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"Reformatio Baltica“

Bischof Abromeit: „Die Beschäftigung mit der Reformation hilft, Wege für die Zukunft zu finden“

13.09.2015 ǀ Vilnius.  Unter dem Motto „Reformatio Baltica“ gehen vom 9. bis 13. September über 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, den USA und den baltischen Ländern in Vilnius (Litauen) den „Kulturwirkungen der Reformation in den Metropolen des Ostseeraums“ nach. Die Nordkirche fördert den hochkarätig besetzten Kongress. Als deren Vertreter überbrachte Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit (Greifswald), Grußworte: „Ich bringe Ihnen zum Internationalen Kongress „Reformatio Baltica“ die Grüße der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland, die Grüße der Kirchenleitung, von Landesbischof Gerhard Ulrich und den anderen drei Bischöfen. Der Nordkirche ist es wichtig, diese Art der multiperspektivischen Reformationsforschung zu fördern. Die Beschäftigung mit der Reformation im baltischen Raum kann nicht nur Impulse für die Aneignung der eigenen Geschichte setzen, sondern auch helfen, Wege für die Fortsetzung der Modernisierung zu finden.“

In den Mittelpunkt seines Grußworts am Freitagabend (11. September) stellte Bischof Abromeit den aus Pommern stammenden Reformator Johannes Bugenhagen, einen Wegbegleiter Martin Luthers. Dieser entwickelte für den gesamten norddeutschen Raum und bis nach Dänemark und Norwegen Kirchenordnungen, die vom Gottesdienst bis zum Schulunterricht eine rechtliche Basis schufen. „An Johannes Bugenhagen wird exemplarisch deutlich, wie kulturprägend die lutherische Reformation gewirkt hat. Von Stolp über Köslin, Kolberg, Stettin, Greifswald, Stralsund, Lübeck, Hamburg, Schleswig bis nach Kopenhagen und Lund ergab sich für über hundert Jahre ein Kulturraum, der geprägt von der lutherischen Theologie auch das Sozialwesen, das Bildungswesen und die Universitäten bestimmte. Der Südwestteil dieser Region gehört heute zur Nordkirche“, so Bischof Abromeit.

Noch sei nicht ausgemacht, welchen Stellenwert die Kirchen der Reformation künftig im baltischen Raum hätten. Die heutige Situation nach dem Zweiten Weltkrieg, nach kommunistischen Diktaturen und einem Abschied vom Staatskirchentum wie in Schweden und Norwegen könnte man als Übergangszeit charakterisieren: „Einerseits schufen Säkularisierung und Atheismus in manchen Ländern eine religiös ausgedünnte Landschaft. Andererseits entfaltet das lutherische Christentum hier von neuem eine beachtliche Gestaltungskraft.“

Zu den Förderern des internationalen Kongresses gehören neben der Nordkirche die Universitäten Hamburg, Greifswald und Vilnius sowie das Greifswalder Alfried Krupp Wissenschaftskolleg. Unter den Wissenschaftlern sind Historiker, Theologen, Kunsthistoriker und Sozialwissenschaftler.
Quelle: Bischofskanzlei Greifswald (ak)