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Bischof von Maltzahn zur Debatte über Militäreinsätze im Ausland

Frieden nur mit dem Konfliktpartner – nicht durch seine Niederlage

Bischof Dr. Andreas von Maltzahn
13.07.2014 ǀ Bad Doberan.  „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ Dieses Prinzip aus dem Römerbrief (Kapitel 12) stellte Bischof Dr. Andreas von Maltzahn in den Mittelpunkt seiner Predigt am heutigen Sonntag im Doberaner Münster. Im Blick auf zwei aktuelle Debatten, in denen es um nicht weniger als um Krieg und Frieden für unser Land gehe, forderte er dazu auf, sich einzumischen und die Dinge zu hinterfragen.

Der Bischof bezog sich auf die vom Bundespräsidenten angeregte Debatte, ob Deutschland zukünftig früher und entschlossener Militäreinsätze im Rahmen der UNO übernehmen solle. Von Maltzahn stellte klar, dass es dazu nicht die eine christliche Position gebe. Zugleich wandte er sich aber dagegen, dass manche „die Zurückhaltung von uns Deutschen gegenüber Militäreinsätzen als überholt“ darstellten. „Es ist die bleibend aktuelle Erfahrung unseres Volkes, dass der Griff zu den Waffen Unheil mit sich bringt! Zwei Weltkriege haben uns das gelehrt“, so der Theologe. Im Blick auf das international gewachsene Gewicht, solle Deutschland vielmehr Vorreiter in Sachen Ökologie und Gerechtigkeit sein und Friedensdienste stärker fördern. Letztere könnten manche Streitigkeiten befrieden, bevor sie auf der Ebene der Gewalt angekommen seien. „Darum“, folgerte der Bischof, „lassen wir uns unsere Zurückhaltung gegenüber Militäreinsätzen nicht ausreden! Das sind wir auch den Soldatinnen und Soldaten schuldig.“

Kritisch hinterfragte Andreas von Maltzahn die Position von Verteidigungsministerin von der Leyen, Deutschland solle sich Drohnen beschaffen, mit denen man nicht nur beobachten, sondern auch kämpfen und töten kann. „Es reicht nicht zu sagen“, so der Bischof, „der Schutz der Soldaten macht es nötig:“ Andere ernstzunehmende Sicherheitspolitiker seien überzeugt, dass Kampfhubschrauber und -flugzeuge die Truppe ausreichend schützten und es keine Sicherheitslücke gebe. „Der Missbrauch von Kampfdrohnen zur gezielten Tötung durch die US-Armee sollte uns sehr kritisch fragen lassen.“

„Es ist der Einsatz für Gerechtigkeit, der in der Welt friedensstiftend wirkt.“, so der Theologe. Vergeltung sei unfruchtbar. Vielmehr sollte das Böse mit Gutem überwunden werden. Dafür müsse zwischen den Personen und dem, was sie tun, unterschieden werden. „Nicht ‚der‘, sondern ‚das‘ Böse muss überwunden werden“, sagte der Bischof und ergänzte: „Verwandelte Verhältnisse gibt es nur mit dem Konfliktpartner – nicht durch seine Niederlage.“
Quelle: Bischofskanzlei Schwerin