwort auf seine Fragen fand Luther in der Bibel, erinnerte der der Bischof. So entscheidet in Gottes Augen „kein Tun, kein Werk, nicht einmal das Lebens-Werk über den Wert eines Menschen. Seine Würde, der Sinn insgesamt seines Lebens, ist leistungsunabhängig.“ Für Andreas v. Maltzahn ist dies eine hochaktuelle Zusage, die deutlich macht: „Unser Wert als Mensch ist nicht abhängig von Leistung! Unsere Würde ist gottgeschenkt! Wir müssen unser Lebensrecht nicht erst erarbeiten – in Schule und Beruf, Partnerschaft und Familie.“

Es ist eine große Herausforderung, so Bischof v. Maltzahn am Schluss seines Vortrages, „die Frage nach Gott wachzuhalten – für Menschen auf der Suche genauso wie für unsere Gesellschaft, die auf das soziale und ethische Potential von Religion nicht verzichten kann“.
Quelle: Bischofskanzlei Schwerin (cme)
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