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Bischof Abromeit ordiniert Theologinnen ins Pfarramt

Segen für Marie-Luise Marlow und Anne Plagens

Marie-Luise Marlow (li.) und Anne Plagens vor einer bemalten Holzwand im Eingang des Greifswalder Doms
31.08.2017 ǀ Greifswald.  Im Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis werden am Sonntag (3. September) zwei junge Frauen zu Pastorinnen ordiniert. Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit segnet Marie-Luise Marlow (Putbus) und Anne Plagens (Lassan) im Greifswalder Dom St. Nikolai und sendet sie in den Dienst der Kirche. 

Anne Plagens und Marie-Luise Marlow werden feierlich mit der öffentlichen Verkündigung und der Verwaltung der Sakramente beauftragt. Sie dürfen nun also predigen, taufen und das Abendmahl austeilen.

Bischof Abromeit freut sich, dass es die beiden Frauen ins Pfarramt nach Pommern gezogen hat: "Anne Plagens und Marie-Luise Marlow sind in für unsere Region typischen kirchenfernen Familien aufgewachsen. Beide haben erfahren, wie das Evangelium von der Erlösung des Menschen durch Jesus Christus einen packen und das Leben umkrempeln kann. Dass sie nun als Pastorinnen diese Botschaft verkündigen werden, ist eine Bereicherung für den Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis und zeigt, dass Gottes Wege für uns Menschen zwar oft unerwartet, aber immer auf Hoffnung gerichtet sind."

Marie-Luise Marlow - Pastorin in Putbus  

Marie-Luise Marlow kam 1984 in Rostock zur Welt und wuchs in Dierhagen auf dem Darß auf. Aus einer nicht kirchlichen Familie stammend war die Kirche auf der Straße gegenüber für das Kind gleichzeitig fremd und geheimnisvoll. "Ich erinnere mich, dass ich einmal durchs Schlüsselloch hinein geschaut habe", erzählt sie. Im Alter von etwa 14 Jahren erwachte ihr Interesse an Religion. "Mich haben die existenziellen Fragen umgetrieben wie die, ob es einen Gott gibt. Ich hatte aber nicht die Idee, einmal Pastorin zu werden." Das Interesse an den philosophischen Fragen war aber immerhin so groß, dass sie in Greifswald ein Lehramtsstudium Deutsch und Religion begann. "Ich liebe die Arbeit mit Kindern und wollte gerne als Pädagogin arbeiten. Mir wurde aber schnell klar, dass ich keine Gymnasiallehrerin werden würde."

So beschloss sie, auch ohne konkretes Berufsziel Theologie zu studieren. "Wichtig war für mich die Erkenntnis, dass sich Wissenschaft und Glauben dabei wunderbar verbinden lassen." Während ihres Studiums in Greifswald ließ sie sich taufen. Entscheidend für ihr Bild einer christlichen Gemeinschaft waren Aufenthalte in Südamerika, bei denen sie in sozialen Projekten mitarbeitete: In Peru und Argentinien kümmerte sie sich um Kinder und Jugendliche aus armen Verhältnissen oder schwierigem Familienhintergrund. Bei ihrem zweiten Aufenthalt in Argentinien arbeitete sie in einer ökumenischen Menschenrechtsorganisation in Buenos Aires mit, deren Ziel die Aufarbeitung der argentinischen Militärdiktatur ist. "Diese gelebte Nächstenliebe, hat mich gepackt. Die Devise dort lautet: Zuerst kommt der gelebte Glaube, die Spiritualität und dann die Theologie."

Mit offenen Augen für die Nöte ihrer Mitmenschen möchte sie auch als Pastorin in Putbus durch den Tag gehen. Nach ihrem Vikariat in der Kirchengemeinde Gristow-Neuenkirchen bei Greifswald begann sie im Februar ihr Amt auf Rügen. Auch wenn sie derzeit mit ihrem zweiten Kind in Elternzeit ist, sind ihr Begegnungen mit Gemeindegliedern willkommen. Die kleine Familie lebt im Pfarrhaus in Vilmnitz. Marie-Luise Marlow liegt es am Herzen, dass Kinder und Jugendliche vom Evangelium erfahren und sich in den Räumen der Kirche treffen können, deshalb möchte sie neue Angebote schaffen und den Kontakt zum Kindergarten in der Putbusser Schlosskirche vertiefen.

Anne Plagens - Pastorin in Lassan

1984 in Pasewalk geboren wuchs Anne Plagens in Neustrelitz in Mecklenburg auf, zunächst ohne jede Berührung mit der Kirche. Eine Paddelfreizeit der Kirchengemeinde, zu der ihre Schulfreundin sie eingeladen hatte, brachte sie in Kontakt mit dem christlichen Glauben: "Da gab es jeden Abend eine Andacht und zwischendurch haben wir immer wieder christliche Lieder gesungen. Im Jahr drauf ging es nach Lettland. Ich war beeindruckt von der Frömmigkeit der lettischen Jugendlichen", erinnert sich Anne Plagens.

Kurz nach ihrem Abitur ließ sie sich taufen. Die junge Pastorin mit den Dreadlocks erzählt: "Der Taufkurs hatte mir so viel Spaß gemacht, dass ich dann zu meinem Französisch- und Spanischstudium noch Theologie studiert habe." Die Bibel entdeckte sie wie ein unbekanntes Land. "Ich habe die Bibel zu der Zeit rauf und runter gelesen. Die Geschichten erschienen mir aufregend oder auch verstörend. Dieser Blick von außen hilft mir heute, wenn ich es mit Menschen zu tun habe, die nicht kirchlich aufgewachsen sind."

Genauso wichtig wie die Theorie war für sie die Gebetspraxis. Während ihres Studiums in Leipzig lernte sie das Tageszeitengebet in der Thomaskirche kennen und war sofort fasziniert: "Diese ruhigen Psalmengesänge haben mich richtig gefangen genommen und mir einen Zugang zur christlichen Spiritualität eröffnet. Ich würde mich freuen, wenn sich in der Lassaner Gemeinde ein Kreis findet, der sich einmal in der Woche zu einem gesungenen Morgengebet oder einer Vesper am Abend trifft."

Ihr Vikariat absolvierte sie in Brunsbüttel. Dort hat sie die evangelische Pfadfinderarbeit kennengelernt und ist selbst Pfadfinderin geworden. Sie ist überzeugt davon, dass "diese lebendige und kommunikative Gemeinschaft Kinder und Jugendliche befähigen kann, als verantwortungsbewusste Christenmenschen zu leben." Nach ihrer Zeit im Kirchenkreis Dithmarschen hat es sie nach Pommern gezogen, zumal ihre Eltern hier leben und ihr Partner in Greifswald arbeitet. "Lassan ist ein hübscher Ort in einer wunderschönen Gegend. Obwohl es hier viele Menschen mit knappen Einkommen gibt, ist mir hier ein begeistertes Engagement begegnet. Mir gefällt auch die bunte Mischung aus Alteingesessenen, eher alternativ eingestellten Zugezogenen und Touristen."
Quelle: Bischofskanzlei Greifswald (ak)